Hertha von Doblhoff
Hertha Clotilde Sofie Freifrau von Doblhoff, geb. Schrack (* 16. Dezember 1886 in Wien; † 15. Jänner 1961 ebenda), war eine österreichische Malerin und Zeichnerin. Sie verwendete auch das Pseudonym Clo Hade.
Leben
Hertha Schrack war die Tochter des Rechtsanwalts Josef Schrack (1848–1905) und dessen Ehefrau Clotilde (1863–1932), geb. Wiesenburg.[1] Zu ihren drei Brüdern gehörte Eduard Schrack,[2] Begründer der österreichischen Rundfunkindustrie. Ihre erste künstlerische Ausbildung erhielt Hertha Schrack von 1904 bis 1910 als Schülerin des Landschaftsmalers Hugo Darnaut.[3]
Am 25. April 1910 heiratete Hertha Schrack in der Wiener Minoritenkirche[4] den Porträtmaler Robert von Doblhoff (1880–1960), Sohn des Schriftstellers und Diplomaten Josef von Doblhoff-Dier. Das Paar unternahm im gleichen Jahr eine Hochzeitsreise um die Welt, die sie über Russland, China, Japan und Amerika zurück nach Europa führte. Anschließend ließen sie sich in Paris mit der Absicht nieder, dauerhaft dort zu bleiben.[5] Sie wohnten in einem Hotel, das Robert von Doblhoff nach eigenen Entwürfen bauen ließ und das mit seinen verschiedenen Salons als Treffpunkt für gesellschaftliche Anlässe diente.[6] Hertha von Doblhoff setzte ihre künstlerischen Studien 1912/13 an der Académie Julian fort.[3] Um diese Zeit malte Robert von Doblhoff ein lebensgroßes Porträt seiner Ehefrau.[7] Mit Beginn des Ersten Weltkriegs verloren sie das Haus und mussten nach Wien zurückkehren.[5]
In Wien wohnten Hertha Doblhoff und ihr Mann am Schmerlingplatz 8 im 1. Bezirk.[1] Dabei handelte es sich um ihr ehemaliges Elternhaus, das ihr und den Geschwistern gehörte[8]. Auch Eduard Schrack lebte dort und nutzte den Keller als Labor.[9] Hertha Doblhoff bildete sich in Wien bei dem Maler Robin Christian Andersen weiter.[3] Sie stellte ab 1921 mehrfach mit der im Vorjahr gegründeten „Vereinigung Donauländischer Künstler“ im Theseustempel aus, wo sie 1927/28 auch Einzelausstellungen hatte.
Zwischen 1924 und 1932 hielt sich Robert Doblhoff häufig in den USA auf.[10] Als Hertha Doblhoff bei einer seiner dortigen Ausstellungen eigene Blumenbilder präsentierte, fanden diese finanzkräftige Käufer (u. a. Familie Speyer) und brachten ihr weitere Aufträge ein.[5] Eigene Ausstellungen in New Yorker Galerien wie Wildenstein (1927, 1932) und Ferargil (1928) sowie in Detroit (1929), London (1930) und Washington, D.C. (1932) folgten.[11] 1932 stellte Alfred E. Smith der Künstlerin ein Atelier im neu errichteten Empire State Building zur Verfügung, in dem sie drei Monate lang an einer Serie von Temperabildern arbeitete. Diese gaben ihren Blick auf New York aus den Fenstern im 50. bzw. 70. Stock des Gebäudes wieder.[12] Ebenfalls vom Empire State Building aus gewonnene Ansichten in Aquarell sowie Blumenstücke zeigte sie unter anderem auch 1946 in der Galerie Welz bei der ihr gewidmeten Sonderschau Das Antlitz New Yorks, die vom Österreich-Institut im Rahmen der „Österreichischen Kultur-Patenschaft“ organisiert worden war.[13]
Hertha Doblhoff starb am 15. Jänner 1961[3] und wurde vier Tage darauf in der Grabstätte der Familie Schrack auf dem Hernalser Friedhof beigesetzt.[14]
Werk
Hertha Doblhoff malte vor allem Blumenstücke und Landschaften (oft Reiseimpressionen) sowie Figürliches und abstrakte Kompositionen. Dabei setzte sie flächige, kräftige Farben und ein festes zeichnerisches Gerüst ein.[3] Sie schuf Öl- und Temperagemälde, Aquarelle, Monotypien und Radierungen. Zu ihrem Gesamtwerk gehören weiters dekorative Wandbilder in New Yorker Häusern.
