Herbert Seidler

Herbert Seidler (* 18. August 1905 in Feldkirch; † 14. Juni 1983 in Wien) war ein österreichischer Germanist, Literaturwissenschaftler und Hochschullehrer.[1]

Leben und Wirken

Nach seiner Reifeprüfung (Matura) 1923 in Feldkirch studierte Herbert Seidler von 1923 bis 1928 Germanistik und Romanistik an der Universität Innsbruck. Im Sommersemester 1926 studierte er an der Universität Wien. Im Jahre 1927 promovierte er an der Universität Innsbruck bei Moriz Enzinger. Von 1929 bis 1940 arbeitete er als Gymnasiallehrer in Innsbruck und leitete von 1938 bis 1940 kommissarisch die Lehrerbildungsanstalt Innsbruck. Am 25. Mai 1938 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde zum 1. Januar 1940 aufgenommen (Mitgliedsnummer 7.897.558),[2] er betätigte sich als Redner und Schulungsleiter. 1944 habilitierte er sich an der Universität Innsbruck, diese Habilitation wurde ihm 1945 aberkannt.

Zunächst pensioniert, habilitierte er sich 1951 erneut an der Universität Innsbruck und lehrte dort bis 1956 als Privatdozent, außerdem unterrichtete er an der Handelsakademie Innsbruck. Von 1956 bis 1958 war er dann außerplanmäßiger bzw. außerordentlicher Professor für Deutsche Sprache und Literatur. Bis 1963 lehrte er als Professor an der Universität Johannesburg. Nach kurzer Lehrtätigkeit als Professor an der Universität Salzburg (1964/65) erhielt er im Wintersemester 1965/66 eine ordentliche Professur für Österreichische Literaturgeschichte und Allgemeine Literaturwissenschaft an der Universität Wien. 1975 wurde er emeritiert. Im zweiten Halbjahr 1970 hatte er eine Gastprofessur an der University of Toronto inne.

1966 bzw. 1973 wurde Herbert Seidler Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und erhielt 1976 die Ehrendoktorwürde der Universität Budapest.

Herbert Seidler veröffentlichte über die deutsche und österreichische Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts sowie über Stilistik und Poetik. Zu seinen Forschungsinteressen gehörte der Dramatiker Franz Grillparzer. Er war Ehrenmitglied der Grillparzer-Gesellschaft, die ihm ihr 1976 erscheinendes Jahrbuch als Festgabe zum 70. Geburtstag widmete. 1980 wurde ihm der Grillparzer-Ring verliehen.[3]

Veröffentlichungen (Auswahl)

  • Jakob Philipp Fallmerayers geistige Entwicklung. Ein Beitrag zur deutschen Geistesgeschichte des 19. Jahrhunderts. Verlag der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, München 1947.
  • Allgemeine Stilistik. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1953 (2. Aufl. 1963).
  • Die Dichtung. Wesen, Form, Dasein (= Kröners Taschenausgabe, Bd. 183). Kröner, Stuttgart 1959 (2. Aufl. 1965).
  • Schillers "Braut von Messina". In: Literaturwissenschaftliches Jahrbuch, N.F., Bd. 1 (1960), S. 27–52.
  • Prunkreden in Grillparzers Dramen. Böhlau, Graz u. a. 1964.
  • Dichtkunst und Literaturwissenschaft. Pustet, Salzburg/München 1966.
  • Beiträge zur methodologischen Grundlegung der Literaturwissenschaft. Zum Wertungsproblem in der Literaturwissenschaft. Der Ambivalenzbegriff in der Literaturwissenschaft. Böhlau, Wien u. a. 1969.
  • Studien zu Grillparzer und Stifter (= Wiener Arbeiten zur deutschen Literatur, Bd. 1). Böhlau, Wien u. a. 1970, ISBN 3-205-06030-X.
  • Österreichische Novellenkunst im 20. Jahrhundert. Österreichische Staatsdruckerei, Wien 1970.
  • Was ist vergleichende Literaturwissenschaft? Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1973.
  • Die Forschung zu Arthur Schnitzler seit 1945. In: Zeitschrift für deutsche Philologie, Bd. 95 (1976), S. 567–595.
  • Grundfragen einer Wissenschaft von der Sprachkunst (= Internationale Bibliothek der allgemeinen Linguistik, Bd. 42). Fink, München 1978, ISBN 3-7705-1656-7.
  • Österreichischer Vormärz und Goethezeit. Geschichte einer literarischen Auseinandersetzung (= Veröffentlichungen der Kommission für Literaturwissenschaft, Bd. 6). Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1982, ISBN 3-7001-0434-0.
  • Wandlungen des deutschen Bildungsromans im 19. Jahrhundert. In: Rolf Selbmann (Hrsg.): Zur Geschichte des deutschen Bildungsromans (= Wege der Forschung, Bd. 640). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1988, S. 265–290, ISBN 3-534-02030-8.

Festschrift

  • Adolf Haslinger (Hrsg.): Sprachkunst als Weltgestaltung. Festschrift für Herbert Seidler. Pustet, Salzburg 1966.
  • Robert Pichl, Klaus Heydemann (Hrsg.): Jahrbuch der Grillparzer-Gesellschaft. 3. Folge. Band 12 (Festgabe für Herbert Seidler). Bergland Verlag, Wien 1976.

Einzelnachweise

  1. Wynfrid Kriegleder: Seidler, Herbert. In: Christoph König (Hrsg.): Internationales Germanistenlexikon 1800-1850. Bd. 3. De Gruyter, Berlin 2003, S. 1704–1706, ISBN 3-11-015485-4 (mit allen biografischen Daten u. weiteren Literaturangaben).
  2. Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/41151530
  3. Robert Pichl, Hubert Reitterer (Hrsg.): Jahrbuch der Grillparzer Gesellschaft. 3. Folge. Band 18 (Zum 200. Geburtstag Franz Grillparzers und zum 100-jährigen Bestehen der Grillparzer-Gesellschaft.) Hora, Wien 1992, S. 139, 159.