Zottiges Goldauge
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Zottiges Goldauge (Heterotheca villosa) | ||||||||||||
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| (Pursh) Shinners |
Das Zottige Goldauge (Heterotheca villosa; Syn.: Chrysopsis villosa), auch Behaarte Goldaster genannt,[1][2] ist eine Pflanzenart aus der Gattung Heterotheca innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Sie ist in Nordamerika weit verbreitet und wird gelegentlich als Zierpflanze verwendet.
Beschreibung
Das Zottige Goldauge ist hinsichtlich der Wuchshöhe, der Blattform, der Behaarung von Stängel und Blättern, der Anzahl der Blütenkörbe und Blüten sowie weiterer Merkmale sehr variabel. Aufgrund der hohen umweltbedingten Variabilität, der sich überschneidenden Merkmalsausprägungen und der sehr feinen diagnostischen Merkmale lassen sich einige Arten der Gattung Goldaugen – darunter das Zottige Goldauge – nur schwer voneinander abgrenzen.[3]
Vegetative Merkmale
Das Zottige Goldauge ist eine vielgestaltige, manchmal Ausläufer treibende, ausdauernde krautige Pflanze mit mehreren niederliegenden oder aufrechten, teils verzweigten Stängeln. Sie erreicht Wuchshöhen von 5 bis 80 Zentimetern. Die manchmal rötlichen, nach oben hin grünen Stängel sind rau behaart. Die 2 bis 8 Zentimeter langen und 1 bis 2 Zentimeter breiten, graugrünen Grundblätter sind länglich elliptisch bis lanzettlich. Die Stängelblätter sind verkehrt-eiförmig bis lineal-lanzettlich, weich behaart, stumpflich und meist ganzrandig, selten schwach gezähnt.[1][4]
Generative Merkmale
Die Blütezeit reicht von August bis Ende Oktober. Die Blütenkörbe sitzen einzeln oder zu mehreren an den Enden der Stängel. Sie haben einen Durchmesser von etwa 2,5 Zentimetern und bestehen aus 7 bis 30 goldgelben, 2 bis 3 Millimeter breiten, länglich-eiförmigen, weiblichen Zungenblüten sowie vielen gelben, zwittrige Röhrenblüten. Die linealischen, zugespitzten, behaarten Hüllblätter sind in mehreren Reihen dachziegelartig angeordnet. Noch während der Blüte entwickeln sich die ersten Fruchtstände. Die behaarten Achänen besitzen borstige Pappushaare und werden durch den Wind verbreitet.[1][2]
Chromosomensatz
Die Chromosomengrundzahl ist x = 9; es liegt Diploidie oder Tetraploidie vor mit Chromosomenzahlen von 18 und 36.[5][3]
Vorkommen
Das Zottige Goldauge ist in weiten Teilen des westlichen und zentralen Nordamerikas beheimatet, von den kanadischen Provinzen British Columbia bis Ontario und nach Süden bis zu den US-amerikanischen Bundesstaaten Arizona, New Mexico und Texas sowie in das nordöstliche Mexiko. Zu den natürlichen Lebensräumen gehören trockene, offene Sandböden in den Gebirgen und Ebenen, in Kiefernwäldern, Prärien und auf Ödland in Höhenlagen von 330 bis 2900 (selten bis 3200) Metern.[1][6]
Systematik
Die Erstbeschreibung unter dem Namen Amellus villosus erfolgte im Jahr 1813 durch Frederick Traugott Pursh in der Flora Americae septentrionalis, Band 2, S. 564 und 750.[7][8] Die Art wurde im Jahr 1951 durch Lloyd Herbert Shinners aus der Gattung Amellus ausgegliedert und unter dem Namen Heterotheca villosa (Pursh) Shinners neu in die biologische Systematik eingeordnet.[9] Das Artepitheton villosa bedeutet „zottig“, „haarig“ oder „rau“. Weitere Synonyme sind Inula villosa (Pursh) Nutt. und Chrysopsis villosa (Pursh) Nutt. ex DC.[10]
