Hermann Gotthardt (Jurist)
Hermann Gotthardt (* 18. Dezember 1901 in Limburg an der Lahn; † 9. Dezember 1949 in Münster) war ein deutscher Staatsbeamter, der die Arisierung jüdischen Eigentums mitorganisierte.
Leben und Wirken
Gotthardt wurde als Sohn des Kaufmanns und späteren Magistratsschöffen Peter Louis Gotthardt und der Mathilde Anna Gotthardt geb. Merk in Limburg a. d. Lahn geboren. Er hatte einen Zwillingsbruder, Ludwig Joseph. Nach dem Schulbesuch studierte Hermann Gotthardt Rechtswissenschaften. Sein Studium schloss er mit der Promotion zum Dr. jur. ab. Anschließend trat er mit Assessor-Dienstalter vom 27. Oktober 1928 in den Staatsdienst ein. Vor 1933 gehörte Gotthardt der Zentrumspartei an. Seit 1921 war er Mitglied der katholischen Studentenverbindung KDStV Hercynia Freiburg im Breisgau im CV.[1]
1930 wurde er ans Oberpräsidium der Rheinprovinz nach Koblenz versetzt. Dort war er neben Edwin Flach (1886–1939) für die Bearbeitung der politischen Angelegenheiten zuständig, insbesondere für die Pressepolizei und damit für den Schutz der Republik. Er galt „als über dem Durchschnitt befähigter Verwaltungsbeamter“.[2] Laut seinem ehemaligen Kollegen am Oberpräsidium, Dr. Fritz Hock (1891–1974), war Gotthardt eine der treibenden Kräfte in der Behörde, die die übrigen Beamten für die Sache des Nationalsozialismus zu gewinnen suchten.[3] Seine steile Karriere nach 1933 spiegelt dies wider: Zum 22. Januar 1934 wurde Gotthardt als „besonders geeignet“ vom Oberpräsidium in Koblenz an das Geheime Staatspolizeiamt (Gestapa) in Berlin überwiesen, wo er die Leitung des Dezernats II D (Pressepolizei und Greuelpropaganda) übernahm. Nach der Übernahme der Gestapo durch die SS im April 1934 wurde Gotthardt – anders als viele andere Beamten aus der Anfangszeit der Behörde – übernommen. Nach dem Umbau des Gestapas durch den neuen Amtschef Reinhard Heydrich ist Gotthardt durch den Geschäftsverteilungsplan vom Oktober 1934 als Leiter der Unterabteilung 2 II (Presseabteilung) nachgewiesen. Nach Empfehlungen durch Rudolf Diels im März und von Heydrich im Mai 1934 wurde Gotthardt – entgegen Bedenken des Preußischen Innenministeriums – zum 1. Oktober 1934 zum Regierungsrat befördert.
Auf Empfehlung von Hermann Göring und Heydrich holte Reichswirtschaftsminister Walther Funk Gotthardt 1938 in das Reichswirtschaftsministerium, wo er als Oberregierungsrat in der Abteilung IIIJd (Judenreferat) tätig wurde. Johannes Ludwig stellte hierzu fest: „Zwar ist er formal gesehen nicht der Chef der Abteilung IIIJd, wohl aber deren eigentlicher Kopf. Und auf den kommt es an“.[4] In seiner Funktion beaufsichtigte Funk reichsweit die Arisierung jüdischen Eigentums, insbesondere jüdischer Betriebe, in enger Zusammenarbeit mit der SS und den großen Banken. Zudem war er Vertreter des Wirtschaftsministers im Ausschuss der Reichszentrale für jüdische Auswanderung.
Im November 1940 wurde Gotthardt zum Ministerialrat befördert.1942 wechselte er nach Belgrad zum Generalbevollmächtigten für die Wirtschaft in Serbien. Bis Ende November 1944 übte er seine Tätigkeit bei der Militärverwaltung Südost zur vollen Zufriedenheit seiner Vorgesetzten aus.[5]
Nach dem Krieg vermochte Gotthardt seine Tätigkeit vor den Entnazifizierungsstellen weitestgehend zu verschleiern. Gegen seine Einstufung als Mitläufer ging er erfolgreich vor und konnte das Entnazifizierungsverfahren schließlich als Entlasteter verlassen.[6]
Schriften
- Das Recht der parlamentarischen Ausgabeninitiative im Reich, in den Ländern und preussischen Kommunalverbänden, 1929. (Dissertation)
Literatur
- Christoph Graf: Politische Polizei zwischen Demokratie und Diktatur. Berlin 1983.
- Christian Konopka: Das rheinische Oberpräsidium und der Schutz der Republik 1922 bis 1932. Mainz 2023 (online), S. 94–102.
- Johannes Ludwig: Boykott, Enteignung, Mord. 1989.
Einzelnachweise
- ↑ Cartellverband der Katholischen Deutschen Studentenverbindungen: Die Ehrenmitglieder, Alten Herren und Studierenden des CV, des Cartell-Verbandes der Katholischen Deutschen Studentenverbindungen. Wien 1931, S. 266.
- ↑ Christian Konopka: Das rheinische Oberpräsidium und der Schutz der Republik 1922 bis 1932. Mainz 2023, S. 95.
- ↑ Konopka, Oberpräsidium, S. 88.
- ↑ Johannes Ludwig: Boykott, Enteignung, Mord, 1989. S. 197.
- ↑ Konopka, Oberpräsidium, S. 100f.
- ↑ Konopka, Oberpräsidium, S. 101.