Hertz Grossbard

Hertz Grossbard (hebräisch הרץ גרוסברד, jiddisch הערץ גראָסבאַרט, auch Herz, Herc, Grosbard, Grosbart, Grossbart, geboren 21. Juni 1892 in Łódź, Russisch-Polen, Russisches Kaiserreich; gestorben 2. Januar 1994 in Cholon/Bezirk Tel Aviv) war ein jüdischer Wortkünstler, Rezitator jiddischer Literatur, genannt „Meister des jüdischen Worts“ und „Botschafter der jiddischen Literatur“.

Leben

Hertz Grossbard besuchte in seiner Jugend die Deutsche Drama Schule in Lodsch, die zum Lodscher Deutschen Theater gehörte. Danach spielte er im „Fareyn Fun Yiddishe Dramatishe Artist“ (Verein für jiddische Dramakunst), der Wilnaer Truppe, einer jiddischen Theatergruppe, mit der er in Warschau und Lodz auftrat, bevor Ende der 1920er Jahre seine Solo-Karriere als Wortkünstler begann.

1928 wurde er zusammen mit prominenten jüdischen Künstlern und Linguisten wie Shloyme Lerner, Mordkhe Goldenberg, Itzik Manger, Noah Pryłucki, Zalmen Reyzen, Yisroel Rubin eingeladen nach Czernowitz zu einem Treffen in Erinnerung an die Konferenz für die jiddische Sprache 1908.

Hertz Grossbard war in erster Ehe verheiratet mit Frieda Blumenthal, mit der er auch zusammen auftrat.

Mit seinen jiddischen "Wortkonzerten" trat er in den 1920er und 1930er Jahren international auf, vor allem in Europa, aber auch in Südafrika und Südamerika, wo er von 1934 bis 1936 in Buenos Aires lebte. In Berlin stand er auf den Bühnen des Yidische Kinstler Teater, der Volksbühne und der Piscator-Bühne am Nollendorfplatz. 1938 wurde er in Polen mit der Publikation Der Mayster fun Yidishn Vort (Der Meister des jiddischen Worts) geehrt (Vilnius 1938). Drei Wochen vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs kehrte er 1939 mit seiner Frau nach Südamerika zurück.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wanderte er 1951 nach Kanada aus und tourte durch Nord- und Südamerika, Südafrika und Israel. Bei seinem ersten Israel-Besuch gab er dort über 100 Konzerte und kehrte fast jedes Jahr wieder, bis er 1971 schließlich Bürger Israels wurde. Er lebte hier mit seiner zweiten Ehefrau Molly. Im Alter von 102 Jahren sollte er sein letztes Wortkonzert geben, aber verstarb vorher am 2. Januar 1994 in Cholon/Israel.

Ein Jahr nach seinem Tod veröffentlichte Mordechai Tsanin eine Monografie mit Presseartikeln und Briefen, so wie es der letzte Wille von Hertz Grossbard gewesen war.

Literatur

  • Tsen Yor Hertz Grosbard in Argentine. Baʾerungs-komitet, Buenos Aires 1944.
  • Hertz Grosbard: Der mayster fun yidishn vort. ZaZyd Towarzystwo, Vilnius 1938.
  • Mordechai Tsanin, Hertz Grosbard: Di mi un der onshtreng fun M. Tsanin vi s’iz geven der vuntsh fun Hertz Grosbard in zayn tsavoe. Tel Aviv, Publisher 1995.
  • Mikhal Ben-Abraham: Hertz Grosbard: Groyser yidisher vort-kinstler. Forverts, 20. April 2007