Herz-Jesu-Kirche (Bettrath)
Die römisch-katholische Herz-Jesu-Kirche steht im Ortsteil Bettrath-Hoven in Mönchengladbach (Nordrhein-Westfalen), Hansastraße 63. Sie wurde unter Nr. H 064 am 8. August 1990 in die Denkmalliste der Stadt Mönchengladbach eingetragen.[1]
Die Kirche war zunächst Pfarrkirche der Pfarrei Herz Jesu Bettrath, die ab 2004 mit den Pfarreien St. Mariä Himmelfahrt in Neuwerk und St. Pius X. in Uedding eine Gemeinschaft der Gemeinden bildete. Zum 1. Januar 2013 fusionierten die Gemeinden zur Pfarrei Maria von den Aposteln und gehören seit 2025 zum Pastoralen Raum Mönchengladbach Mitte-Nordost.[2]
Geschichte
Bettrath und Hoven gehörten ursprünglich zur Pfarre St. Mariä Himmelfahrt Neuwerk und hatten kein eigenes Gotteshaus, sodass die Bewohner zum Gottesdienstbesuch nach Neuwerk gehen mussten. Im Jahr 1871 starb Johann Matthias Dohr, der sein Vermögen der Pfarre zum Bau einer Kirche in Bettrath und Hoven vermachte. Das Generalvikariat des Erzbistums Köln förderte den Bau einer zweiten Kirche in der Pfarre. Aufgrund des Kulturkampfes verzögerte sich jedoch der Bau der Kirche. Erst 1888 legte der Kirchenvorstand die Baupläne zur Genehmigung vor, die auch erteilt wurde.
Baubeginn der durch den Neusser Architekten Julius Busch geplanten Kirche[3] war im August 1889[4], die Grundsteinlegung folgte am 11. Mai 1890. Zu diesem Zeitpunkt waren die Mauern bereits bis zur Fensterhöhe aufgemauert.[5] In der zweiten Jahreshälfte 1891 war die neue Kirche fertiggestellt. Die erste Heilige Messe mit Benediktion wurde am 22. November 1891 vom Neuwerker Pfarrer Thill gehalten.[6] Die eigentliche Kirchweihe mit Konsekration der Altäre nahm schließlich am 6. August 1892 der Kölner Weihbischof Antonius Fischer vor.[7]
Zunächst war die Herz-Jesu-Kirche noch eine Filialkirche von Neuwerk, die Errichtung der Pfarre Herz Jesu und die damit verbundene Erhebung zur Pfarrkirche erfolgte zum 30. April 1899. Zu dieser Pfarre gehörten neben Bettrath und Hoven auch Bleckhütte und Lockhütte. Zum 1. Januar 2013 wurde die Pfarre aufgelöst und mit den ebenfalls aufgelösten Pfarreien St. Mariä Himmelfahrt Neuwerk und St. Pius X. Uedding zur neuen Großpfarre Maria von den Aposteln fusioniert. Pfarrkirche wurde die Neuwerker Kirche, die Herz-Jesu-Kirche ist seitdem wieder eine Filialkirche.
1948 zerstörte ein Blitzschlag den Turmhelm und das Dach des Langhauses. Beim Wiederaufbau 1949 wurde der Turm um rd. 7 m verkürzt.[8]
Architektur
Die 1889–1891 mit dem Patrozinium des heiligsten Herzens Jesu errichtete Kirche ist eine dreischiffige neogotische Gewölbebasilika mit Querhaus, 5/8-Chorschluss, dreijochigem Langhaus, Kreuzrippengewölbe und Westturm.
Ausstattung
Wandmalerei und Bildfenster
Der Raumeindruck[9] wird wesentlich von den bauzeitlichen Wandmalereien und Bildfenstern bestimmt, die ab 1896 die Glasmalerei Oidtmann aus Linnich schuf und die von Gemeindemitgliedern gestiftet wurden. Die Fenster zeigen im Nazarenerstil Szenen aus dem Leben Jesu – Geburt Jesu, Verrat und Gefangennahme Jesu, Kreuzigung, Himmelfahrt – sowie die Vermählung Mariens und den Tod des heiligen Josef.[10]
Weitere Ausstattung
Weiterhin sind von der Ursprungsausstattung auch noch der neugotische Hochaltar und die beiden Seitenaltäre erhalten, die 1892 in der Aachener Werkstatt W. Pohl & Esser nach Entwürfen von Architekt Busch angefertigt wurden. Aus derselben Werkstatt und demselben Jahr stammen auch die 14 Kreuzwegstationen. Der aus Blaustein gefertigte Taufstein wurde 1899 von den Gebrüdern Dehin in Lüttich hergestellt. Weiterhin befindet sich in der Kirche noch eine Pietà des Kölner Bildhauers Nikolaus Steinbach aus dem Jahr 1901.[11]
Orgel
