Herta Lenz de Brüggen
Herta Marie Elisabeth Lenz de Brüggen, auch Herta Lenz-Brüggen (geboren am 7. Juli 1895 in Santiago de Chile; gestorben vor dem 7. Oktober 1953[1] vermutlich ebenda) war eine deutsch-chilenische Schriftstellerin.
Leben
Lenz de Brüggen war eine Tochter des Universitätsprofessors Rudolf Lenz (1863–1938) und dessen Frau Johanna (geborene Talaszus; * 11. April 1867 – 1943). Ihr Vater stamme aus Halle an der Saale und ihre Mutter aus Neuss am Rhein. Ihre Vorfahren entstammten dem mecklenburgischen Uradel der Familie Lenz (von Lencin, von Lente, von Lettenyn), die bis zu Nanno von Lencyn zurückreicht, der 1262 durch den Fürsten Pribislaw von Parchim mit der Burg Lentzick belehnt wurde. Sie besuchte die Deutsche Schule und das Staatliche Lyeceum in Santiago. Lenz de Brueggen beschäftigte sich nach ihrem Studium der Philologie hauptsächlich mit dem Schreiben historischer Romane in deutscher Sprache. Sie schrieb zu Beginn der 1930er Jahre ihre Romandichtung Von der Heimat losgerissen. Diese fand seinerzeit in Deutschland neben Anerkennung auch Kritik. Ihre Werke erschienen zumeist in der Zeit des Nationalsozialismus.
Ihr Roman Von der Heimat losgerissen sollte nach der 1936 geäußerten Auffassung von Gerd Wunder aus „politischen Gründen“ aus den Volksbüchereien ferngehalten werden, weil sie nicht die „Verbundenheit mit dem Überseebeutschtum und unsere volksdeutsche Verpflichtung gegenüber dem Überseedeutschtum zeigen.“[2]
Else Brockerhoff schloss in ihrer Rezension über den Roman Götter, die zu Menschen wurden ebenfalls mit einem negativen Urteil: „Leider ist die Verfasserin aber keine Gestalterin. Ihre Sprache ist dickflüssig und pathetisch. Man wird am Anfang von schwierigen Namen und Ausdrucksweisen erdrückt, so daß es schwer hält durchzukommen. Würde man von dem fremdartigen und kulturhistorischen Rahmen absehen, so bliebe nur eine etwas dürftige Liebesgeschichte übrig. Die Volksbücherei kann auf dieses Buch verzichten.“[3] Bernhard Wendt hingegen, hatte 1933 über dasselbe Werk geschrieben: „Dieser Roman setzt ethnologisches und religionsgeschichtliches Interesse voraus. Wer sich über die Kultur der Inkas unterrichten will, findet in ihm eine nach den besten Quellen gearbeitete Einführung voll dramatischer Spannung.“[4]
Als ihr Mann starb, erhielt sie am 23. März 1953 gemeinsam mit den Töchtern dessen Besitz und Nachlass zugesprochen.[5] Sie selbst starb nur wenige Monate später. Im Diario La Nación erschien die Meldung:
«Primer Juzgado Civil. Resolucion siette octubre presente año, consedio posesión efectiva herencia testada Herta Lenz viuda de Brüggen a herta Brúggen Lenz, Helga Johana Marie Brüggen Lenz Schwelkart e Ingeburg Herta Brüggen de de Covos»
„Erstes Zivilgericht. Mit Beschluss vom 7. Oktober dieses Jahres wurde der wirksame Besitz des Nachlasses von Herta Lenz, Witwe von Brüggen, Herta Brüggen Lenz, Helga Johana Marie Brüggen Lenz Schwelkart und Ingeburg Herta Brüggen de Covos gewährt.“[1]
Familie
In Santiago de Chile heiratete sie am 8. Juni 1913 den Geologen Johannes Brüggen (1887–1953) den Sohn eines Lübecker Kaufmanns, mit dem sie drei Töchter hatte:
- Helga Johana Marie Brüggen Lenz (* 11. August 1914 – nach Oktober 1953) ⚭ Adalberto Schweikart. Sie wurde Archäologin und hatte 3 Kinder.
- Ingeburg Herta Brüggen Lenz (* 12. September 1916 – nach Oktober 1953) ⚭ de Covos
- Herta-Herzeloide Brüggen Lenz (* 12. April 1924 – nach März 1953)
Ihre Großeltern waren väterlicherseits protestantisch und mütterlicherseits katholisch:
- Postdirektor Wilhelm Lenz (* 25. Juni 1834 – 1901) und Marie Luise (geborene Danziger; * 19. Mai 1839 – 1922)
- Gutsbesitzer Franz Talaszus (* 12. Oktober 1828) und Elisabeth (geborene Petry; * 12. November 1830).
Werke (Auswahl)
- Die Incas. Die Tragödie des Sonnenvolkes. Oesterheld & Co, Berlin 1922 (dreiteilige dramatische Dichtung).
- Von der Heimat losgerissen. Ein auslandsdeutscher Roman. Korn, Breslau 1932.
- Götter, die zu Menschen wurden. Roman aus dem Incareich. Strecker & Schröder, Stuttgart 1933.
- Chilenisches Märchen. Das Tal der Sonne. In: Jahrbuch des Westküsten-Beobachters. Santiago 1937, S. 86–96.
- Atacamac. Das Land der bösen Götter. Libreria Ivens, Santiago de Chile 1939.
- Der furchtbare Gott. Roman aus der Zeit Heinrichs des Löwen. Westphal, Wolfshagen-Scharbeutz 1939.
Literatur
- Lenz de Brüggen, Herta Marie Elisabeth. In: Degeners Wer ist’s. 10. Ausgabe. Herrmann Degener, Berlin 1935, S. 957 (Textarchiv – Internet Archive).
Einzelnachweise
- ↑ a b 53. Judiciales. In: Diario La Nación. 15. Oktober 1953, S. 21, 3. Spalte von links (spanisch, Textarchiv – Internet Archive).
- ↑ Gerd Wunder: Lenz de Brüggen, Herta: Von der Heimat losgerissen. Ein auslandsdeutscher Roman … In: Die Bücherei. Zeitschrift der Reichsstelle für das Büchereiwesen. 1936, S. 117 (Textarchiv – Internet Archive – Buchbesprechung von Gerd Wunder).
- ↑ Else Brockerhoff: Lenz de Brüggen, Herta: Götter, die zu Menschen wurden. In: Die Bücherei. Zeitschrift der Reichsstelle für das Büchereiwesen. 1936, S. 466 (Textarchiv – Internet Archive – Buchbesprechung von Gerd Wunder).
- ↑ Bernhard Wendt: Herta Lenz de Brüggen, Götter, die zu Menschen wurden. In: Weltstimmen. Weltbücher in Umrissen. 7. Jahrgang, Heft 1, Januar 1933, S. 479 (Textarchiv – Internet Archive).
- ↑ Diario La Nación. 27. März 1953, S. 19, 2. Spalte von rechts (spanisch, Textarchiv – Internet Archive).