Hermann Stowasser
Hermann Stowasser (* 17. September 1908 in Wien; † 11. Juli 1994) war ein österreichischer Erdölgeologe und Funktionär in der ÖMV sowie Lehrbeauftragter an der Montanuniversität Leoben und der Universität Wien. Er war 1969/70 Präsident der Österreichischen Geologischen Gesellschaft.
Leben und Ausbildung
Hermann Stowasser besuchte die Bundesrealschule Wien IV, die er 1926 abschloss. Ab dem Wintersemester 1927 studierte er an der Universität Wien, musste sein Studium aber als Werkstudent mehrmals unterbrechen.
Im Sommer 1935 bis 1937 arbeitete er an seiner geologischen Dissertation über „Zur Schichtfolge, Verbreitung und Tektonik des Stangalm-Mesozoikums (Gurktaler Alpen)“ unter der Leitung von Universitätsprofessor Franz Eduard Suess. Kurz vor Abschluss des Studiums trat er im September 1937 in die Erdölindustrie ein.
Am 24. Juni 1948 wurde Stowasser an der Universität Wien zum Doktor der Philosophie im Fach Geologie promoviert.
Zeit des Nationalsozialismus
Stowasser wurde mit 1. Oktober 1932 bei der Ortsgruppe Wien der NSDAP als Mitglied mit der Nummer 1.301.335 geführt. Seiner eigenen Darstellung zufolge betätigte er sich auch nach dem Parteiverbot 1933 weiter für die NSDAP. Er behauptete, seinem Bruder, einem geflüchteten SA-Mitglied, in der Österreichischen Legion geholfen zu haben. Anfang 1935 stellte er seine Beitragsleistung für die NSDAP ein, da es im Wiener Gemeindebezirk Wieden zu polizeilichen Aufdeckungen der getarnten Partei kam. Vor dem Anschluss Österreichs wurde er laut Meldung seiner Ortsgruppe wegen nationalsozialistischer Betätigung polizeilich mit einer Geldstrafe von 275 Schilling bestraft[1].
Mit dem „Anschluss“ 1938 verlor die Steinberg Naphta AG, bei der Stowasser seit September 1937 arbeitete, ihre Selbständigkeit an die Firma Hermann von Rautenkranz, Internationale Tiefbohr AG (Itag), Celle. Stowasser wurde die Leitung der geologischen Abteilung der österreichischen Zweigniederlassung übertragen und er war bald technischer Prokurist. Er war mitverantwortlich für die Leitung der Bohrbetriebe mit über 20 Bohranlagen und rund 1200 Personen Belegschaft in der Ostmark und im Protektorat Böhmen und Mähren[1].
Stowasser wurde nicht zur Wehrmacht eingezogen, aber Anfang November 1944 für den Wiener Volkssturm erfasst. Zu Kriegsende setzte er sich nach Bayern ab, wo er bis Ende November 1945 blieb.
Nachkriegszeit und Karriere in der Erdölwirtschaft
Im Jänner 1946 war Stowasser zurück in Wien und kam seiner Registrierungspflicht nach. Er verlegte seinen Beitritt zur NSDAP fälschlicherweise vom Jahr 1932 in das Jahr 1941 und behauptete, ab 1938 nur Parteianwärter gewesen zu sein. Dadurch entging er der Verzeichnung als „Illegaler“ und vermied eine genauere Überprüfung. Nach dem Verbotsgesetz 1947 wurde er als Minderbelasteter verzeichnet[1].
Im Mai 1946 trat er als Erdölgeologe in die Dienste der Rohöl-Gewinnungs-AG (RAG) Wien unter Robert Janoschek. Seine anfängliche Tätigkeit bestand hauptsächlich in der Bearbeitung des großen, während des Krieges gewonnenen, aber nicht ausgewerteten geologischen und lagerstättenkundlichen Materials. Seine Promotion, die im Rahmen der Entnazifizierung möglicherweise verzögert wurde (da belastete und minderbelastete Personen bis 30. April 1950 vom Hochschulstudium ausgeschlossen waren), erfolgte am 24. Juni 1948[1].
Im Mai 1953 kehrte er zur Firma Hermann von Rautenkranz zurück, wo er Betriebsleiter der Badischen Erdölwerke in Ubstadt bei Bruchsal (einer Tochtergesellschaft der Itag im Rheinland) wurde.
Im Februar 1957 begann seine Tätigkeit in der Österreichischen Mineralölverwaltung (ÖMV), zunächst als erster Geologe im Förderbetrieb Neusiedl an der Zaya und ab 1959 in Wien.
Auszeichnungen und Funktionen
- 1969/70: Präsident der Geologische Gesellschaft in Wien (später auch deren Ehrenmitglied).
- 1979: Verleihung der Haidinger-Medaille durch die Geologische Bundesanstalt anlässlich der 130-Jahr-Feier der GBA.
Literatur
- Gunnar Mertz (2020): „Das Braun der Erde“: Die Träger der Haidinger-Medaille der Geologischen Bundesanstalt und der Nationalsozialismus. In: Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt, 160, S. 359–408 (zobodat.at [PDF]).