Herbert Mayer (Physiker)

Herbert Mayer (* 13. Januar 1900 in Czernowitz; † 16. Februar 1992) war ein deutscher Physiker, der auf dem Gebiet der Dünnschichtphysik arbeitete.

Leben

Herbert Mayer wurde als Sohn eines Schulrektors in Czernowitz in der Bukowina geboren. Nach Abschluss der Schule studierte er Mathematik und Physik an der Universität Czernowitz. 1926 wurde er mit einer Arbeit über Gasentladungen promoviert. Mit einem Jahresstipendium der Rockefeller-Stiftung ging er anschließend an die Universität Tübingen, wo er bei Walther Gerlach arbeitete. Nach seiner Habilitation in Czernowitz wechselte er 1932 mit einem weiteren Rockefeller-Stipendium an die University of Bristol zu Arthur M. Tyndall, wo er zur Physik dünner Schichten forschte. Nach seiner Rückkehr wurde er Professor an der Universität Czernowitz.

Neben seiner Tätigkeit an der Universität führte er mit seinen Studenten eine Volkszählung der Bukowinadeutschen (oder Buchlanddeutschen) durch. Diese Ergebnisse wurden bei der Umsiedlung dieser Volksgruppe gemäß dem Deutsch-Sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrag und der im Hitler-Stalin-Pakt vereinbarten teilweisen Besetzung der Bukowina durch sowjetische Truppen genutzt. Mayer war stellvertretender Leiter der deutschen Umsiedlungskommission. Nach der Umsiedlung war er zunächst Dozent an der Technischen Universität Breslau, bevor er 1941 Professor an der Reichsuniversität Posen wurde, wo er seine Arbeiten zur Dünnschichtphysik fortsetzte. Als Leutnant der Wehrmacht kam er in US-amerikanische Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Freilassung wurde er Dozent und dann außerordentlicher Professor an der Universität München.

1950 wurde er als Professor und Direktor des Physikalischen Instituts der Bergakademie in Clausthal-Zellerfeld (seit 1968 Technische Universität Clausthal) berufen. Neben seiner Lehrtätigkeit und Forschung zur Physik dünner Schichten war er von 1956 bis 1958 Rektor der Bergakademie und widmete sich der Neuorganisation der Lehre sowie dem Neubau des Physikalischen Instituts. 1968 folgte seine Emeritierung. 1985 wurde er für seine Verdienste zum Ehrensenator der TU Clausthal ernannt.

Seit 1960 war er ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen.[1]

1974 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Raimund-Friedrich-Kaindl-Gesellschaft e.V. in Stuttgart und war bis 1983 deren Präsident. Diese Gesellschaft, die bis 2003 existierte, widmete sich der genealogischen Forschung zu den Bukowinadeutschen, wobei Ergebnisse in der Schriftenreihe Kaindl-Archiv veröffentlicht wurden. Mayer erhielt für seine wissenschaftlichen Arbeiten auf diesem Feld das Bundesverdienstkreuz.

Schriften (Auswahl)

  • Herbert Mayer: Aktuelle Forschungs-Probleme aus der Physik dünner Schichten. R. Oldenbourg, München 1950, ISBN 978-3-486-77756-7.
  • Herbert Mayer: Physik dünner Schichten. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 1950.
  • Herbert Mayer: Physics of Thin Films, Parts I & II. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart 1972, ISBN 978-3-8047-0425-1.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Mitglieder: Herbert Mayer. Niedersächsische Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, abgerufen am 28. November 2025.