Henri Cox (Ingenieur)
Jean Bernhard Henri Cox (* 31. Oktober 1847 in Middelburg; † 8. August 1916 in Cannstatt) war ein niederländischer Ingenieur. Er war Direktor der Maschinenfabrik Esslingen.
Leben
Henri Cox war der Sohn des Gymnasiallehrers Hermann Anton Cox. Nach dem Besuch der höheren Bürgerschulen in Heinsberg und Rheydt studierte er am Delfter Polytechnikum, wo er sein Ingenieurstudium[1] 1870 mit der Staatsprüfung beendete. Da er Ausländer war, wurde seinem Wunsch, auf deutscher Seite am Deutsch-Französischen Krieg teilzunehmen, nicht entsprochen. Darum war er ab August 1870 zunächst für ein englisches Unternehmen in Russland im Brückenbau tätig und arbeitete später in Schottland, ebenfalls im Brückenbau, unter anderem an der Firth-of-Tay-Brücke[1]. Auf der Weltausstellung 1873 lernte Cox Ferdinand Decker kennen, der ihn im Folgejahr einstellte. Bei der Firma Gebrüder Decker & Co war er weiterhin im Brückenbau tätig; so leitete er den Bau verschiedener Brücken bei Errichtung der Gotthardbahn.[1] Mit der Übernahme der Firma Gebrüder Decker & Co durch die Maschinenfabrik Esslingen im Jahr 1882 änderte sich seine Aufgabenstellung. Emil von Keßler, der Direktor der Maschinenfabrik, entsandte Cox nach England und in die Vereinigten Staaten, wo er sich mit seinem neuen Aufgabengebiet Elektrotechnik vertraut machen sollte. Ergänzend dazu besuchte er Vorlesungen am Polytechnikum Stuttgart und im Jahr 1883 die Internationale Elektrische Ausstellung in Wien. Mit der Gründung der Elektrotechnischen Fabrik Cannstatt im Jahr 1884 wurde Cox dort Oberingenieur und nach deren Übernahme durch die Maschinenfabrik Esslingen der technische Leiter. Unter seiner Führung beschäftigte man sich unter anderem mit der Einrichtung elektrischer Zugbeleuchtung, der Herstellung von Akkumulatoren und der Errichtung öffentlicher Elektrizitätswerke. Nach 40-jähriger Tätigkeit für die Maschinenfabrik Esslingen bzw. von ihr übernommener Unternehmen ging er 1914 in den Ruhestand.
Henri Cox brachte sich intensiv in die Förderung des technischen Nachwuchses ein. Im Jahr 1888 erfolgte seine Benennung zum Vorstand des Gewerbeschulrats in Cannstatt. Nach der Vereinigung von Cannstatt mit Stuttgart im Jahr 1905 wurde er stellvertretender Vorsitzender des Stuttgarter Gewerbeschulrats.
Im Jahr 1889 wurde Henri Cox anlässlich des 25-jährigen Regierungsjubiläums vom württembergischen König Karl mit der Silbernen Jubiläums-Medaille ausgezeichnet. 1897 erhielt er das Ritterkreuz 1. Klasse des Friedrichs-Ordens. Er wurde auch zum Ehrenvorsitzenden des Stuttgarter Gewerbeschulrats ernannt.
Henri Cox war seit 1884 Mitglied des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) und des Württembergischen Bezirksvereins des VDI.[2] Er saß in den Jahren 1889 und 1890 sowie 1899 und 1900 dem Bezirksverein vor, weitere Jahre war er stellvertretender Vorsitzender. Insgesamt neun Jahre vertrat er den Bezirksverein im Vorstandsrat. In den Jahren 1907 und 1908 gehörte er dem Vorstand des Gesamtvereins an.[3] Im Bezirksverein regte er die Anbringung von Gedächtnistafeln für Gottlieb Daimler in Cannstatt und für Robert Mayer in Heilbronn an.
Henri Cox war 30 Jahre lang mit Marie (eigentlich Maria Elisabeth; 1849–1906)[4], geborene Neuhaus, verheiratet. Das Ehepaar hatte zwei Töchter und einen Sohn. Er starb nach längerer schwerer Krankheit. Seine Frau starb bereits im Jahr 1906, sein Sohn, der Diplom-Ingenieur Willy Cox, 1909.
Literatur
- H. Cox †. In: Zeitschrift des Vereines deutscher Ingenieure. Band 60, Nr. 42, 14. Oktober 1916, S. 853–854.
Weblinks
- Cox, Henri. In: Deutsche Biographie (Index-Eintrag).
Einzelnachweise
- ↑ a b c Nekrologie. In: Schweizerische Bauzeitung. Band 69, Nr. 2, 1917, S. 21.
- ↑ Angelegenheiten des Vereines. In: Zeitschrift des Vereines deutscher Ingenieure. Band 28, Nr. 3, 19. Januar 1884, S. 49.
- ↑ Marie-Luise Heuser, Wolfgang König: Tabellarische Zusammenstellungen zur Geschichte des VDI. In: Karl-Heinz Ludwig (Hrsg.): Technik, Ingenieure und Gesellschaft – Geschichte des Vereins Deutscher Ingenieure 1856–1981. VDI-Verlag, Düsseldorf 1981, ISBN 3-18-400510-0, S. 579.
- ↑ Deutsches Geschlechterbuch (Genealogisches Handbuch bürgerlicher Familien). Band 83. C. A. Starke, Görlitz 1935, S. 339.