Herzberg (Mark)

Wappen Deutschlandkarte
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Basisdaten
Koordinaten: 52° 54′ N, 12° 59′ O
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Ostprignitz-Ruppin
Amt: Lindow (Mark)
Höhe: 46 m ü. NHN
Fläche: 18,73 km²
Einwohner: 646 (31. Dez. 2024)[1]
Bevölkerungsdichte: 34 Einwohner je km²
Postleitzahl: 16835
Vorwahl: 033926
Kfz-Kennzeichen: OPR, KY, NP, WK
Gemeindeschlüssel: 12 0 68 188
Adresse der Amtsverwaltung: Straße des Friedens 20
16835 Lindow (Mark)
Website: www.herzberg-mark.de
Bürgermeisterin: Michaela Wolff
Lage der Gemeinde Herzberg (Mark) im Landkreis Ostprignitz-Ruppin

Herzberg (Mark) ist eine Gemeinde im Landkreis Ostprignitz-Ruppin in Brandenburg. Sie wird seit 1992 vom Amt Lindow (Mark) verwaltet.

Geografie

Herzberg (Mark) liegt im östlichen Teil des Landkreises Ostprignitz-Ruppin zwischen Neuruppin und Kremmen. Es grenzt westlich an das Rhintal, die Ausläufer der Rhinluch-Landschaft. Die bewaldeten Talsandflächen gehen südlich von Herzberg in die Flachmooerniederungen des Neukammer Luchs über. Das langgezogene Straßendorf liegt acht Kilometer südlich von Lindow am Kreuzungspunkt der von Kremmen nach Rheinsberg (L 19) und von Neuruppin nach Eberswalde (B 167) führenden Straßen.

Gemeindegliederung

Zur Gemeinde gehört der Wohnplatz Birkenhof.[2]

Geschichte

Eine Geweihhacke mit Schaftloch, die 1986 bei Baggerarbeiten nördlich von Herzberg im Werbellingraben unweit des gleichnamigen Sees zutage trat, sowie Feuersteinschaber, -klingen und -kernstücke von einer unbekannten Fundstelle belegen die Anwesenheit von Jäger- und Sammlergruppen der mittleren Steinzeit. Der Jungsteinzeit gehören mehrere Felsgesteinbeile und -äxte an, die als Einzelfunde auftraten.

Im verlandeten Südteil des Werbellinsees wurde 1991 ein Hort der jüngeren Bronzezeit des 8. bis 7. Jahrhunderts v. Chr. mit einem Trinkgeschirrbesteheend aus einer reich verzierten Amphore aus Bronzeblech und vier übereinandergestapelten verzierten Bronzebechern entdeckt.[3]

In der Gegend von Herzberg gab es im 11. bis 12. Jahrhundert zwei slawische Siedlungen. Diese wurden mit Gründung von Herzberg aufgegeben.

Erstmals erwähnt wurde Herzberg im Jahre 1365. Um 1490 gehörte Herzberg zur im Kern reichsunmittelbaren Herrschaft Ruppin der Grafen von Lindow-Ruppin und war im Besitz des Klosters Lindow. Der Name stammt aus dem niederdeutschen „herte“ für Hirsch und „berch“ für Berg. 1525 wurden bei der Erfassung der Dörfer im Ruppiner Land aus Anlass der Eingliederung nach Brandenburg 40 „Leute“ im Ort gezählt, darunter der Schulze, ein Krüger und ein Schmied. Das Bassutesche Gut in Wulkow hatte ein Ritterlehen im Ort, das an einen Bauern verpachtet war. !530 bewohnte Bassute das selbst. 1571 wurde im Zuge der Reformation der Klosterbesitz vom Kurfürsten eingezogen und damit das Amt Lindow ausgestattet, welches nun alle Rechte im Ort innehatte mit Ausnahme des Bauernhofes des Bassute mit zwei Hufen. 1574 hatte außerdem der Pfarrer des Ortes das Rauchhuhn von 4 Bauern und 4 Kossäten, der Schulze dasselbe von einem Bauern und die Kirche selbst von einem Kossäten. Etliche Bauern hatten Wiesen im Neukammerluch. 1624 zählte Herzberg 30 Bauern (Einhüfner) und 10 Kossäten, daneben 2 Hirten, 1 Laufschmied und 2,5 Hausleute. Insgesamt wurden 60 Hufen und 2 Pfarrhufen bewirtschaftet.

