Hermann Schumann (Werkstoffwissenschaftler)
Hermann Kurt Schumann (* 9. Dezember 1924 in Düsseldorf; † 7. Februar 1989 in Rostock) war ein deutscher Werkstoffkundler (Metalloge) und Hochschullehrer.
Herkunft
Hermann Schumann wurde als Sohn und zweites Kind des Kesselschmiedes gleichen Namens und dessen Ehefrau Emilie, geb. Schlosser, geboren. Er hat eine Schwester, Luise Anna Neppl, geb. Schumann (* 7. April 1920 in Düsseldorf; † 14. April 2002 in München). In Düsseldorf verbrachte er auch seine Schulzeit. Sportlich war er im örtlichen Handballverein aktiv und aufgrund seiner beidhändigen Wurfgewalt auch sehr erfolgreich. Im Oktober 1942 wurde er, knapp achtzehnjährig, zur Wehrmacht in ein Pionierbataillon eingezogen, konnte dort aber weiter Handball spielen und noch Ostern 1943 den „Reifevermerk“ seiner Oberrealschule erhalten. In der Wehrmacht wurde er zum Funker ausgebildet und zur Artillerie abkommandiert, leistete aber auch als Dolmetscher für Französisch und Italienisch Dienste. Wenige Tage nach seinem 20. Geburtstag, d. h. am 14. Dezember 1944 wurde er in der Po Ebene durch einen Granatsplitter so schwer verletzt, dass er sich einer Amputation am rechten Oberschenkel unterziehen musste. Anderthalb Jahre (bis Juli 1946) verbrachte er in verschiedenen Lazaretten Italiens, Österreichs und Bayerns, ehe er als Gefreiter aus amerikanischer Gefangenschaft entlassen werden konnte. Bereits 1943 war die Familie Schumann nach ihrer Ausbombung in Düsseldorf nach Freiberg in Sachsen übergesiedelt, so dass Freiberg nun zu seinem neuen Wohnort wurde.[1]
Ausbildung
Mit dem Notabitur einerseits und der erheblichen körperlichen Einschränkung durch die Amputation andererseits war ein Studium in der örtlichen Bergakademie naheliegend. Auch wenn dort am 8. Februar 1946 der Lehrbetrieb offiziell wieder aufgenommen wurde, waren die Nachkriegsbedingungen für die studentische Ausbildung, insbesondere durch Demontagen als Reparationsleistungen an die Sowjetunion, sehr kompliziert.[2] Hermann Schumann bewarb sich zu einer Zeit in Freiberg für das Fach Metallkunde, zu der niemand recht eine Prognose über die weitere Entwicklung des Institutes zu geben vermochte: Die Demontage war noch nicht „vernarbt“, der Lehrstuhl immer noch unbesetzt (kommissarische Leitung durch den Eisenhüttenkundler Prof. E. Diepschlag) und die Gründung des neuen Instituts für Metallkunde und Materialprüfung stand noch aus. Er begann sein Studium am 28. November 1946, dem offiziellen Beginn des Wintersemesters, zusammen mit 2 weiteren Kommilitonen. Erst 1948 übernahm der Schweißwerkstoffspezialist Friedrich Erdmann-Jesnitzer den Lehrstuhl für Metallkunde und führte die eigentliche Metallkunde, das bis dahin separate Institut für Materialprüfung sowie das Reglersche Röntgeninstitut zusammen, so dass man wieder von einem recht großen und hinreichend leistungsfähigen Institut sprechen konnte.