Der zeitgenössische Kunstkritiker Adalbert Seligmann kommentierte mehrfach Doblhoffs Werke, die bei Ausstellungen der Vereinigung Donauländischer Künstler gezeigt wurden. So erwähnte er 1921 in einer Rezension „die pikanten, auf geschmackvolle Fleckenwirkung berechneten Öl- und Aquarellbildchen von Clo Hade“.[15] 1926 zählte er ihre Radierung zu den guten ausgestellten Arbeiten, sie sei „kühn und breit behandelt“.[16]
Doblhoffs Sonderausstellung Das Antlitz New Yorks (1946) erhielt gemischte Kritiken. Rezensent Mahrer urteilte in der Österreichischen Zeitung, es handelte sich bei den Aussichten vom Empire State Building zwar um „artistisch hervorragende Aquarelle“, die aber nur das altbekannte Bild New Yorks, nicht das wirkliche Wesen der Metropole vermitteln würden. „In der Freude an fast kubistisch getürmten Farbtönen geht das Leben, der hastende, arbeitende, prassende und hungernde Mensch New Yorks völlig verloren, und es bleibt nichts als eine tote Steinlandschaft von bizarrer Gestalt“. Die anderen ausgestellten Bilder der Künstlerin, „in Farbe und Form stark vereinfachte, oft farbholzschnittartig wirkende Blumenstilleben, Akt- und Porträtstudien“, hätten laut Mahrer dagegen eine „stärkere Wirkung“. Insbesondere an Doblhoffs „drei Blumentöpfen“ nahm er ihr Streben nach äußerster Verallgemeinerung wahr, was vom Malerischen hin zum kunstgewerblich-dekorativen Stil führe.[17] Der Rezensent des Wiener Kuriers lobte dagegen, dass Doblhoff sowohl das Architektonische, als auch Blumenstücke und andere Arbeiten beherrsche, was den Einfluss ihres Lehrers Robin Christian Andersen zeige. Am überraschendsten fand er an den New Yorker Ansichten die „Farbigkeit der längst bekannten aufgeschichteten Würfelmassen und das keineswegs Antilyrische, sondern eher Zarte der Morgen- und Abendstimmungen dieser gigantischen Stadt“.[18]
Werke von Hertha Doblhoff wurden unter anderem in die Sammlungen des Detroit Institute of Arts und der Albertina in Wien aufgenommen.[3]
- Werke (Auswahl)
- Im Hafen von Venedig, Mischtechnik, Passepartout: 322 × 474 mm, Albertina, Inventarnummer 29192[19]
- Motiv aus Tirol, Aquarell, und sibirische Landschaften, Radierungen, 1926 Frühjahrsausstellung Vereinigung Donauländischer Künstler
- 25 Temperabilder: Ausblicke vom Empire State Building auf New York
- Wandgemälde im Haus von Tom Cardeza, New York
- Wandgemälde im Haus von Mrs. Donahue, New York[1]
Ausstellungen (Auswahl)
- 1921, 1924, 1926, 1927: Vereinigung Donauländischer Künstler, Theseustempel, Wien[20][21][16][22]
- 1925: Kollektivausstellung mit Robert Doblhoff, Kingore Gallery, New York[23]
- 1927, 1932: Wildenstein Galleries (mit Katalog)[24]
- 1927, 1928: Einzelausstellung Theseustempel, Wien[25][26]
- 1928: Ferargil Galleries, New York (mit Katalog)[27]
- 1930: Gieves Art Gallery, London (mit Katalog)[28][29]
- 1931: Kunstsalon im Fotoatelier von Franz Löwy, Mariahilfer Str., Wien[30]
- 1942: VBKÖ, Zedlitzgasse, Wien[31]
- 1946: Einzelausstellung Das Antlitz New Yorks, Galerie Welz, Weihburggasse 9, Wien[13]
- 1954: Einzelausstellung Galerie Gurlitt, München (mit Katalog)[3]
Literatur
- Doblhoff, Hertha, Freifrau v. (Pseud. Clo Hade). In: Paul Emödi, Robert Teichl (Hrsg.): Wer ist wer: Lexikon österreichischer Zeitgenossen. Wien 1937, S. 71.
- Doblhoff, Hertha Freifrau von, geb. Schrack (Pseud. Clo Hade). In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. Band 1: A–D. E. A. Seemann, Leipzig 1953, S. 573 (Textarchiv – Internet Archive – Leseprobe).
- Dankmar Trier: Doblhoff, Hertha (Hertha Clotilde Sofie) Freifrau von (geb. Schrack; Pseud. Hade, Clo). In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 28, Saur, München u. a. 2000, ISBN 3-598-22768-X, S. 142.
- Doblhoff Hertha Freifrau von, Clotilde Sofie, geb. Schrack, Ps. Clo Hade;. In: Ilse Korotin (Hrsg.): biografiA. Lexikon österreichischer Frauen. Band 1. Böhlau, Wien/Köln/Weimar 2016, ISBN 978-3-205-79590-2, S. 605.
Weblinks
- Hertha von Doblhoff. Biografische Daten und Werke im Niederländischen Institut für Kunstgeschichte (niederländisch)
Einzelnachweise
- ↑ a b c Doblhoff, Hertha, Freifrau v. (Pseud. Clo Hade ). In: Paul Emödi, Robert Teichl (Hrsg.): Wer ist wer: Lexikon österreichischer Zeitgenossen. Wien 1937, S. 71.
- ↑ Dr. jur. Josef Herrmann Albert Schrack. In: Website der Heraldisch-Genealogischen Gesellschaft „Adler“. Abgerufen am 17. September 2025.
