Hermann Historica

Die Hermann Historica GmbH ist eines der weltweit führenden Auktionshäuser für Militaria und Jagdobjekte.[1] Gegründet wurde die in München ansässige Firma in den 1950er Jahren von Reichsgraf Erich Klenau von Klenova mit dem Schwerpunkt Münzen und Medaillen, was später durch Orden und Ehrenzeichen ergänzt wurde (Graf Klenau oHG). 1982 übernahmen Wolfgang Hermann und Ernst-Ludwig Wagner das Unternehmen. Aktuell ist Daniel Abele der Geschäftsführer.

Besonders bekannt wurden die Versteigerungen der Sammlungen von Axel Guttmann[2] und Karsten Klingbeil.[3] Einige Auktionen erzeugen internationales Echo, so z. B. die Auktion mit Alltagsgegenständen Adolf Hitlers.[4] Neben der Hauptausrichtung auf Militaria werden auch andere historische Objekte versteigert.[5][6]

Kritik am Handel mit Gegenständen aus der NS-Zeit

Das Auktionshaus wurde wiederholt wegen der Versteigerung von Gegenständen aus der Zeit des Nationalsozialismus kritisiert.[7][8][9][10] Die Kritik zielt zum einen auf den moralischen Aspekt,[11.1] zum anderen auf den Sammlermarkt, der zu einer Normalisierung nationalsozialistischer Objekte und Gedanken beitrage oder den Nationalsozialismus glorifiziere.[12] Bei einer Auktion im Jahr 2019 wurden beispielsweise ein Cocktailkleid von Eva Braun (4.600 €) und eine Luxus-Ausgabe von Mein Kampf (130.000 €) versteigert. Kritisiert wurde in diesem Zusammenhang zudem die Versteigerung von NS-Objekten unter „unverdächtig klingenden Titel[n]“.[7.1] Es wird zudem angezweifelt, ob die versteigerten Objekte akademischen Wert haben und für Museen relevant seien.[11.2] Der Antisemitismus-Beauftrage der Bundesregierung, Felix Klein, forderte: „Der Verfassungsschutz sollte solche Auktionen beobachten.“[8] Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern kritisierte eine Auktion im Jahr 2020 als falsches Signal in einer Zeit erstarkenden Rechtsextremismus:

„Als ich von der Auktion erfahren habe, wollte ich zuerst meinen Augen nicht trauen. Es ist unglaublich, dass Hermann Historica noch immer nichts aus den Vorfällen – und der Kritik – der vergangenen Jahre gelernt hat und weiterhin persönliche Gegenstände führender Nationalsozialisten versteigert. Ich bin erschüttert über so viel Verantwortungslosigkeit. Die Versteigerung sollte in dieser Form auf keinen Fall stattfinden.“[9]

Mitunter wurden auch Objekte zweifelhafter Herkunft versteigert, die möglicherweise aus widerrechtlicher Aneignung stammten, wie etwa einige Objekte aus dem Nachlass von Robert Kempner,[7.2] dem Stellvertreter des amerikanischen Chefanklägers Robert H. Jackson bei den Nürnberger Prozessen, der unter anderem die Tagebücher des Kriegsverbrechers und NS-Ideologen Alfred Rosenbergs widerrechtlich in seinen Besitz gebracht hatte.[13]

Das Bayerische Justizministerium prüfte die Rechtmäßigkeit solcher Auktionen, stellte aber fest, dass es keine rechtliche Möglichkeit gibt, diese zu untersagen.[7.3] Der Handel mit Gegenständen, die NS-Symbole enthalten, ist nach § 86 des Strafgesetzbuches eingeschränkt. Verfassungsfeindliche Symbole müssen in jedem Fall abgedeckt werden. Die Verbreitung solcher Gegenstände ist jedoch erlaubt, wenn es „der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnlichen Zwecken dient.“[14] In der Praxis ist das jedoch kaum zu kontrollieren. Der Geschäftsführer des Auktionshauses rechtfertigt den Verkauf der Objekte damit, der Wissenschaft und der zeitgeschichtlichen Aufarbeitung zu dienen und betont die ablehnende Haltung des Hauses gegenüber allen neonazistischen und nationalsozialistischen Strömungen.[7]