[2] Nach den vorgeschriebenen zwei Jahren, am 5. Dezember 1948 legte Hermann Schumann seine Diplomvorprüfung mit „Sehr gut“ ab. Am 11. Dezember 1950, also nach fast genau vier Jahren Studium, in dem er fakultativ auch noch Vorlesungen in Theoretischer Physik besucht hatte, legte er seine Hauptprüfung mit Auszeichnung ab[3]. Das Abschlusszeugnis lässt nichts zu wünschen übrig. In seiner mit „Sehr gut“ bewerteten Diplomarbeit behandelte er das Thema „Quantitative Untersuchungen zur Grobkornbildung bei Stahl nach Langzeitglühungen“, wobei er unter anderem eine Vielzahl von Orientierungsbestimmungen an Einzelkristalliten mit dem Laueverfahren auszuführen hatte, was mit den damals üblichen graphischen Methoden wenig Spaß gemacht haben dürfte. Aus diesen Arbeiten stammt auch seine erste Publikation.[4] Ab 15. Januar 1951, seine Verschnaufpause nach dem Diplom dauerte somit nur reichlich drei Wochen, startete er als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Metallkunde. Ein interessantes Detail, das im Archiv der Bergakademie nachzulesen ist, beleuchtet ein wenig die Zeit und seine Persönlichkeit. In der für die Einstellung an der Bergakademie üblichen Beurteilung durch den Studentenrat vom 11. Januar 1951, also zu einer Zeit, in der der „Aufbau des Sozialismus’“ schon mit aller Strenge gehandhabt wurde, heißt es über den angehenden Assistenten Schumann: Er sei –– „fleißig, strebsam und wissenschaftlich sehr qualifiziert... –– Er war oft Vertreter formal-juristischer Auffassungen…–– Wir nehmen an, dass er hinter dem Programm der Regierung der DDR steht.“ Zu Deutsch bedeutete das dreierlei: –– er war überdurchschnittlich intelligent und zielstrebig, –– er war sicher unerwünscht kritisch, aber –– man traute sich auf Grund seiner überdurchschnittlichen Leistungen nicht, ihn zu maßregeln.[2] Sein ihm zugedachtes Promotionsthema sollte sich mit der Wasserstoffdiffusion in Stahl, insbesondere mit dem Einfluss der Korngröße und einer plastischen Verformung beschäftigen. Nach etwa 16 Monaten hatte er die notwendigen Experimente „im Kasten“ und reichte seine Arbeit am 6. Mai 1952 bei der Fakultät für Naturwissenschaften ein. Während die Freiberger Technologen mit seinen Grundvorstellungen zum Thema Schwierigkeiten hatten, beurteilten sein Doktorvater Prof. Erdmann-Jesnitzer und vor allem der hinlänglich bekannte Hallenser Physiko-Chemiker und späteres Ehrenmitglied der DGM Prof. Franz Sauerwald die Arbeit sehr positiv. Die Promotionsurkunde zum Doktor rer. nat. wurde am 27. September 1952 ausgeschrieben.[2]
Familie
Am 12. Juni 1953 heiratet Hermann Schumann seine erste Liebe Ruth Bernhardt (* 12. Juni 1925 in Freiberg; † 20. Oktober 2018 in Rostock) aus Freiberg. Ruth Bernhardt war von 1944 bis 1953 an der Bergakademie in den Instituten Angewandte Geophysik (Direktor Prof. Otto Meißer), Mathematik und Technische Mechanik (Direktor: Prof. Gerhard Christian Grüß) und Metallkunde (Direktor Prof. Erdmann Jesnitzer) als Fotolaborantin, Sekretärin und Dokumentaristin tätig. Das Ehepaar hat zwei Söhne: Lutz Schumann (* 1954 in Dresden) und Dietrich Schumann (* 1956 in Hennigsdorf). Beide studierten und promovierten im Fach Physik an der Universität Rostock.[5] Hermann Schumann starb mit 64 Jahren viel zu früh, u. a. an den Folgen einer obstruktiven Kardiomyopathie, am 7. Februar 1989 in Rostock.
