Herrenhaus Grünow
Das Herrenhaus Grünow ist ein im Kern spätbarockes, historistisch überarbeitetes Herrenhaus im Ortsteil Grünow von Schwedt/Oder im Landkreis Uckermark in Brandenburg. Es wird nach verschiedenen öffentlichen Nutzungen und einer Renovierung in den Jahren nach 1986 als Privathaus genutzt.
Geschichte
Im Jahr 1690 war das Gut an Familie von Arnim gelangt, die es zeitweise verpachtete oder weiterverkaufte, so etwa 1735 an Familie von Rohr-Lanzen (Herrschaft Ruppin), in deren Auftrag vermutlich das Herrenhaus errichtet wurde. Der Gutshof lag damals nördlich des Kirchhofs. Nach Mitte des 18. Jahrhunderts folgten verschiedene Eigentümerwechsel. Im Jahr 1881 kaufte der bürgerliche Landwirt Herrmann Kühn das Gut und ließ das Herrenhaus kurz darauf umbauen. Auch die Verlegung des Gutshofs nach Westen und die Anlegung des Gutsparks wurden damals vorgenommen. Ab spätestens 1897 ließ die Familie die Anlage durch einen Pächter bewirtschaften. In den Jahren 1945/46 wurde das Gut enteignet und das zugehörige Land im Zuge der Bodenreform aufgeteilt. Im Gutspark wurden die Mauern der Süd- und Westseite bis auf wenige Reste abgebrochen sowie ein kleiner Bereich im Südosten abgetrennt und überbaut.
Architektur
Das Herrenhaus wurde nach dendrochronologischer Datierung 1736 oder etwas später errichtet. Nach 1881 erfolgte ein Umbau durch Gutsbesitzer Kühn; auf diese Phase könnten unter anderem der mittige Dachausbau, die eingeschossigen Anbauten an den Giebelseiten und eine Fassadenneugestaltung in Formen der Neorenaissance zurückgehen. Im Jahr 1945 wurden Flüchtlinge einquartiert; später diente das Gebäude lange verschiedenen Gemeindezwecken. Im Zuge einer Modernisierung wurde 1984–86 die historistische Fassadengliederung beseitigt; außerdem erfolgte der Einbau von Zwischenwänden im Erdgeschoss, die bei einer Teilsanierung in jüngster Zeit wieder entfernt wurden.
Über dem Souterrain befindet sich ein eingeschossiger Putzbau mit teilweise ausgebautem Mansarddach. Die seit 1986 schmucklose hofseitige Fassade wird durch eine zentrale Eingangsachse und symmetrisch angeordnete Fenster in neun Achsen gegliedert; die drei Mittel- und die beiden Außenachsen sind als flache Risalite ausgebildet. Das ehemals gaubenbesetzte Mansarddach ist heute vereinfacht.
Erhalten blieb der über eine zweiläufige Freitreppe erreichbare, durch einen Portalvorbau betonte Eingang; darüber ein Balkon mit schmiedeeisernem Ziergitter, in das die Initialen A. K. (vielleicht Adele Kühn) eingelassen sind. Die giebelseitigen niedrigeren Flügelbauten wurden ebenso überarbeitet. An der Parkseite befindet sich vor den Mittelachsen eine Terrasse; die schmiedeeisernen Stützen der ehemals verglasten Überdachung sind mit Jugendstildekor versehen. Innen ist der Grundriss teilweise erhalten. Hinter dem Haupteingang befindet sich das Vestibül, dahinter der Gartensaal, seitlich die Wohnräume, die teils noch als Enfilade angeordnet sind. Eine Treppe mit Balustergeländer führt zum Dachgeschoss. Erhalten blieben außerdem Ausstattungselemente des 19. Jahrhunderts, darunter einige Fenster, Flügeltüren, Deckenvouten und Stuckrosetten sowie Dielenböden und im nördlichen Gebäudeteil eine gewendelte Nebentreppe mit Traljengeländer. Die Küche, Wirtschafts- und Vorratsräume lagen im Souterrain, dort sind auch Reste eines Backofens erhalten. Die Mansarde ist nur teilweise ausgebaut. Auf der Nordseite blieb als Wasserreservoir ein genieteter Behälter erhalten. Im südlichen Teil ist das kräftig dimensionierte Dachwerk der Bauzeit 1736 (d) noch erkennbar: eine zweistöckige Mansardenkonstruktion mit Diagonalstreben zur Aussteifung der Sparren. Im Gebälk sind noch zahlreiche Tabaknägel erhalten, außerdem eine große Räucherkammer. Das Bauwerk ist vollständig unterkellert. Erhalten sind zahlreiche Holzbalkendecken von 1736 (d) sowie unter der linken (nördlichen) Giebelseite ein kleiner tonnengewölbter Kellerraum.
Würdigung
Ungeachtet ihres erheblich reduzierten Bestands prägt die Gutsanlage bis heute das Bild des Ortskerns charakteristisch mit. Beachtenswert sind vor allem das im Kern spätbarocke Herrenhaus, das als ein typisches Beispiel der teils sehr bescheidenen märkischen Gutsarchitektur gelten darf, sowie der in seinen Grundstrukturen erhaltene Gutspark. Auffallend am Herrenhaus ist der umfangreiche Verbrauch von Holz als Baumaterial sowohl für die Balkendecken als auch für das Dachwerk.
Literatur
- Herrenhaus Grünow in der Denkmaldatenbank des Landes Brandenburg
- Denkmaltopographie Brandenburg Bd. 18.1, 2016, S. 302 f.
Weblinks
Koordinaten: 53° 7′ 25,4″ N, 14° 4′ 9,2″ O