Henri Zwahlen

Henri Zwahlen (* 3. Mai 1911 in Lausanne; † 27. September 1974 ebenda) war ein Schweizer Jurist. Er war Professor für Verwaltungsrecht und Steuerrecht an der Universität Lausanne, deren Rektor er von 1962 bis 1964 war. Von 1970 bis zu seinem Tod 1974 amtierte er als Richter am Schweizerischen Bundesgericht.

Leben und familiärer Hintergrund

Henri Zwahlen entstammte einer reformierten Familie und war heimatberechtigt in Saanen sowie ab 1957 auch in Rougemont.[1] Er war der Sohn des Ingenieurs Henri Zwahlen, der als Direktor das Stahlbauunternehmen Zwahlen & Mayr leitete, und der Elise geborene Mayr.[1] Sein Grossvater war Louis Zwahlen, der Gründer des Unternehmens.[1] Sein Bruder war der Ingenieur Jean-Louis Zwahlen; durch seine Schwester war er zudem der Schwager des Arztes und liberalen Politikers Maurice Ray.[1]

Im Jahr 1935 heiratete Zwahlen Mary-Eugénie Mandin, die Tochter des Engländers Louis Henry Mandin.[1] In der Schweizer Armee bekleidete er den Rang eines Obersten im Generalstab.[1] Er war Mitglied der Studentenverbindung Zofingia.[1]

Ausbildung

Seine schulische Bildung durchlief Zwahlen am klassischen Gymnasium in Lausanne, wo er 1929 die Matura (Baccalauréat) ablegte.[2] Anschliessend absolvierte er ein Studium der Rechts- sowie der Handels- und Wirtschaftswissenschaften, das ihn an die Universität Lausanne, nach Berlin und nach Paris führte.[2]

1933 schloss er sein Studium an der École des hautes études commerciales (HEC) der Universität Lausanne mit dem Lizentiat ab (Licencié en sciences commerciales et économiques).[1] Zwei Jahre später, 1935, wurde er an der Universität Lausanne mit der Dissertation Des sociétés commerciales avec participation de l'Etat (Über Handelsgesellschaften mit staatlicher Beteiligung) zum Doktor der Rechte (Dr. iur.) promoviert.[1]

Berufliche und akademische Laufbahn

Zwahlen begann seine berufliche Laufbahn 1934 als Sekretär der Waadtländer Handels- und Industriekammer, eine Position, die er bis 1938 innehatte.[1]

Parallel dazu schlug er eine akademische Karriere ein. 1936 erhielt er einen Lehrauftrag für Verwaltungsrecht, Sozialgesetzgebung und Finanzwissenschaften an der Universität Lausanne.[1] 1939 wurde er zum ausserordentlichen Professor berufen.[1] Von 1947 bis 1970 lehrte er als ordentlicher Professor für Verwaltungs- und Steuerrecht sowie Sozialgesetzgebung an der Universität Lausanne.[1] Zusätzlich hielt er von 1943 bis 1970 eine ausserordentliche Professur für Steuerrecht an der Universität Neuenburg.[1][2]

Zwahlen prägte die akademische Selbstverwaltung der Universität Lausanne massgeblich mit: Er wirkte von 1947 bis 1950 als Dekan der juristischen Fakultät, leitete die Universität von 1962 bis 1964 als Rektor und stand von 1968 bis 1970 dem Senat als Präsident vor.[1]

Im Jahr 1945 gründete er die juristische Fachzeitschrift Revue de droit administratif et de droit fiscal (RDAF), die er auch leitete.[1] Auf internationaler Ebene war er 1951 als Missionsbeauftragter für die UNO sowie für das Internationale Arbeitsamt tätig.[1]

Politik und Richteramt

Politisch engagierte sich Zwahlen in der Liberalen Partei. Von 1941 bis 1945 war er Mitglied des Gemeinderats (Legislative) der Stadt Lausanne.[1]

Am 10. Dezember 1969 wählte ihn die Vereinigte Bundesversammlung zum Richter am Schweizerischen Bundesgericht.[2] Er trat sein Amt 1970 an und war der staats- und verwaltungsrechtlichen Abteilung zugeteilt.[1] Er übte das Richteramt bis zu seinem Tod im Jahr 1974 aus.[2]

Werke (Auswahl)

  • Des sociétés commerciales avec participation de l'Etat. (Dissertation), Lausanne 1935.
  • Le fonctionnement de la justice administrative en droit fédéral et dans les cantons. In: Zeitschrift für Schweizerisches Recht (ZSR), NF 66/1947, S. 95a–170a.
  • Du droit des voisins à l'observation des règles de police des constructions. In: Mélanges François Guisan. Lausanne 1950, S. 325–341.
  • Le contrat de droit administratif. In: Zeitschrift für Schweizerisches Recht (ZSR), NF 77/1958, S. 461a–663a.

Literatur

  • Association Henri Zwahlen pour le développement du droit administrative et du droit fiscal (Hrsg.): Mélanges Henri Zwahlen. Lausanne 1977 (S. 7–9).
  • Marcel Wurlod: Henri Zwahlen (1911–1974). In: Revue de droit administratif et de droit fiscal. Band 30, 1974, S. 377–380.

Einzelnachweise

  1. a b c d e f g h i j k l m n o p q r s Nicole Staremberg: Henri Zwahlen. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 12. November 2013, abgerufen am 31. Oktober 2025.
  2. a b c d e Liste der ehemaligen Bundesrichter: Henri Zwahlen. In: bger.ch. Schweizerisches Bundesgericht, abgerufen am 31. Oktober 2025.