Metallographie – sein Lebenswerk
Idee und Beginn in Freiberg
Parallel zu seiner Dissertation widmete sich Hermann Schumann mit Intensität der Schaffung von neuen Lehrunterlagen für die Metallografie bzw. Metallkunde einschließlich der für eine Gefügeinterpretation unverzichtbaren Zustandsdiagramme. Nutzen konnte er dabei das von Schwarz’sche Probenarchiv, das er erheblich erweiterte. Mit Rückendeckung durch den damaligen Institutsdirektor Prof. Erdmann-Jesnitzer „schüttete“ Hermann Schumann die Metallografie mit „seinen“ Proben regelrecht zu und erstellte so zahlreiche systematische Gefügereihen von Stählen und Buntmetalllegierungen, die in gedruckter Form noch lange Zeit, d. h. bis in die siebziger Jahre hinein der Ausbildung zur Verfügung standen. Ein Schwerpunkt der Institutsarbeit in jenen Jahren bildete die Ausbildung junger Metallografinnen. Diese Aufgabe musste der junge Assistent Hermann Schumann übernehmen, und er löste sie mit didaktischem Geschick und großem persönlichen Einsatz. Er war ein gestrenger Chef, es wagte sich z. B. keine der jungen Damen, morgens erst nach ihm das Institut zu betreten. Diese angehenden Metallografinnen unterstützen mit ihren umfangreichen praktischen Übungen seine Bemühungen um die Erstellung von metallografischen Lehrunterlagen. Mit Sicherheit wusste Hermann Schumann von Anbeginn an, dass man aus den Ergebnissen der metallografischen Arbeiten mehr als „nur“ Vorlesungs- und Praktikumsdrucke machen konnte, nämlich ein Buch. Vielen unbekannt ist, dass er bereits 1951 ein Büchlein „Merkblätter zur Metallographie“ im Fachbuchverlag Leipzig publizierte, in dem er auf 64 Seiten einen praktisch orientierten Abriss der Metallografie gab.[2] Eine 2. Auflage erschien 1953.
Nächste Auflagen, erarbeitet am Eisenforschungsinstitut Hennigsdorf
Schumann hatte zum 1. August 1953 trotz relativ positiver Gehaltsentwicklungen in Freiberg gekündigt, um an das Henningsdorfer Eisenforschungsinstitut als wissenschaftlicher Abteilungsleiter unter der Direktion des vormaligen Freiberger Professors für Eisenhüttenkunde Eduard Maurer gehen zu können. Die umfangreiche Freiberger Sammlung metallografischer Aufnahmen bildete zusammen mit Ergänzungen aus dem Henningsdorfer Eisenforschungsinstitut die Grundlage für die erste Auflage des eigentlichen Fachbuches Metallographie, die immerhin schon 698 Bilder enthielt und 370 Seiten umfasste. Der ihm vertraute Fachbuchverlag, der 1955 diese Erstauflage in für die damalige Zeit recht ansprechender Form herausgebracht hatte, bot dieses Buch für deutlich weniger als 30,- Mark an, ein Umstand, der für die weite Verbreitung des Buches durchaus förderlich war. Was Hermann Schumann mit seiner Metallographie beabsichtigte, welches Prinzip er bei der Darstellung des Stoffes realisieren wollte, wird verständlich, wenn man aus seinem Vorwort zitiert. Dort heißt es: „Infolge der Heterogenität der Vorbildung und des Berufszieles der an Metallographie Interessierten ist es naturgemäß sehr schwierig, in einem Buch allen gestellten Anforderungen gerecht zu werden, zumal der Umfang eines derartigen Werkes aus preislichen Gründen beschränkt ist, andererseits das zu behandelnde Wissensgebiet in den letzten Jahrzehnten ungeheuer in die Tiefe und in die Breite gewachsen ist. Dazu kommt, dass erfahrungsgemäß der sytematischen Metallographie infolge ihres etwas abstrakten Charakters der Ruf eines trockenen Wissensgebietes anhaftet. Das vorliegende Werk ist deshalb bewusst nicht als Lehrbuch geschrieben: denn Metallographie kann m. E., ebenso wie z. B. die analytische Chemie, nicht durch Selbststudium oder durch Anhören von Vorträgen oder Vorlesungen erlernt werden, sondern unumgänglich notwendig dabei ist die Benutzung des Metallmikroskopes, d. h. mit anderen Worten, das Sehen möglichst vieler Schliffbilder. Der Zweck dieser Schrift wird aus diesem Grunde darin gesehen, den Leser mit einigen wichtigen metallographischen Spezialarbeitsverfahren bekannt zu machen, um daran anknüpfend in möglichst anschaulicher Form die Zustandsdiagramme der Legierungen und ihre gefügemäßige Interpretation darzustellen.