Hermann Leopold von Boehlendorff
Hermann Leopold von Boehlendorff (* 1773 in Mitau, Herzogtum Kurland und Semgallen; † 1828 in Dorpat, Gouvernement Livland, Kaiserreich Russland) war ein deutschbaltischer Geistlicher in Kurland und von 1802 bis 1823 Professor an der Kaiserlichen Universität Dorpat.
Leben
Herkunft und Familie
Er war ein Sohn von Gottfried Boehlendorff und seiner Frau Justina Juliana, geb. Hartmann, (1742–1807). Casimir Ulrich Boehlendorff war sein Bruder. 1806 heiratete er in Dorpat Louise Henriette von Prohst. Zu den Kindern gehörten: 1) Julius Leopold (1810–1868), Arzt, 2) Luise (1811–1878), ⚭ 1838 Ernst August von Raison, 3) Hermann August (1817–1884), 4) Ida Emilia (1822–1885) ⚭ Karl Albert von Tesche (1800–1874).
Werdegang
Er erhielt zuerst häuslichen Unterricht, war dann bei Pastor Brandt in Angern (Kurland). Er studierte Theologie 1788 bis 1790 an der Academia Petrina in Mitau, 1790 in Jena und ½ Jahr in Halle. Danach war er Hauslehrer in Mitau. 1796 bis 1798 war er Pastor-Vikar in Sessau (Kurland). 1798 bis 1802 Diakonus der lettischen St. Annen-Kirche in Mitau und bediente auch die Armenkirche. 1801 Dr. phil. der Universität Wittenberg.
1801, als die Universität in Mitau errichtet werden sollte, zum Professor derselben bestimmt, aufgrund der Verlegung schließlich an der Kaiserlichen Universität Dorpat 1802 bis 1823 Professor der praktischen Theologie; 1805 Dr. theol., 1812 Kollegienrat, 1822 Staatsrat. Er las 1814 bis 1823 Exegetik und war achtmal Dekan. Als Vertreter der Vulgärrationalismus auf Betreiben der Kurators Karl von Lieven 1823 emeritiert.
Werke
- "Über Luthers Persönlichkeit", Worte zur Eröffnung der Feier des dreihundertjährigen Reformationsfestes im grossen Hörsaale der Kaiserlichen Universität zu Dorpat am 31. October 1817 gesprochen.
Literatur
- Theodor Kallmeyer und Gustav Otto: Die evangelischen Kirchen und Prediger Kurlands (1910), S. 267
- Johann Friedrich von Recke und Karl Eduard Napiersky: Allgemeines Schriftsteller- und Gelehrten-Lexikon der Provinzen Livland, Esthland und Kurland (1827–1832), Erster Teil, S. 208
- Theodor Beise und Karl Eduard von Napiersky: Allgemeines Schriftsteller- und Gelehrten-Lexikon der Provinzen Livland, Esthland und Kurland - Nachträge und Fortsetzungen, (1859–1861), S. 68
- Karl Dannenberg: Zur Geschichte und Statistik des Gymnasiums zu Mitau (1875), Liste 1, #178
- Deutschbaltisches biographisches Lexikon 1710–1960 (1970), S. 82
- Carola L. Gottzmann und Petra Hörner: Lexikon der deutschsprachigen Literatur des Baltikums und St. Petersburgs (2007), S. 259