Je nachdem, ob ein enges oder ein weites Artkonzept bevorzugt wird, gibt es konkurrierende Ansichten zur Untergliederung der Art und der Gattung.[11][10] So beschreibt John C. Semple neun Varietäten der Art,[12][3] während Guy L. Nesom die Ansicht vertritt, dass es sich bei diesen teilweise um eigene Arten handelt.[8][10] Erschwerend kommt hinzu, dass einige Varietäten miteinander hybridisieren und es zahlreiche lokale Formen gibt, die sich teilweise deutlich voneinander unterscheiden. Zudem hat jede Varietät eine oder mehrere tetraploide Linien hervorgebracht, die sich weniger deutlich von den anderen Varietäten unterscheiden.[3] Grob lassen sich die folgenden neun Varietäten[3] oder auch Arten[10] unterscheiden:
- Heterotheca villosa var. ballardii (Rydb.) Semple oder Heterotheca ballardii (Rydb.) G.L.Nesom: Sie kommt in den Prärien von Nebraska, North- und South Dakota, Minnesota und Montana sowie in den kanadischen Provinzen Saskatchewan und Manitoba vor. Sie ist tetraploid, erreicht Wuchshöhen von 22 bis 50 Zentimetern[3] und besitzt größere, stärker behaarte, weniger drüsige, längliche Laubblätter sowie große, auffällige Blütenkörbe.[12]
- Heterotheca villosa var. depressa (Rydb.) Semple oder Heterotheca depressa (Rydb.) Dorn: Sie kommt im Yellowstone-Nationalpark und im Grand-Teton-Nationalpark vor. Sie ist tetraploid, erreicht Wuchshöhen von 5 bis 22 Zentimetern[3] und hybridisiert mit Heterotheca villosa var. minor.[12]
- Heterotheca villosa var. foliosa (Nutt.) Harms (oder es handelt sich nur um ein Synonym der Art): Sie kommt in den kanadischen Provinzen Alberta bis Ontario und in den US-Bundesstaaten Montana und North Dakota bis nach Colorado und Kansas vor. Sie kommt sowohl in diploiden als auch in tetraploiden Formen vor und erreicht Wuchshöhen von 22 bis 41 (selten bis zu 58) Zentimetern.[3] Sie besitzt Stängel mit zahlreichen langen, ausgebreiteten Haaren sowie spärlich drüsige, schmal bis breit längliche Laubblätter und oft über die Hüllblätter hinausragende Hochblätter.[12]
- Heterotheca villosa var. nana (A.Gray) Semple oder Heterotheca hirsutissima (Greene) G.L.Nesom: Sie kommt in den Great Plains und in den Rocky Mountains vor. Sie ist diploid und erreicht Wuchshöhen von 9 bis 40 (selten bis zu 63) Zentimetern.[3] Sie ist weniger behaart und eher drüsig. Zudem bildet sie viele Zwischenformen mit Heterotheca villosa var. foliosa und var. minor.[12]
- Heterotheca villosa var. minor (Hook.) Semple oder Heterotheca hirsutissima (Greene) G.L.Nesom: Sie kommt im mittleren Nordamerika von Wyoming und Nebraska bis in das nordöstliche Mexiko vor und ist die häufigste und am weitesten verbreitete Varietät. Sie bildet diploide und tetraploide Formen aus und erreicht Wuchshöhen von 16 bis 33 (selten bis zu 48) Zentimetern.[3] Sie hat weniger behaarte, drüsenreichere Laubblätter und hybridisiert mit allen anderen Varietäten.[12]
- Heterotheca villosa var. pedunculata (Greene) Harms ex Semple oder Heterotheca pedunculata (Greene) G.L.Nesom: Sie kommt in Utah, Colorado, Arizona und New Mexico vor und ist im Gebirge heimisch. Sie kommt sowohl in diploiden als auch in tetraploiden Formen vor und erreicht Wuchshöhen von 30 bis 50 (selten bis zu 75) Zentimetern.[3] Sie besitzt dicht behaarte, silbrig-weißliche, etwas drüsige Laubblätter.[12]
- Heterotheca villosa var. scabra (A.Eastwood) Semple oder Heterotheca polothrix G.L.Nesom: Sie kommt in den südwestlichen Bundesstaaten Nevada, Utah und Arizona vor. Sie kommt in diploiden und tetraploiden Formen vor und erreicht Wuchshöhen von 20 bis 44 (selten bis zu 52) Zentimetern.[3] Sie besitzt weniger behaarte, drüsenreichere, schmal dreieckige bis lanzettliche obere Stängelblätter und hybridisiert mit Heterotheca villosa var. nana und var. minor.[12]