“ Bereits 1958, also noch zu seiner von 1953 bis 1960 währenden Henningsdorfer Zeit, erscheint die zweite, deutlich erweiterte Auflage, mit 586 Seiten und 963 Bildern. Waren in der ersten Auflage noch klassische Materialprüfverfahren wie der Zugversuch und die Makrohärte neben die eigentlichen metallografischen Verfahren gestellt worden, bereinigte er das in der zweiten Auflage und fügte die Gefügebildung als Resultat ausgewählter technologischer Ver- und Bearbeitungsstufen ein. Das Henningsdorfer Eisenforschungsinstitut und das Stahl- und Walzwerk des Ortes stellten für diese Erweiterungen eine gute Grundlage dar. Mit der 1960 folgenden dritten Auflage, die nun auf 600 Seiten und 1012 Bilder angewachsen war, erreicht die Metallographie eine Form, die bis zur 12. Auflage 1987, sieht man von kleineren Korrekturen und Ergänzungen ab, unverändert blieb. So entwickelte sich die Metallographie über mehr als 3 Jahrzehnte zu dem Standardwerk der angewandten Metallographie in deutscher Sprache. Aber auch Übersetzungen ins Rumänische[6], Kroatische[7] und Koreanische[8] sind Ausdruck der fachlichen Wertschätzung.[2]
Mit neuen Möglichkeiten an der Universität Rostock
Mit Wirkung vom 1. September 1960 wurde Hermann Schumann zum Professor mit Lehrauftrag für Werkstoffkunde und Schweißtechnik an der Schiffbautechnischen Fakultät der Universität Rostock ernannt und mit Wirkung vom 28. Oktober 1960 außerdem zum Direktor des Institutes gleichen Namens.[9] Er trat damit die Nachfolge von Prof. Friedrich-Carl Althof an, der 1959 die DDR „illegal“ nach Aachen verlassen hatte.[10] Um möglichen Fluchtabsichten nach Westdeutschland entgegen zu wirken und als Zeichen des Erfolges und der Wertschätzung der Arbeiten von Hermann Schumann wurde mit Wirkung vom 1. Januar 1961 zwischen ihm und dem Staatssekretariat für das Hoch- und Fachschulwesen der Regierung der DDR ein sogenannter Einzelvertrag geschlossen. Damit verbunden waren u. a. überdurchschnittliche Zuwendungen in Bezug auf das Gehalt, Arbeits- und Forschungsmittel, Personal usw. Aber auch die Unterstützung für angemessenen Wohnraum und die Ausbildungsmöglichkeiten der Kinder wurde so zugesichert – und eingehalten. Im Februar 1962 erwarb Hermann Schumann an der Schiffbautechnischen Fakultät der Universität Rostock den akademischen Grad eines habilitierten Doktors durch die Habilitationsschrift Stähle bei tiefen Temperaturen. Am 1. Februar 1964 wurde er zum Professor mit vollem Lehrauftrag, 2 Jahre später zum Professor mit Lehrstuhl ernannt und am 6. November 1968 erfolgte seine Berufung zum ordentlichen Professor für Werkstoffkunde. Seine Lehrtätigkeit umfasste Vorlesungen über Werkstoffprüfung, Allgemeine Metallkunde und Spezielle Metallkunde. Als Institutsdirektor und Universitätsprofessor boten sich außerordentlich gute Möglichkeiten, durch systematische Themenvergabe an Diplomanden und Promovenden gezielte wissenschaftliche Grundlagenforschungen über fast 3 Jahrzehnte zu betreiben. Zu nennen sind hier die Hauptgebiete Wasserstoff in Stahl, Stähle bei tiefen Temperaturen, Stahlfehler in großen Schmiedestücken, Aufstellung und Anwendung von ZTU- und Schweiß-ZTU-Diagrammen, ɛ-Martensit in Stählen, Martensitbildung, Kristallgeometrie von Umwandlungen, Werkstoffentwicklung für große Schiffspropeller aus rostbeständigem Stahl bzw. Bronze. Eine Übersicht der aus diesen Arbeiten resultierenden Publikationen findet sich unten. Die fachliche Tätigkeit im Institut Hermann Schumanns umfasste darüber hinaus etwa 1000 Laboruntersuchungen über Schadensfälle in der Industrie, die mit einem Bericht abschlossen. Nach dem Ableben Hermann Schumanns wurde sein Oberassistent Gunter Benkißer zum Nachfolger auf die Professur für Werkstofftechnik berufen.[11]