Die Orgel wurde 1974 von der Orgelbaufirma Gebr. Oberlinger aus Windesheim gebaut. Das Schleifladen-Instrument verfügt über 30 Register verteilt auf zwei Manualwerke und Pedal. Die Spieltraktur ist mechanisch, die Registertraktur ist elektrisch. Das Gehäuse wurde von Wolfgang Oberlinger und Franz Reidt entworfen, die Disposition (aufgestellt von Viktor Scholz und Orgelbau Oberlinger) lautet (II/30):[12]
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- Koppeln: II/I, I/P, II/P
- Spielhilfe: 5 Setzerkombinationen, 2 fr. Kombinationen, 1 fr. Pedalkombination, Tremulanten am Spieltisch einstellbar
Glocken
Für die neuerrichtete Herz-Jesu-Kirche lieferte im Jahr 1892 die renommierte Glockengießerei Otto aus Hemelingen/Bremen ein dreistimmiges Bronzeglockengeläute mit der Schlagtonreihe: c′ – d′ – f′. Den Glockenbeschlagnahmen der beiden Weltkriege fiel die große c′-Glocke zum Opfer. Die beiden kleineren Glocken existieren heute. Das Dreiergeläut wurde 1985 durch die Ergänzung einer neuen c′-Glocke durch die Gießer Petit & Gebr. Edelbrock, Geschirr vervollständigt.[13][14]
Pfarrer
Folgende Priester wirkten zunächst als Rektor und seit der Pfarrerhebung 1899 bis zur Auflösung als Pfarrer an Herz Jesu:[15]
- 1891–1900: Franz Löhrer
- 1900–1919: Anton Hubert Hansen
- 1919–1942: Karl Hannot
- 1942–1972: Wilhelm Cleven
- 1972–1981: Josef Heinrichs
- 1982–2005: Horst Straßburger
Literatur
- Gustav Ommer: Neuzeitliche Orgeln am Niederrhein: mit Beispielen historischer Orgeln im Anhang. Schnell & Steiner, Regensburg 1988.
Siehe auch
Weblinks
- Homepage der Pfarrei Maria von den Aposteln. In: moenchengladbach.de. Abgerufen am 15. Mai 2018 (234,24 kB).
- Käthe Limburg, Bernd Limburg: Denkmale in der Stadt Mönchengladbach. In: unterwegs & daheim – Homepage von Käthe und Bernd Limburg. 18. Juli 2011, abgerufen am 31. März 2023.
Einzelnachweise
- ↑ Denkmalliste der Stadt Mönchengladbach. (PDF) Stadt Mönchengladbach, 8. Juni 2021, abgerufen am 31. März 2023.
- ↑ Inge Schnettler: Mönchengladbach: Aus GdG Neuwerk wird Maria von den Aposteln. In: rp-online.de. Rheinische Post, 15. Mai 2012, abgerufen am 2. Oktober 2023.
- ↑ Gladbacher Volkszeitung Nr. 184. Dienstag, 12. August 1890. Artikel: Nachrichten aus Stadt und Land. Digitalisat zeit.punkt NRW
- ↑ Gladbacher Volkszeitung Nr. 186. Donnerstag, 15. August 1889. Artikel: Nachrichten aus Stadt und Land. Digitalisat zeit.punkt NRW
- ↑ Gladbacher Volkszeitung Nr. 110. Mittwoch, 14. Mai 1890. Artikel: Nachrichten aus Stadt und Land. Digitalisat zeit.punkt NRW
- ↑ Gladbacher Volkszeitung Nr. 271. Dienstag, 24. November 1891. Artikel: Nachrichten aus Stadt und Land. Digitalisat zeit.punkt NRW
- ↑ Gladbacher Volkszeitung Nr. 179. Montag, 8. August 1891. Artikel: Nachrichten aus Stadt und Land. Digitalisat zeit.punkt NRW
- ↑ Bischöfliches Generalvikariat (Hrsg.): Handbuch des Bistums Aachen 3. Ausgabe, Aachen 1994, S. 1051.
- ↑ Innenaufnahme (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im Juni 2025. Suche in Webarchiven) Info: Der Link wurde automatisch als defekt markiert. Bitte prüfe den Link gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.
- ↑ Die Kirche Herz Jesu Bettrath. In: Pfarrei Maria von den Aposteln Mönchengladbach-Neuwerk. Abgerufen am 17. April 2019.
- ↑ Bischöfliches Generalvikariat (Hrsg.): Handbuch des Bistums Aachen 3. Ausgabe, Aachen 1994, S. 1051.
- ↑ Gustav K. Ommer: Neuzeitliche Orgeln am Niederrhein. München: Schnell & Steiner 1988, S. 182f.
- ↑ Gerhard Reinhold: Otto-Glocken. Familien- und Firmengeschichte der Glockengießerdynastie Otto. Selbstverlag, Essen 2019, ISBN 978-3-00-063109-2, S. 588, hier insbes. S. 506.
- ↑ Gerhard Reinhold: Kirchenglocken – christliches Weltkulturerbe, dargestellt am Beispiel der Glockengießer Otto, Hemelingen/Bremen. Nijmegen/NL 2019, S. 556, hier insbes. S. 473, urn:nbn:nl:ui:22-2066/204770 (Dissertation an der Radboud Universiteit Nijmegen).
- ↑ Bischöfliches Generalvikariat (Hrsg.): Handbuch des Bistums Aachen 3. Ausgabe, Aachen 1994, S. 1051.
Koordinaten: 51° 13′ 24,1″ N, 6° 27′ 6,5″ O