- Heterotheca villosa var. sierrablancensis Semple oder Heterotheca sierrablancensis (Semple) G.L.Nesom: Sie kommt in New Mexico in mittleren bis höheren Gebirgslagen vor. Sie ist diploid und erreicht Wuchshöhen von 22 bis 34 (selten bis zu 46) Zentimetern.[3] Ihre Laubblätter sind eiförmig bis länglich, mäßig dicht behaart und drüsenarm.[12]
- Heterotheca villosa var. villosa: Sie kommt in den nördlichen Great Plains über die Rocky Mountains bis nach Oregon und Washington sowie in der kanadischen Provinz British Columbia vor. Sie bildet sowohl diploide als auch tetraploide Formen und erreicht Wuchshöhen von 16 bis 39 Zentimetern.[3] Sie besitzt stark behaarte, weniger drüsige Laubblätter. Im nordöstlichen Teil ihres Verbreitungsgebiets ähnelt sie der Heterotheca villosa var. ballardii.[12]
Verwendung
Das Zottige Goldauge wird in den gemäßigten Breiten als Zierpflanze in Steingärten und Staudenrabatten verwendet. Es ist seit spätestens 1811 in Kultur.[1] Die trockenheitsverträgliche, sehr spät blühende Pflanze lässt sich gut in weitläufigen Stauden- und Präriepflanzungen zusammen mit anderen hochwüchsigen Stauden und Gräsern verwenden. Sie eignet sich besonders für naturnahe Pflanzungen an heißen, trockenen und sonnigen Standorten mit sandigem Boden. Das Zottige Goldauge gilt als anspruchslose, standfeste Schnittstaude mit sehr langer Blütezeit bis in den Spätherbst.[4][13] Es gilt als winterhart bis etwa −34 °C (Zone 4).[14]
Im Gartenbau wird meist die hochwüchsige Sorte ‘Golden Sunnyshine’ (auch ‘Sunnyshine’ und ‘Sunshine’ genannt) kultiviert. Sie wächst straff aufrecht und erreicht Wuchshöhen von 80 bis 170 Zentimetern. Sie wurde Mitte der 1980er Jahre vom Staudengärtner Walter Bittner zwischen verschiedenen Raublatt-Astern in Cornwall entdeckt und kam unter der Bezeichnung Aster novae-angliae ‘Golden Sunnyshine’ in den Handel. Seitdem ist unklar, ob es auch natürliche, nordamerikanische Vorkommen gibt und wie die korrekte Artbezeichnung lauten müsste. Meist ist die Kulturpflanze unter dem Synonym Chrysopsis villosa ‘Sunnyshine’ zu finden, manchmal auch unter den Namen Chrysopsis speciosa und Chrysopsis ×speciosa. Die beiden letzteren Namen sind auf den Gartenbau beschränkt und fehlen in der botanischen Literatur. Vom Zottigen Goldauge sind nur Varietäten bekannt, die eine Wuchshöhe von maximal 75 Zentimetern erreichen. Daher halten einige Autoren die Kulturpflanze für die tetraploide Varietät des Prärie-Goldauges (Heterotheca camporum var. glandulissima Semple),[15] die dem Zottigen Goldauge sehr ähnlich ist und Wuchshöhen von bis zu 140 Zentimetern erreicht.[16][17] Andere Autoren halten eine hochwüchsige Varietät des Zottigen Goldauges für wahrscheinlicher und schlagen den Namen Heterotheca villosa var. glandulissima ‘Sunshine’ vor.[18]
Bisweilen kultivieren Staudengärtnereien unter dem Namen Chrysopsis villosa var. rutteri Rothr. kompakte Pflanzen, die eine Höhe von bis zu 20 Zentimetern erreichen. Diese haben lanzettliche Blätter, die mit angedrückten Haaren dicht besetzt sind. Ihre Blütenkörbe sind fast doppelt so breit wie die der Art.[4] Diese Varietät ist in den amerikanischen Florenwerken nicht als solche anerkannt, sondern gilt als Synonym von Heterotheca rutteri (Rothr.) Shinners, die in Arizona und Nordwestmexiko vorkommt.[19]
Literatur
- Leo Jelitto, Wilhelm Schacht, Hans Simon: Die Freiland-Schmuckstauden, Handbuch und Lexikon der Gartenstauden. Band 1: A bis H. 5., völlig neu bearbeitete Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2002, ISBN 3-8001-3265-6, S. 215.
- John C. Semple: A revision of Heterotheca sect. Phyllotheca (Nutt.) Harms (Compositae: Astereae): the prairie and montane goldenasters of North America. U.W. Biology Series, Band 37, Department of Biology, University of Waterloo, Ontario, 1996.