Commons: Hermann Historica – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Süddeutsche Zeitung: Unter Waffen Hermann Historica (Memento vom 30. Mai 2013 im Internet Archive) (30. Mai 2012)
  2. Michael-Georg Müller: Kanonen, Kunst und Keuschheitsguertel. In: Die Welt vom 28. April 2002 [1]
  3. Handelsblatt: Was alte Rüstungen und Krabben gemeinsam haben. (9. Januar 2012) [2]
  4. The Australian: Adolf Hitler auction causes uproar (5. Oktober 2011) [3]
  5. Frankfurter Allgemeine Zeitung: Weltrekord für Fang-Figur: Lady aus Gabun. (15. Mai 2007) [4]
  6. Olga Kronsteiner: Kaiserliche Traummaße. In: Der Standard vom 21. Dezember 2012 [5]
  7. a b Helmut Reister: Umstrittene Auktion. In: Jüdische Allgemeine. 29. Oktober 2020 (juedische-allgemeine.de).
    1. „Allein ein von Hitler signiertes und mit Datum versehenes Exemplar von Mein Kampf war einem unbekannten Sammler mehr als 4000 Euro wert. Im Online-Katalog des Auktionshauses waren diese und zwei Dutzend ähnliche Angebote unter dem unverdächtig klingenden Titel »A83r – Präsenzauktion – Deutsche Zeigeschichte (sic!)– Orden und Militaria ab 1919« angeboten worden.“
    2. „Genauso zweifelhaft sind die tatsächlichen Eigentumsverhältnisse bei Versteigerungsobjekten aus dem Besitz von Robert Kempner, der 1993 starb. Bei ihm waren unter fragwürdigen Umständen viele Originaldokumente aus dem Prozess gegen die Nazis gelandet, wie sich erst vor wenigen Jahren in einem Nachlassverfahren herausstellte. Unter anderem hatte er wohl das Tagebuch von Hitlers Chefideologen Alfred Rosenberg, ebenfalls Teil der sichergestellten Asservate, in seinen Besitz gebracht. Reiner Zufall dürfte es kaum gewesen sein. Rosenberg war am Kunstraub im großen Stil beteiligt. Er war es auch, der das Sankt Petersburger »Bernsteinzimmer« abtransportieren ließ.“
    3. „Die rechtliche Grundlage der NS-belasteten Auktionen hat das Bayerische Justizministerium im Zuge der weltweiten Kritik bereits einer Prüfung unterzogen. Die Möglichkeit, die Auktion zu verbieten, gebe es nicht, lautete das Ergebnis der juristischen Analyse. Es sei zwar strafbar, hieß es in einer Erklärung, in Deutschland Kennzeichen einer ehemaligen nationalsozialistischen Organisation zu verbreiten oder öffentlich zu verwenden. Bei NS-Devotionalien sei dies jedoch anders. Der bloße Besitz oder Ankauf sei grundsätzlich nicht strafbar.“
  8. a b dpa: Kritik an Hermann Historica. Auktion von Nazi-Gegenständen weckt unerwartetes Interesse. 21. November 2019 (t-online.de).
  9. a b Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern: Neuerliche Versteigerung von NS-Devotionalien bei „Hermann Historica“ – Knobloch: „Erschüttert über so viel Verantwortungslosigkeit“. In: www.ikg-m.de. 22. Oktober 2020, abgerufen am 14. Oktober 2025.
  10. Nazi memorabilia auction criticised by Jewish leader. 20. November 2019 (bbc.com [abgerufen am 14. Oktober 2025]): „The chairman of the EGA, Rabbi Menachem Margolin wrote an open letter to German political leaders expressing his concerns. Mr Margolin argued the auction is an "opportunity for people to glorify, show adulation and sentimentality for the Nazis". He added: "I understand that it is not illegal to buy and sell Nazi memorabilia... this is not a legal request but a moral one. It is wrong".“
  11. Kate Brady, Verena Greb: Nazi memorabilia sold at controversial auction. In: https://www.dw.com. 20. November 2019, abgerufen am 14. Oktober 2025 (englisch).
    1. „"This will always carry a different weight in Germany," Küntzel told DW, adding that that the sale of such items was "immoral."“
    2. „While Nazi memorabilia is sold around the world, political scientist Matthias Küntzel said that the way in which National Socialism is addressed in Germany will never be comparable to other countries. "This will always carry a different weight in Germany," Küntzel told DW, adding that that the sale of such items was "immoral." "These items have absolutely no academic value. This is purely about political views," he said, adding that items of clothing should be destroyed, while books should be stored in a specialist library. Similarly, Philipp Lenhard from the Department of Jewish History and Culture at the Ludwig-Maximiliam University in Munich said the purchase of personal items such as those auctioned on Wednesday points towards fetishism for Nazi artefacts. "The fact that someone would ever spend money on Hitler's top hat can only be explained by the fact that the buyer is intrigued by this closeness to one of the biggest criminals in human history by means of these items," Lenhard told DW. "You can call this a 'Nazi cult,' without the buyer having to automatically share National Socialist views."“
  12. Joshua Bote: Hitler's tophat and Nazi memorabilia are up for auction. Critics say it 'glorifies' Nazis. In: USA Today. Abgerufen am 14. Oktober 2025 (amerikanisches Englisch): „„The European Jewish Association condemned the auction, saying the memorabilia would be purchased by people looking to "glorify" Nazism. "We believe the sale of such memorabilia has little intrinsic historical value but instead will be bought by those who glorify and seek to justify the actions of the greatest evil to affect Europe," said Rabbi Menachem Margolin, the Association's chairman, in a letter to the house.““
  13. Jürgen Matthäus, Frank Bajohr (Hrsg.): Alfred Rosenberg – Die Tagebücher 1934–1944. Frankfurt am Main 2018, ISBN 978-3-596-03281-5, S. 36.
  14. § 86 StGB - Einzelnorm. Abgerufen am 14. Oktober 2025.