Hercules Brabazon Brabazon

Hercules Brabazon Brabazon (* 27. November 1821 in Paris; † 14. Mai 1906 in Oaklands, East Sussex) war ein britischer Aquarellist und Zeichner.

Leben

Hercules Brabazon war der jüngste Sohn von Hercules Sharpe. Hercules Sharpe stammte aus der Grafschaft Durham, seine Frau Ann Brabazon aus der Grafschaft Mayo in Irland. Im Jahr 1832 kehrte die Familie nach England zurück und bezog das neu errichtete Landhaus Oaklands in Sussex. Es war von dem Architekten Decimus Burton für sie gebaut worden. Brabazon begann seine schulische Ausbildung an der Vorbereitungsschule von Dr. Hooker. Ab 1835 besuchte er die Harrow School, wo er nach eigenen Angaben eine unglückliche Zeit verbrachte. 1837 wechselte er an eine Pestalozzi-Schule in Genf. Drei Jahre später nahm er ein Studium der Mathematik am Trinity College der Universität Cambridge auf. Nach dem Studienabschluss widersetzte er sich dem Wunsch seines Vaters, eine juristische Laufbahn einzuschlagen. Stattdessen reiste er mit reduziertem finanziellen Unterhalt nach Rom. Von diesem Zeitpunkt an widmete er sich vornehmlich diesen beiden künstlerischen Disziplinen. Im Jahr 1847 starb sein älterer Bruder, woraufhin er die Familiengüter in Connaught erbte und gemäß testamentarischer Verfügung den Namen Hercules Brabazon Brabazon annahm.

Am 24. Mai 1848 verließ er Rom und kehrte über Spanien und Frankreich nach England zurück. Auf dieser Reise begegnete er erstmals den Werken von Diego Velázquez, der neben J. M. W. Turner zu einer zentralen künstlerischen Bezugsperson für ihn wurde. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 1858 erbte Brabazon das Anwesen Oaklands in Sussex. Die Verwaltung des Besitzes übertrug er seinem Schwager, Major Combe. In der Folgezeit verbrachte er die Sommer überwiegend in England und die Winter an der Riviera oder auf längeren Reisen. Zu seinen wichtigsten Reisen zählten Aufenthalte im Nahen Osten und in Nordafrika sowie mehrere Reisen nach Indien in den Jahren 1870, 1875 und 1876.

Ab den 1860er Jahren entstanden seine atmosphärischen Aquarelle und Pastelle, häufig Darstellungen von Landschaften, Orten und Gemälden, die er auf seinen Reisen gesehen hatte. Zunächst trat er als kunstschaffender Gentleman-Amateur in Erscheinung. Sein Werk fand jedoch früh Anerkennung bei dem Kunstkritiker John Ruskin, der ihn als künstlerisch bedeutend einschätzte. 1867 wurde Brabazon Mitglied des Burlington Fine Art Club, dessen weitere Mitglieder unter anderem Dante Gabriel Rossetti und Ruskin selbst waren. Im Jahr 1880 unternahm er gemeinsam mit Ruskin, Arthur Severn und Arthur Ditchfield eine Studienreise nach Amiens und Nordfrankreich.

In den 1880er- und 1890er-Jahren wurde Brabazon auch von einer jüngeren Künstlergeneration wahrgenommen. So lernte beispielsweise John Singer Sargent ihn im Jahr 1885 kennen und ließ sich durch seine Arbeiten zu einer intensiveren Beschäftigung mit der Aquarellmalerei inspirieren. Auf Sargents Initiative hin trat Brabazon 1891 dem New English Art Club bei und stellte gemeinsam mit anderen Mitgliedern aus. Im Jahr 1892 folgte seine erste Einzelausstellung in der Goupil Gallery, die positiv aufgenommen wurde. In dieser Zeit gewann Brabazon einen Kreis jüngerer Künstler um sich, zu denen auch Francis James zählte, der als sein Schüler gilt. Hercules Brabazon Brabazon lebte bis zu seinem Tod überwiegend zurückgezogen auf seinem Landsitz Oaklands. Er starb dort am 14. Mai 1906.

Werk

Hercules Brabazon Brabazons Werk besteht überwiegend aus Aquarellen, die für ihre außerordentliche technische Präzision und brillante Farbgebung geschätzt werden. Zeitgenössische Künstler wie John Singer Sargent bewunderten seine Malweise. Sargent ahmte sie zeitweise so überzeugend nach, dass Werke beider Künstler im Kunsthandel verwechselt wurden. Stilistisch wird Brabazon häufig als Bindeglied zwischen dem späten Werk William Turners und dem französischen Impressionismus gesehen. Hercules Brabazon bewunderte insbesondere Claude Monet, den er auch persönlich kannte. Einen besonderen Stellenwert in seinem Œuvre nehmen Aquarellkopien nach Werken alter Meister wie Tintoretto, Velázquez, Guardi, Rembrandt, Frans Hals, Watteau, Goya und Delacroix ein. Werke von Hercules Brabazon befinden sich heute in zahlreichen öffentlichen Sammlungen, darunter in Museen in Aberdeen, Cambridge, Dublin, Edinburgh, London, Manchester, New York, Sheffield, Stoke-on-Trent und Walthamstow.

Literatur

  • Bénézit: Dictionnaire des peintres, sculpteurs, dessinateurs et graveurs, Gründ, Paris 1976.
  • Gerald M. Ackerman: Les orientalistes de l’école britannique, ACR, Paris 1991.
  • Jeremy Maas: Victorian painters, Barrie & Jenkins, London 1988.
  • Kenneth McConkey: British Impressionism, Phaidon, London 1989.
  • Lewis Hind, Hercules Brabazon Brabazon 1821–1906: His Art and Life, London: G. Allen & Co. 1912
  • Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 2: Bedeschini – Bülow. Paris, 2006.
  • Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online. Herausgegeben von De Gruyter, Verlag De Gruyter, 2009.
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