Henriette von Strantz

Henriette Freifrau von Strantz (* 22. Mai 1775 in Mannheim als Henriette Christine Marie Stumm; † 3. Juni 1871 in Saarbrücken) war eine preußische Mäzenin. Sie gehörte zur Industriellenfamilie Stumm.

Leben

Henriette Christine Marie Stumm wurde 1775 als Tochter des Industriellen Friedrich Philipp Stumm und Maria Elisabeth Geib geboren. Sie war damit die ältere Schwester von Carl Friedrich Stumm und damit Tante des Industriellen Carl Ferdinand von Stumm-Halberg.[1]

Am 15. Mai 1837 heiratete sie den sieben Jahre älteren Oberst Ludwig Maximilian Siegismund von Strantz. Es handelte sich um eine Zweckehe, da der Oberst eine Mutter für seine zwölfjährige Tochter mit der 1831 verstorbenen Ehefrau Huberta von Kleist benötigte. Wegen ihres Alters konnte sie nicht mehr auf Kinder hoffen. Ihr Ehemann verstarb nur zwei Jahre später. Von Strantz wohnte in der von ihrem Vater erworbenen Palais Lüder am Ludwigsplatz in Saarbrücken, besaß aber auch eine Wohnung in Neunkirchen (Saar) sowie den Rosenhof in Einöd.[1] Ihr Vermögen vergrößerte sich durch den Tod ihres Vaters. Zusammen mit drei ihrer Geschwister erbte sie 1848 einen Anteil an der Dillinger Hütte.[2]

1851 gründete sie in Neunkirchen eine Kleinkinderschule für die Angestellten ihres Neffen von Stumm-Halberg auf dem Neunkircher Eisenwerk. Aus dieser entwickelte sich die einflussreiche „Weibliche Industrieschule“, die als „Hüttenschule“ bekannt wurde. Die Töchter der Angestellten erhielten dort eine hauswirtschaftliche Ausbildung.[1]

1869 stiftete zwei Glocken für die heutige Neunkircher Christuskirche, die zweite evangelische Kirche in Neunkirchen. Die 758 kg und 454 kg schweren Glocken blieben nicht erhalten.[1.1]

Nach der Schlacht bei Spichern am 6. August 1870 versorgte sie, hochbetagt, zehn verwundete Soldaten und acht Offiziere in ihrem Anwesen in Saarbrücken. König Wilhelm I. besuchte deshalb das Palais und machte seine Aufwartung.[1]

Sie starb am 3. Juni 1871 in Saarbrücken und wurde auf der Erbbegräbnisstätte der Familie Stumm in Neunkirchen beigesetzt.[1.2][3]

Literatur

  • Henriette Freifrau von Strantz geb. Stumm. In: Joachim Conrad und Rieke Eulenstein (Hrsg.): Evangelische Frauen an Saar und Blies 1815–2015: ihr Leben und Wirken in ausgewählten Portraits (= 450 Jahre Reformation an der Saar). 1. Auflage. Teil 1. Geistkirch-Verlag, Saarbrücken 2025, ISBN 978-3-949983-34-4, S. 19–23.

Einzelnachweise

  1. a b c d Evangelische Frauen an Saar und Blies 1815–2015: ihr Leben und Wirken in ausgewählten Portraits (= 450 Jahre Reformation an der Saar / herausgegeben von Joachim Conrad und Rieke Eulenstein; im Auftrag des Ev. Kirchenkreisverbandes An der Saar). 1. Auflage. Geistkirch-Verlag, Saarbrücken 2025, ISBN 978-3-949983-34-4, S. 19.
    1. S. 21
    2. S. 22
  2. Kurt Pritzkoleit: Wem gehört Deutschland? Eine Chronik von Besitz und Macht. Verlag Kurt Desch, Wien 1957, S. 100.
  3. Kreisstadt Neunkirchen (Hrsg.): Neunkircher Hüttenweg: Hinweistafeln. S. 14 (neunkirchen.de [PDF]).