Hermine Pilder-Klein
Hermine Pilder-Klein (Pseudonym Renate Molitoris; * 3. Januar 1901 in Weißkirch, Siebenbürgen, Österreich-Ungarn; † 20. März 1998 in Heidelberg) war eine rumäniendeutsche Sprachwissenschaftlerin, Fachschuldozentin und Übersetzerin. Sie war fünf Jahre lang in einem rumänischen Gefängnis inhaftiert.
Leben und Wirken
Hermine Klein wuchs in einer Familie von Siebenbürger Sachsen auf. Ihr Vater Friedrich Michael Klein war evangelischer Pfarrer, ihre Mutter Hermine, geborene Csallner, eine Pfarrerstochter.[1] Ihr ältester Bruder Fritz Klein wurde Publizist, ihr Bruder Karl Kurt Klein Wissenschaftler und der Bruder Gustav Adolf Klein Bankdirektor. Hermine Klein legte 1920 am Jungen-Lyzeum in Bistritz die Matura ab. Danach studierte sie deutsche und romanische Philologie, Philosophie, Geschichte und Kunstgeschichte in Klausenburg und danach in Marburg/Lahn, wo sie 1924 nach vier Jahren zum Dr. phil. promoviert wurde. Anschließend studierte sie Pädagogik in Jassy/ Iași.
Ab Frühjahr 1925 unterrichtete Hermine Klein am Jungen-Lyzeum in Hermannstadt Deutsch und Rumänisch und an der evangelischen Bürgerschule Deutsch, Rumänisch, Geschichte und Religion. 1926 setzte sie ihre Studien in Bukarest fort und legte die Staatsprüfung für das Lehramt Deutsch und Rumänisch ab. Danach war sie als wissenschaftliche Assistentin am Germanistischen Lehrstuhl der Universität Bukarest angestellt.
1927 heiratete sie den Diplomingenieur Alfred Pilder. 1929 und 1931 bekam Hermine Pilder-Klein ihre ersten beiden Kinder und war in dieser Zeit nicht berufstätig. Ab 1933 lehrte sie an der Handelsakademie in Bukarest. 1934 bekam sie ihr drittes Kind. Ab 1936 unterrichtete sie an der Englischen Schule höherer Töchter in Bukarest Kunstgeschichte.
Ab 1938 war Hermine Pilder als literarische Übersetzerin tätig, auch nach den politischen Veränderungen in Rumänien 1948. 1958 wurde sie verhaftet, weil sie eine Rede ihres Bruders Karl Kurt Klein verbreitet hatte, die dieser im Vorjahr in Düsseldorf bei einem Festakt anlässlich der Übernahme einer Regionalpartnerschaft des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen für die Siebenbürger Sachsen gehalten hatte.[2] Ihr wurde die Verbreitung einer Schrift gegen den rumänischen Staat vorgeworfen, wofür sie zu sechs Jahren Haft verurteilt wurde. Diese verbüßte sie im Frauengefängnis für politische Gefangene in Miercurea Ciuc, in einer Zelle mit sechs weiteren Frauen, darunter Grete Loew (* 1927) und Maria Luise Roth.[3]
1963 wurde sie freigelassen. Danach war sie wieder in eingeschränktem Umfang als Übersetzerin tätig. 1969 emigrierte sie in die Bundesrepublik Deutschland. Dort wurde sie einmal als eine der bemerkenswertesten Frauen Siebenbürgens in diesem Jahrhundert bezeichnet.[4] 1998 starb sie im Alter von 97 Jahren.