- ↑ a b c d e f g Dankmar Trier: Doblhoff, Hertha (Hertha Clotilde Sofie) Freifrau von (geb. Schrack; Pseud. Hade, Clo). In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 28, Saur, München u. a. 2000, ISBN 3-598-22768-X, S. 142.
- ↑ Hymen. In: Wiener Salonblatt, 8. Mai 1910, S. 12 (online bei ANNO).
- ↑ a b c Wiener Bilder für Amerika. Aus einem Gespräch mit Baronin Hertha Doblhoff. In: Neues Wiener Journal, 4. März 1927, S. 7 (online bei ANNO).
- ↑ Bildertexte. In: Wiener Salonblatt, 13. September 1913, S. 7 (online bei ANNO).
- ↑ Abb.. In: Wiener Salonblatt, 13. September 1913, S. 11 (online bei ANNO).
- ↑ Die Schäferhunde der Frau Ida Rohland. Ein origineller Kündigungsprozeß. In: Neues Wiener Journal, 15. März 1927, S. 13 (online bei ANNO).
- ↑ 50 Jahre Schrack Elektrizitäts Aktiengesellschaft. In: Österreichische Ingenieur-Zeitschrift. Band 12. 1969, S. 402.
- ↑ Dankmar Trier: Doblhoff (D.-Dier), Robert (Robert Heinrich) Freiherr von. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 28, Saur, München u. a. 2000, ISBN 3-598-22768-X, S. 142.
- ↑ Doblhoff Hertha Freifrau von, Clotilde Sofie, geb. Schrack, Ps. Clo Hade;. In: Ilse Korotin (Hrsg.): biografiA. Lexikon österreichischer Frauen. Band 1. Böhlau, Wien/Köln/Weimar 2016, S. 605.
- ↑ Anna Denhof: Eine Österreicherin sieht New York (mit Abb.).: Österreichische Kunst, Jahrgang 1934, S. 21 (online bei ANNO).
- ↑ a b Kunstausstellungen. In: Wiener Zeitung, 22. Juni 1946, S. 4 (online bei ANNO).
- ↑ Doblhoff, Herta. In: friedhoefewien.at. Abgerufen am 17. September 2025.
- ↑ A. F. S.: Die Vereinigung Donauländischer Künstler. In: Neue Freie Presse, 19. Juli 1921, S. 10 (online bei ANNO).
- ↑ a b A. F. S.: Kunstausstellungen. In: Neue Freie Presse, 21. Mai 1926, S. 23 (online bei ANNO).
- ↑ Dr. Mahrer: Drei neue Kunstausstellungen. In: Österreichische Zeitung, 19. Juni 1946, S. 6 (online bei ANNO).
- ↑ L. W. R.: Amerika und Holland. Bilder in der Galerie Welz. In: Wiener Kurier. Herausgegeben von den amerikanischen Streitkräften für die Wiener Bevölkerung, 17. Juni 1946, S. 4 (online bei ANNO).
- ↑ Im Hafen von Venedig. In: sammlungenonline.albertina.at. Abgerufen am 17. September 2025.
- ↑ Karl Meißner: Erste Ausstellung der Vereinigung Donauländischer Künstler. In: Österreichs Illustrierte Zeitung, 27. Februar 1921, S. 10 (online bei ANNO).
- ↑ A. F. S.: Kunstausstellungen. In: Neue Freie Presse, 8. Mai 1924, S. 10 (online bei ANNO).
- ↑ A. F. S.: Kunstausstellungen. In: Neue Freie Presse, 11. Dezember 1927, S. 15 (online bei ANNO).
- ↑ Welt und Stadt. In: Wiener Salonblatt, 26. Juli 1925, S. 6 (online bei ANNO).
- ↑ Exhibition of paintings by Clo Hade (Baroness Hertha Doblhoff). Catalog of an exhibition held Jan., 1932. Wildenstein Galleries, New York 1932, OCLC 79848672.
- ↑ Meldung. In: Neues Wiener Tagblatt, 25. Februar 1927, S. 14 (online bei ANNO).
- ↑ Ausstellung Clo Hades. In: Reichspost, 20. November 1928, S. 9 (online bei ANNO).
- ↑ Exhibition of the recent works of Clo Hade. Catalog of an exhibition held Dec. 10-23, 1928. Ferargil Galleries, New York 1928, OCLC 79128731.
- ↑ Still life and flower paintings by Clo Hade (Baroness Hertha Doblhoff). Catalogue (Gieves Art Gallery), no. 233. London 1930, OCLC 913359195.
- ↑ Welt und Stadt. In: Wiener Salonblatt, 6. Juli 1930, S. 5 (online bei ANNO).
- ↑ Van Dongen, Foujita und ein neuer Kunstsalon. In: Die Stunde, 8. Dezember 1931, S. 6 (online bei ANNO).
- ↑ Kunstschaffen der Frauen. In: Völkischer Beobachter, 6. Juni 1942, S. 3 (online bei ANNO).