Fortführung der Metallographie mit neuen Herausgebern
Zu Lebzeiten hatte Hermann Schumann 12 Auflagen als Autor und Herausgeber der Metallographie verfasst und so maßgeblich den Markterfolg als Standardwerk des Fachgebietes begründet. Eine 13. Auflage erschien posthum 1991 als Nachdruck in 4000 Exemplaren im Deutschen Verlag für Grundstoffindustrie Stuttgart. Es ist ein überaus erfreulicher Umstand, dass mit dem Wiley-VCH ein neuer Verlag vom wirtschaftlichen Erfolg dieses Werkes überzeugt war und mit dem neuen Mitherausgeber, Prof. Oettel aus Freiberg, ein fachlich herausragender Kollege für die stark erweiterte und überarbeitete 14. Auflage gefunden wurde.[12] Oettel und Schumann waren auch die Herausgeber der überarbeiteten und um die Einführung der Keramografie und Gefügetomografie erweiterte 15. Auflage.[13] Für die aktuelle 16. Auflage wurde mit Gaby Ketzer-Raichle von der TH Aalen eine aktive Praktikerin als Mitherausgeberin gewonnen und der Inhalt vollständig überarbeitet und ergänzt.[14] Eine Übersetzung ins Englische ist in Vorbereitung.[15]
Forschungen zur martensitischen Phasenumwandlung
Gemeint ist die γ ->ɛ -Umwandlung, also die diffusionslose Phasenumwandlung aus dem kubisch flächenzentrierten Austenit γ in einen hexagonalen Martensit ɛ. Für das grundsätzliche Verständnis der martensitischen Umwandlung liefert sie den kristallographisch einfachsten Fall. Lediglich die Stapelfolge ändert sich, und Stapelfehler spielen eine entscheidende Rolle. Hermann Schumann hat auf diesem Gebiet Entscheidendes zur materialwissenschaftlichen Forschung beigetragen (Co- und Fe-Mn-Legierungen). In vielen seiner Arbeiten versuchte er darauf aufzubauen, um z. B. neue hochfeste Mn-Stähle zu entwickeln. Gegen Ende seines Lebens fanden seine Arbeiten nochmals Aufmerksamkeit, als insbesondere fernöstliche Forscherscharen dabei waren, γ-FeMnSi-Gedächtnisstähle zu entwickeln. So hat er unbeirrt, gründlich, zielstrebig und ideenreich auf diesem Gebiete ein wissenschaftliches Lebenswerk geschaffen, das erst jetzt die Bekanntheit erlangt, die es verdient.[17] In der letzten Dekade seines Forscherlebens widmete sich Hermann Schumann der mathematischen, speziell kristallgeometrischen Formulierung der Gittertransformationen metallischer Werkstoffe. Als rechentechnisches Arbeitsmittel diente einer der ersten, mit privatem Westgeld, gekaufter japanischer Taschenrechner, der die notwendigen trigonometrischen Funktionen der Vektor- und Tensoralgebra mit hinreichender Genauigkeit kalkulierte. Die systematische Darstellung dieser schweißtreibenden Mühen wurde in Buchform publiziert.[18]
Veröffentlichungen – Übersicht
Die Ergebnisse des wissenschaftlichen Wirkens Hermann Schumanns wurden in ca. 180 Publikationen veröffentlicht, u. a. in Kristall und Technik (Akademieverlag Berlin), Praktische Metallographie (Max Planck Institut für Metallforschung, Stuttgart) und im Archiv Eisenhüttenwesen (Max Planck Institut für Eisenforschung, Düsseldorf). Er hielt etwa 70 Vorträge.
- Wasserstoff im Stahl. Dissertation, Bergakademie Freiberg 1952, DNB 480282013.
- Metallographie. Fachbuchverlag, Leipzig 1955, DNB 454524560.
- Heinrich Oettel, Gaby Ketzer (Hrsg.): Schumann Metallographie. 16. Auflage, Wiley-VCH, Weinheim 2025, ISBN 978-3-527-35106-0.
- Stähle bei tiefen Temperaturen. Habilitationsschrift. Akademie-Verlag, Berlin 1961, DNB 454524617.
- Stähle bei tiefen Temperaturen. Reprint. De Gruyter, Berlin/Boston 2022, ISBN 978-3-11-255046-5.