- Tom Reaume: 620 Wild Plants of North America. University of Regina, 2009, ISBN 978-0-88977-2144, S. 150, eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche.
Weblinks
- Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben)
- Heterotheca villosa (Chrysopsis villosa) / Zottiges Goldauge bei galasearch.de.
- Heterotheca camporum bei Missouri Botanical Garden: missouribotanicalgarden.org
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e Eckehart J. Jäger, Friedrich Ebel, Peter Hanelt, Gerd K. Müller (Hrsg.): Exkursionsflora von Deutschland. Begründet von Werner Rothmaler. Band 5: Krautige Zier- und Nutzpflanzen. Springer, Spektrum Akademischer Verlag, Berlin/Heidelberg 2008, ISBN 978-3-8274-0918-8, S. 556.
- ↑ a b Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).
- ↑ a b c d e f g h i j k l m n John C. Semple: Asteraceae Heterotheca. In: Flora of North America Editorial Committee (Hrsg.): Flora of North America North of Mexico. Band 20: Magnoliophyta : Asteridae, part 7: Asteraceae. Oxford University Press, New York u. a. 2006, ISBN 0-19-530564-7, Heterotheca villosa (textgleiche Online-Version).
- ↑ a b c Leo Jelitto, Wilhelm Schacht, Hans Simon: Die Freiland-Schmuckstauden, Handbuch und Lexikon der Gartenstauden. 5., völlig neu bearbeitete Auflage. 1: A bis H. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2002, ISBN 3-8001-3265-6, S. 215.
- ↑ Heterotheca villosa bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis, abgerufen am 26. Oktober 2025.
- ↑ John C. Semple: A revision of Heterotheca sect. Phyllotheca (Nutt.) Harms (Compositae: Astereae): the prairie and montane goldenasters of North America. In: Department of Biology, University of Waterloo (Hrsg.): U.W. Biology Series. Band 37. Warerloo, Ontario 1996, S. 105–150.
- ↑ Frederick Traugott Pursh: Flora americae septentrionalis; or A Systematic Arrangement and Description of The Plants of North America. Oxford University Press, London 1813, Heterotheca villosa (Digitalisat).
- ↑ a b Guy L. Nesom: Typification of Heterotheca villosa (Asteraceae: Astereae). In: Phytoneuron. Band 2019-67, 2020, S. 1–9 ([1] [PDF]).
- ↑ Lloyd Herbert Shinners: The North Texas Species of Heterotheca, Including Chrysopsis (Compositae). In: Science Devision of the Southern Methodist University (Hrsg.): Field and Laboratory. Band 19, Nr. 2, 1951, S. 71 (Online).
- ↑ a b c d Datenblatt Heterotheca villosa (Pursh) Shinners bei POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science.
- ↑ Compositae Working Group (CWG), 2025. Datenblatt Chrysopsis villosa (Pursh) Nutt. ex DC. In: Global Compositae Database.
- ↑ a b c d e f g h i j John C. Semple: Datenblatt Heterotheca villosa bei Asterae Lab, University of Waterloo, Ontario.
- ↑ Heterotheca villosa (Chrysopsis villosa) / Zottiges Goldauge bei Pflanzendatenbank der Gartenarchitektur.
- ↑ Datenblatt Heterotheca camporum bei Missouri Botanical Garden
- ↑ Gerwin Kasperek, Karl Peter Buttler: Ein Vorkommen von Heterotheca camporum (Asteraceae) in Frankfurt am Main. In: Netzwerk Phytodiversität Deutschlands (Hrsg.): Floristische Rundbriefe: Zeitschrift für floristische Geobotanik, Populationsbiologie und Taxonomie. Band 48/49 (2014/2015). Europäischer Universitätsverlag, Frankfurt, S. 67–76.
- ↑ John C. Semple: Datenblatt Heterotheca camporum bei Asterae Lab, University of Waterloo, Ontario.
- ↑ John C. Semple: Range expansion of Heterotheca camporum (Compositae: Astereae) in the southeastern United States. In: New York Botanical Garden, Bronx, NY (Hrsg.): Brittonia. Band 35, Nr. 2, 1983, S. 140–146, doi:10.2307/2805950.
- ↑ Jonas Reif, Rosemarie Hans: Heterotheca villosa var. glandulissima ‘Sunshine’. In: Gartenpraxis. Band 38. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2012, S. 71.
- ↑ Datenblatt Heterotheca rutteri (Rothr.) Shinners bei POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science.