Im Dreißigjährigen Krieg wurden von 40 Höfen 14 zerstört. 1687 waren von 29 Bauernhöfen, die nun als Zweihüfner galten, 6 noch immer nicht besetzt. Zu den 11 Kossäten zählte auch der Radmacher. Daneben gab es einen Schneider mit etwas Land, 1 Schmied, 1 Dorfschäfer, 1 Kuhhirt, 1 Stuthirt, 1 Ochsenhirt und einen Kälberhirt. Der Prediger gebrauchte einen der wüsten Bauerhöfe, den Rest die anderen Bauern. Die Fläche betrug immer noch beachtliche 60 Hufen. Damit war Herzberg eine große Bauerngemeinde und relativ reich, worauf auch die vielen Hirten hindeuten. 1704 waren alle 39 Bauerhöfe einschließlich der 10 Kossätenstellen wieder besetzt. Im Jahre 1785 lebten hier 356 Einwohner, 1817 waren es 421 und 1858 806. Arbeit gab es in einer Ziegelei, die Mitte des 19. Jahrhunderts gebaut wurde. 1896 erhielt Herzberg einen Haltepunkt an der Löwenberg-Lindow-Rheinsberger Eisenbahn.

Herzberg gehörte seit dem 14. Jahrhundert zur Herrschaft Ruppin, seit 1524 zum Kreis Ruppin in der Mark Brandenburg und ab 1952 zum Kreis Neuruppin im DDR-Bezirk Potsdam. Seit 1993 liegt Herzberg im brandenburgischen Kreis Ostprignitz-Ruppin.

Bevölkerungsentwicklung

Jahr Einwohner
1875 869
1890 795
1910 768
1925 728
1933 767
1939 843
Jahr Einwohner
1946 1 275
1950 1 266
1964 0 874
1971 0 855
1981 0 738
1985 0 729
Jahr Einwohner
1990 700
1995 643
2000 699
2005 708
2010 660
2015 630
Jahr Einwohner
2020 627
2021 671
2022 654
2023 645
2024 646

Gebietsstand des jeweiligen Jahres, Einwohnerzahl: Stand 31. Dezember (ab 1991)[4][5][6], ab 2011 auf Basis des Zensus 2011, ab 2022 auf Basis des Zensus 2022

Politik

Gemeindevertretung

Die Gemeindevertretung von Herzberg besteht aus fünf Gemeindevertretern und der ehrenamtlichen Bürgermeisterin. Die Kommunalwahlen am 26. Mai 2019 und am 9. Juni 2024 führten zu folgendem Ergebnissen:[7][8]

Partei / Wählergruppe Stimmenanteil 2024 Sitze 2024 Stimmenanteil 2019 Sitze 2019
AfD 18,0 % 1 - -
Einzelbewerberin Michaela Wolff 17,2 % - 32,6 %
Einzelbewerberin Siegrid Redlof 13,9 % 1 - -
Einzelbewerber Dipl.-Ing. Lutz Engel 8,3 % 1 13,6 % 1
Einzelbewerber Marcel Böllersen 7,9 % 1 - -
Einzelbewerber Rene Ehrendreich 7,4 % 1 - -
Einzelbewerberin Julia Hegemann 7,3 % 1 - -
Einzelbewerberin Dörthe Hering 6,2 % 1 13,3 % 1
Einzelbewerber Alfred Bülten 5,7 % - 12,0 % 1
Einzelbewerberin Dr. Petra Sandow 4,4 % - 09,3 % 1
GRÜNE/B 90 3,8 % - - -
Einzelbewerber Lutz Dutzmann - - 19,2 % 1

Der Stimmenanteil von Michaela Wolff bei der Gemeindevertreterwahl entsprach drei Sitzen. Daher bleiben nach § 48 (6) des Brandenburgischen Kommunalwahlgesetzes[9] zwei Sitze in der Gemeindevertretung unbesetzt.

Michaela Wolff kandidierte außerdem sowohl als Gemeindevertreterin als auch als Bürgermeisterin. Da sie die Wahl zur Bürgermeisterin annahm, bleibt nach § 60 (3) des Brandenburgischen Kommunalwahlgesetzes[10] ihr Sitz in der Gemeindevertretung unbesetzt. Aus gleichem Grund ist ihr 2024 errungener Sitz verwaist.

Bürgermeisterin

  • 1998–2008: Hans-Joachim Rößger[11]
  • seit 2008: Michaela Wolff[12][13]

Wolff wurde in der Bürgermeisterwahl am 9. Juni 2024 ohne Gegenkandidatin mit 84,6 % der gültigen Stimmen für eine weitere Amtszeit von fünf Jahren zur ehrenamtlichen Bürgermeisterin wiedergewählt.[14]

Sehenswürdigkeiten

In der Liste der Baudenkmale in Herzberg (Mark) stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Denkmäler.

