Herle-Christin Jessen

Herle-Christin Jessen ist eine deutsche Romanistin und Professorin für Romanische Literaturwissenschaft und Fachdidaktik an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU).[1]

Leben

Herle-Christin Jessen war wissenschaftliche Mitarbeiterin am Romanischen Seminar der Universität Heidelberg. Dort promovierte sie mit einer Arbeit zur Selbstreferentialität – insbesondere der mise en abyme – im französischen und frankokanadischen Theater der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Als Stipendiatin des Olympia-Morata-Habilitations-Programms war sie Gastwissenschaftlerin am Forschungskolleg »La otra edad de plata« an der Universidad Complutense de Madrid sowie für längere Forschungs- und Studienaufenthalte in Paris, Lille, Berlin und Montréal.[2] Im Jahr 2022 habilitierte sie sich an der Universität Heidelberg in Romanischer Literatur- und Kulturwissenschaft sowie in Allgemeiner und Vergleichender Literaturwissenschaft.[3] Seit April 2023 ist sie Professorin für Romanische Philologie und Didaktik an der LMU München.[1]

Forschung

Jessen beschäftigt sich mit Literaturwissenschaft, ästhetischer Theorie und Fremdsprachendidaktik. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt auf der Frage, was literarisches Lernen im Fremdsprachenunterricht leisten kann und wie literarische Texte – insbesondere zeitgenössische Formen wie Graphic Novels, Science-Fiction, Gegenwartslyrik oder hybride Erzählformate – den Aufbau ästhetischer, kultureller und sprachlicher Kompetenzen ermöglichen. Darüber hinaus befasst sie sich mit Emotionen und Affekten in literarischen Texten und untersucht, wie Erfahrungen von Trauer, Leid oder Empathie ästhetisch gestaltet werden. Weitere Forschungsfelder umfassen politische Literatur, insbesondere die Darstellung und Verarbeitung von Diktaturen in frankophonen und hispanophonen Kulturräumen, sowie transkulturelle Schreibprozesse in frankokanadischen Literaturen. Neben zahlreichen Aufsätzen veröffentlichte Jessen die Monographie Durch den Spiegel. Die mise en abyme in Dramen von Genet, Chaurette und Reza und wirkte an Sammelbänden zur romanischen und transamerikanischen Literatur mit.[2]

Mitgliedschaften

Jessen ist Mitglied im Leitungsteam des DFG-Graduiertenkollegs „Family Matters. Figuren der Ent-Bindung“ und gehört der Graduiertenschule Sprache & Literatur München an, sowohl in der Klasse für Literatur als auch in der Klasse für Didaktik.[4]

Ausgewählte Schriften

  • Dialogues transculturels dans les Amériques. Nouvelles littératures romanes à Montréal et à New York. Diálogos transculturales en las Américas. Nuevas literaturas románicas en Montreal y en Nueva York, Tübingen: Narr 2013 (hg. mit Anne Brüske).
  • Durch den Spiegel : die mise en abyme in Dramen von Genet, Chaurette und Reza. Zugl.: Heidelberg, Univ., Diss., 2012 (= Forum Modernes Theater. Band 45). Narr, Tübingen 2014, ISBN 978-3-8233-6891-5 (d-nb.info).
  • Modernismos pluricéntricos. Configuración transcultural de la modernidad literaria entre Francia, España y América Latina, Berlin: edition tranvía 2017 (hg. mit Stephanie Béreiziat-Lang).
  • Pathos – Affektformationen in Kunst, Literatur und Philosophie. Festschrift zu Ehren von Gerhard Poppenberg, München: Brill/Fink 2020 (hg. mit Giulia Agostini)
  • Latin American Poetry. Intersections, Translations, Encounters, Berlin u. a.: Peter Lang 2023 (hg. mit Ekaterina Friedrichs, David Hock und Hannah Schlimpen)

Einzelnachweise

  1. a b Herle-Christin Jesse. In: Ludwig-Maximilians-Universität München.
  2. a b Jessen, Herle-Christin Vita & Forschungsschwerpunkte. In: Romanistik - LMU München. 2025, abgerufen am 7. Dezember 2025.
  3. Herle-Christin Jessen. In: uni-heidelberg.de. Abgerufen am 15. November 2025.
  4. Herle-Christin Jesse : Funktionen an der LMU. In: Romanistik - LMU München. Abgerufen am 15. November 2025.