Publikationen (Auswahl)
Hermine Pilder-Klein veröffentlichte etwa 80 literarische Übersetzungen aus dem Rumänischen ins Deutsche, vor allem von Gegenwartsautoren, oft als Renate Molitoris, einige ohne Namensnennung.[5] Die meisten erschienen in Bukarest, einige wurden auch von DDR-Verlagen übernommen. Ihre Dissertation von 1927 stellte nach sprachanalytischen Untersuchungen fest, dass die deutsche Einwanderung nach Bistritz von verschiedenen Volksgruppen erfolgte, und nicht nur von einer, wie bis dahin angenommen worden war. Ihre umfangreiche Monographie über ihren Bruder Karl Kurt Klein wurde dagegen von mehreren Rezensenten als zu undistanziert bemängelt. Sie veröffentlichte mehrere Artikel und Rezensionen zur siebenbürgischen Sprachgeschichte und weiteren Themen.[6]
- Autorin
- Die Bistritzer Mundart verglichen mit dem Sprachatlas des Deutschen Reichs, Ewert. Diss. Marburg 1927. Neudruck 1974.
- Karl Kurt Klein. Ein Gelehrtenleben im Umbruch der Zeit, Jassy 1997[7]
- Siebenbürgische Ortsnamensstatistik, in Südostdeutsche Vierteljahresblätter, 1980, S. 17ff. (kurze Auszüge)
- Übersetzerin
in DDR-Verlagen erschienen
- Petru Dumitriu: Saat und Ernte. Volk und Welt, Berlin 1952.
- Mihail Sadoveanu: Bojarensünde und andere Erzählungen. Reclam, Leipzig 1958.
- Mihail Sadoveanu: Die Wolfsinsel. Volk und Welt, Berlin 1958.
- Ion Creănga: Der Lausejunge aus Humulești. Aufbau-Verl., Berlin 1958. (bb-Taschenbücher.)
Literatur
- Ingrid Schiel: Frei – politisch – sozial. Der Deutsch-Sächsische Frauenbund in Siebenbürgen 1921 – 1939. Böhlau, Köln 2018. S. 546f. und öfter
- Stefan Sienerth: Eine Festrede und ihre Folgen. Die Übersetzerin Hermine Pilder-Klein – verfolgt, verhöhnt, verhaftet. In: ders.: Bespitzelt und bedrängt – verhaftet und verstrickt. Rumäniendeutsche Schriftsteller und Geisteswissenschaftler im Blickfeld der Securitate. Frank & Timme, Berlin 2022, S. 407–432
- Hermine Pilder-Klein. In Zeitschrift für Siebenbürgische Landeskunde, 1998, Nr. 2. S. 7, Nachruf (Kurzinformation)
Weblinks
- Literatur von und über Hermine Pilder-Klein im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Hermine Pilder-Klein. In: Deutsche Biographie (Index-Eintrag).
- Literatur von Hermine Pilder-Klein Deutsches Literaturarchiv Marbach
- Suche nach Hermine Pilder-Klein. In: Deutsche Digitale Bibliothek
Einzelnachweise
- ↑ Ingrid Schiel, Frei – politisch - sozial, 2018, S. 546; mit biographischen Details
- ↑ Stefan Sienerth: Bespitzelt und bedrängt – verhaftet und verstrickt. Rumäniendeutsche Schriftsteller und Geisteswissenschaftler im Blickfeld der Securitate, Berlin 2022, S. 407–432, mit detaillierter Darstellung
- ↑ Sienerth, 2022, S. 426f., mit Details
- ↑ Hermine Klein-Pilder zum 80. Geburtstag, in Südostdeutsche Vierteljahreshefte, 1980, S. 40 (kurze Auszüge)
- ↑ Horst Schuller, Beispiel, Erfahrung, Theorie. Übersetzungswissenschaftliche Beiträge von Hermine Pilder-Klein, in Germanistische Beiträge, Sibiu, 2010, S. 269–287 (kurze Angaben UB Frankfurt), über eine veröffentlichte und eine unveröffentlichte Rezension von ihr
- ↑ Herbert Ernst Wiegand, Internationale Bibliographie zur zur germanistischen Lexikographie und Wörterbuchforschung, de Gruyter, Berlin/New York, 2006, S. 1330
- ↑ Hans Bergel, Notizen eines Ruhelosen, 2015, S. 299, kritische Anmerkungen