Die Dorfkirche aus dem 13. Jahrhundert steht am ältesten bebauten Platz von Herzberg und war früher eine Wehrkirche. Das Kirchhofsportal stammt aus dem 16. Jahrhundert. Die Kirche enthält eine doppelte Bemalung aus dem 14./15. Jahrhundert (teils freigelegt in den 1920er Jahren). Die Orgel stammt von Albert Hollenbach, einem berühmten Orgelbauer aus Neuruppin.

Geschichtsdenkmale
  • Kriegerdenkmal für die Gefallenen der Einigungskriege, ursprünglich mit Reliefmedaillon Kaiser Wilhelms I. und einem Adler auf der Spitze des Obelisken.
    Seiner preußischen Attribute beraubt, steht der ruinöse Obelisk immer noch an seinem ursprünglichen Bestimmungsort inmitten eines Kreisverkehrs.
  • Gedenkstein von 1946 für 19 Opfer des Todesmarsches aus dem KZ Sachsenhausen in der Nordwestecke des Friedhofes
  • Denkmal, nach 1989 errichtet, für alle Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft in der Friedhofsmitte

Verkehr

Durch den Ort führen die Bundesstraße 167 von Neuruppin nach Eberswalde und die Landesstraße 19 von Lindow (Mark) nach Kremmen. Die nächstgelegene Autobahnanschlussstelle ist Neuruppin an der A 24.

Am Bahnhof Herzberg (Mark) hält die Regionalbahnlinie RB 54 (Löwenberg–Rheinsberg). Die Strecke wurde von 2008 bis 2018 nur noch im Sommerhalbjahr (Karfreitag bis Anfang November) betrieben. Probeweise erfolgt wieder ein ganzjähriger Betrieb.

Persönlichkeiten

Literatur

  • Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Denkmale in Brandenburg, Landkreis Ostprignitz-Ruppin, Teil 2: Gemeinde Fehrbellin, Amt Lindow (Mark) und Stadt Rheinsberg, Ulrike Schwarz und Matthias Metzler und andere, Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms am Rhein, 2003, ISBN 3-88462-191-2, Seiten 252–262.
  • Lieselott Enders: Herzberg, In: Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil II Ruppin, Hermann Böhlaus Nachf., Weimar 1970
  • Ruppiner Land, Werte unserer Heimat Band 37, Akademie-Verlag Berlin (Ost) 1981, S. 166–169
Commons: Herzberg (Mark) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bevölkerungsstand im Land Brandenburg Dezember 2024 (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen, basierend auf dem Zensus 2022) (Hilfe dazu).
  2. Dienstleistungsportal der Landesverwaltung Brandenburg. Gemeinde Herzberg (Mark) (Memento des Originals vom 1. April 2019 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/service.brandenburg.de
  3. Ulrike Schwarz und Matthias Metzler: Denkmale in Brandenburg. In: Im auftrag des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg vom Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologisches Landesmuseum (Hrsg.): Denkmaltopogrphie Bundesrepublik Deutschland. 2003. Auflage. Band 13.2. Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms am Rhein 2003, ISBN 3-88462-191-2, S. 252.
  4. Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Ostprignitz-Ruppin. S. 14–17
  5. Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2017 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7
  6. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg (Hrsg.): Statistischer Bericht A I 7, A II 3, A III 3. Bevölkerungsentwicklung und Bevölkerungsstand im Land Brandenburg (jeweilige Ausgaben des Monats Dezember)
  7. Ergebnis der Kommunalwahl am 26. Mai 2019
  8. Ergebnisse Gemeindevertretungswahl/Stadtverordnetenversammlung in 68 5804 188 - Herzberg (Mark). Abgerufen am 28. Dezember 2025.
  9. Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz § 48
  10. Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz § 60
  11. Ergebnisse der Kommunalwahlen 1998 (Bürgermeisterwahlen) für den Landkreis Ostprignitz-Ruppin (Memento des Originals vom 13. April 2018 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.wahlen.brandenburg.de
  12. Kommunalwahlen im Land Brandenburg am 28.09.2008. Bürgermeisterwahlen, S. 10
  13. Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 26. Mai 2019 (Memento des Originals vom 9. August 2019 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/wahlen.brandenburg.de
  14. Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 9.6.24