- Kristallgeometrie. Einführung in die Theorie der Gittertransformationen metallischer Werkstoffe. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie, Leipzig 1980, DNB 800596323. Erschien 1985 auf Ungarisch.
Ehrungen
- 1950: Klemens-Winkler-Medaille der Bergakademie Freiberg/Sachsen
- 1985: Franz-Carl-Achard-Medaille für Technik der Akademie der Wissenschaften der DDR
- 1986: Ehrennadel der Universität Rostock
- In Hennigsdorf, seiner mehrjährigen Wirkungsstätte, wurde posthum eine Straße nach ihm benannt. Dies in unmittelbarer Nachbarschaft der Straßen, die mit den Namen seines damaligen Chefs Prof. Eduard Maurer und seines Institutskollegen Prof. Wolfgang Küntscher versehen wurden.[19]
Weblinks
- Eintrag Hermann Schumann[5]
- Eintrag zu Hermann Schumann im Catalogus Professorum Rostochiensium
- Literatur von Hermann Schumann im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Literatur über Hermann Schumann in der Landesbibliographie MV
Einzelnachweise
- ↑ Lutz Schumann, persönliche Erinnerungen des Sohnes.
- ↑ a b c d e f Heinrich Oettel: Geschliffen, poliert und scharf betrachtet – der „Schumann“ über sechs Jahrzehnte. In: Praktische Metallographie. 9. Auflage. Band 50. Carl Hanser Verlag, München 2013, S. 1–19 (deutsch, englisch).
- ↑ Urkunde der Bergakademie Freiberg in der Fachrichtung 'Metallogie' vom 11. Dezember 1950 mit der Graduierung zum 'Diplom-Metallogen'.
- ↑ Friedrich Erdmann-Jesnitzer, Hermann Schumann: Grobkornbildung C-armer Stähle bei Langzeitglühung. Bergakademie, Freiberg 1951.
- ↑ a b World Who’s Who in Science. Marquis-Who’s Who Inc., Chicago, Il. 18, S. 1505 (englisch, archive.org).
- ↑ Hermann Schumann: Metalurgic Fisica. 3. Auflage. Editura Teshica, Bukarest 1962 (rumänisch).
- ↑ Hermann Schumann: Metalografija. 9. Auflage. Tehnolosko-Metalurski Fakultet, Beograd 1981 (kroatisch).
- ↑ Hermann Schumann: TITEL. 14. Auflage. Nodemedia Cheon, 2009 (koreanisch).
- ↑ Eintrag von „Hermann Schumann“. In: Catalogus Professorum Rostochiensium. Universität Rostock, 17. November 2022. (online)
- ↑ Eintrag von „Friedrich-Carl Althof“. In: Catalogus Professorum Rostochiensium. Universität Rostock, 17. November 2022. (online)
- ↑ Eintrag von „Gunter Benkißer“. In: Catalogus Professorum Rostochiensium. Universität Rostock, 17. November 2022. (online)
- ↑ Hermann Schumann, Heinrich Oettel (Hrsg.): Metallographie. 14. Auflage. WILEY-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim 2005, ISBN 3-527-30679-X.
- ↑ Heinrich Oettel, Hermann Schumann (Hrsg.): Metallographie. 15. Auflage. WILEY-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim 2011, ISBN 978-3-527-32257-2.
- ↑ Heinrich Oettel, Gaby Ketzer-Raichle (Hrsg.): Schumann Metallographie: Gefüge von Metallen, Keramiken und Verbunden. 16. Auflage. WILEY-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim 2025, ISBN 978-3-527-35106-0.
- ↑ Information der Herausgeber
- ↑ Rostock, Neuer Friedhof, 54°4'8.2722 N, 12°5'40.6968 E
- ↑ Michael Pohl, Erhard Hornbogen: Laudatio Prof. H. Schumann. In: Praktische Metallographie. Band 26. Max Planck Institut für Metallforschung, Stuttgart 1989, S. 441.
- ↑ Hermann Schumann: Kristallgeometrie - Einführung in die Theorie der Gittertransformationen metallischer Werkstoffe. 1. Auflage. VEB Verlag für Grundstoffindustrie, Leipzig 1980.
- ↑ 16761 Hennigsdorf, Latitude 52.647969, Longitude 13.208261