Hermann Laurent
Hermann Laurent (vollständig Matthieu Paul Hermann Laurent) (* 2. September 1841 in der Stadt Luxemburg;[1] † 19. Februar 1908 in Paris) war ein französischer Mathematiker.
Leben
Seine Eltern waren der Chemiker Auguste Laurent und Anne-Françoise Schrobilgen. Hermann Laurent wurde in Luxemburg geboren und wuchs in Bordeaux, Frankreich auf, wo sein Vater einen Lehrstuhl innehatte. Nach dem Tod seines Vaters 1853 studierte Laurent an der École polytechnique in Paris und an der École d’Application in Metz. Anschließend trat er in den Militärdienst ein, den er 1865 im Rang eines Offiziers verließ.
Bereits seit 1862 beschäftigte sich Laurent mit mathematischen Arbeiten, seine erste Veröffentlichung erschien 1865. Nach seiner Promotion erhielt er 1866 eine Anstellung an der École polytechnique. Während des Deutsch-Französischen Kriegs 1870/71 kehrte er vorübergehend in den aktiven Militärdienst zurück.
Ab 1871 arbeitete Laurent auch als Versicherungsmathematiker. 1874 heiratete er Berthe Moutard. 1889 wurde er Professor an der Pariser École Agronomique. 1905 wurde er in die Ehrenlegion aufgenommen. Hermann Laurent starb am 19. Februar 1908 in Paris.
Werk
Laurents erstes Werk von 1862 hieß Traité des séries (Abhandlung über Reihen), 1865 veröffentlichte er das Traité des résidus (Abhandlung über Residuen). Er schrieb insgesamt 30 Bücher und eine Vielzahl kleinerer Texte. Sein Hauptarbeitsgebiet blieb die Analysis, insbesondere Reihen und Differentialgleichungen; er beschäftigte sich aber auch mit Geometrie und Statistik, insbesondere Sterbetafeln. Er galt als einflussreicher Hochschullehrer und Lehrbuchautor (Traité d'arithmétique, Traité d'analyse), wobei er aus bürokratischen Gründen teils die Pseudonyme C.A. Laisant und E. Lemoine verwendete (ein Hochschulprüfer durfte nicht über sein Prüfungsgebiet veröffentlichen). Einer seiner Beiträge ist die Laurent-Schleife in der Fraktionalen Infinitesimalrechnung.
Die Laurent-Reihen sind dagegen nach Pierre Alphonse Laurent (1813–1854) benannt. Hermann Laurent arbeitete jedoch auch an diesen Reihen.
Literatur
- Mersch, Jules, 1947. Mathieu-Lambert Schrobilgen, 1789–1883. Biographie nationale du Pays de Luxembourg, fasc. 1, S. 17–99 (Hermann Laurent, S. 64–65). luxemburgensia.bnl.lu
- Mersch, Jules, 1957. Mathieu-Lambert Schrobilgen, 1789–1883. Biographie nationale du Pays de Luxembourg, fasc. 1, 2e édition revue et corrigée, S. 17–99 (Hermann Laurent, S. 65).
- Stumper, Robert, 1953. La vie et l'oeuvre d'un grand chimiste, pionnier de la doctrine atomique: Augustin Laurent, 1807–1853. Archives de l'Institut grand-ducal de Luxembourg, section des sciences, N.S. 20 (1951–1953), S. 47–93 (Hermann Laurent, S. 68, 71).
- Stumper, Robert, 1962. Luxemburger Wissenschaftler im Ausland. Verbesserter und ergänzter Abdruck aus der Wochenschrift “d’Letzeburger Land”. Dréckerei Bourg-Bourger, Luxembourg (Mathematiker Hermann Laurent, S. 61–64).
Weblinks
- John J. O’Connor, Edmund F. Robertson: Matthieu Paul Hermann Laurent. In: MacTutor History of Mathematics archive (englisch).(falscher Geburtsort!)
- Hermann Laurent in der Datenbank zbMATH
Einzelnachweise
- ↑ Mersch 1947, S. 65; 1957, S. 65; Stumper 1953, S. 68; 1962, S. 63. – Im Internet liest man, Hermann Laurent sei in Echternach geboren (cf. The MacTutor History of Mathematics archive www-history.mcs.st-andrews.ac.uk, abgerufen am 2. Juli 2012), im Echternacher Geburtenregister des Jahres 1841 ist sein Name allerdings nicht zu finden.