Herbord Sigismund Ludwig von Bar

Herbord Sigismund Ludwig von Bar (* 1. November 1765 auf Burg Barenaue; † 20. Dezember 1844 in Osnabrück) war ein deutscher Jurist, Politiker und Beamter. Er diente in verschiedenen Funktionen im Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg, im Königreich Westphalen und im Königreich Hannover.

Leben

Ancien Régime

Ludwig von Bar war Enkel des Erblanddrost und Schriftstellers Georg Ludwig von Bar. Er war Herr der Besitzung Barenaue und ebenfalls Erblanddrost des Fürstentums Osnabrück.

Bar studierte Rechtswissenschaften in Göttingen unter anderem bei Johann Stephan Pütter. Ab 1785 war er im Justizdienst des Königreichs Hannover tätig. Als Rat bei der Justizkanzlei in Osnabrück kam er in engen Kontakt mit Justus Möser. Bar hat später auch einen Teil von Mösers Nachlass erhalten.

Königreich Westphalen

Im Jahr 1807 wurde er für das osnabrückische Landeskollegium Mitglied der Ständedeputation des Königreichs Westphalen. Diese reiste zur Beratung einer Verfassung für das Königreich Westphalen nach Frankreich. Ein Jahr später war Bar Präsident des erstinstanzlichen Tribunals in Osnabrück. Außerdem war er besonderer Liquidator der öffentlichen Schuld des ehemaligen Fürstentums Osnabrück. Zwischen 1808 und 1811 war er Mitglied des Wahlkollegiums für das Departement der Weser. Er war außerdem Mitglied der Reichsstände des Königreichs Westphalen.

Von 1808 bis 1813 war Bar Mitglied in der Innen- und Justizsektion des Staatsrates (Ernennung zum Staatsrat am 25. Oktober 1808) des Königreich Westphalens in Kassel sowie Kanzleirat und Konsistorialdirektor in Osnabrück. Der Staat ehrte ihn mit hohen Auszeichnungen. 1810 wurde er Ritter des Ordens der Westphälischen Krone, ein Jahr später dessen Kommandeur.

Beamter und Abgeordneter

Nach dem Ende des Königreichs Westphalen war Bar von 1814 bis 1819 Mitglied der provisorischen allgemeinen Ständeversammlung für das Königreich Hannover als Deputierter der Ritterschaft des Fürstentums Osnabrück. Er amtierte 1814/15 zunächst als Generalsyndikus und von 1815 bis 1819 als Präsident der Versammlung. Zeitweise (ab 1816) war er Präsident der königlichen Provinzialverwaltung in Osnabrück. Mit der Errichtung der Landdrosteien wurde er 1823 Landdrost desselben Bezirks. Im Jahr 1835 wurde er zum wirklichen Geheimen Rat ernannt. Im selben Jahr wurde er wegen seiner Verdienste um die Fürsorge für das Wohl der Stadt Osnabrück und ihrer öffentlichen Anstalten zum Ehrenbürger der Stadt Osnabrück.

Ludwig von Bar starb 1844 in Osnabrück. Sein Grab und das seiner Frau befindet sich auf dem Johannisfriedhof.

Familie

Bar heiratete Catharine Charlotte Dürfeld (* 4. März 1769; † 17. Januar 1834). Das Paar hatte zwei Söhne:

  • Germann Erich Ludewig (* 29. April 1805; † 24. März 1875), Minister ⚭ 1839 Gräfin Sophie Luise von Münster (* 22. Juni 1820; † 17. März 1888)[1]
  • Georg Ludwig Karl (* 8. Januar 1808; † 11. November 1882), Wirklicher Geheimer Rat und Landdrost ⚭ 1834 Adelheid Schwarz (* 4. Januar 1812; † 1899)

Literatur

  • Ferdinand Frensdorff: Bar, Herbord Sigismund Ludwig von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 2, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 44 f.
  • Jochen Lengemann: Biographisches Handbuch der Reichsstände des Königreichs Westphalen und der Ständeversammlung des Großherzogtums Frankfurt. Frankfurt am Main 1991, ISBN 3-458-16185-6, S. 114–115.
  • Jochen Lengemann: MdL Hessen. 1808–1996. Biographischer Index. (= Politische und parlamentarische Geschichte des Landes Hessen. Bd. 14 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen. Bd. 48, 7). Elwert, Marburg 1996, ISBN 3-7708-1071-6, S. 60–61.
  • Rainer Hehemann: Biographisches Handbuch zur Geschichte der Region Osnabrück. Bramsche 1990, S. 22.
  • Gothaisches genealogisches Taschenbuch der adeligen Häuser, 1900, S.37

Einzelnachweise

  1. Tochter von Ludwig Ernst Friedrich Wilhelm von Münster (1774–1824), Vgl.:Gothaisches genealogisches Taschenbuch der gräflichen Häuser, 1851, S.462