Hendrik Scholl

Hendrik Peter Nicolas Scholl (* 1969 in Mainz) ist ein deutscher Ophthalmologe.[1][2]

Leben und Wirken

Scholl wuchs in Heilbronn auf und studierte Medizin und Philosophie an der Universität Tübingen[3] und wurde zum Thema Glaukom promoviert.[3] Es folgten Jahre der Weiterbildung an der Universitäts-Augenklinik Tübingen und am Moorfields Eye Hospital in London. Mit einem Heisenberg-Stipendium[3] ging er 2004 an die Universitäts-Augenklinik Bonn.[4]

2009 erfolgte die Berufung an die Johns Hopkins University. Angebote aus Lausanne und London lehnte er ab.[5] 2016 wurde er Professor für Ophtalmologie an der Universität Basel und übernahm als Chefarzt die Leitung der Augenklinik des Universitätsspitals Basel.[2] Gemeinsam mit Botond Roska gründete er das Institute of Molecular and Clinical Ophthalmology Basel (IOB).[6] Dort trieb er unter anderem die klinische Entwicklung der Optogenetik federführend voran.[7] Ein weiterer wesentlicher Verdienst ist die präklinische Validierung einer Gentherapie[8] für die häufigste Mutation, die Morbus Stargardt auslöst.[9]

2024 wechselte Scholl in die Industrie, um noch direkter Translation von der Forschung in die klinische Versorgung zu betreiben.[4] Seit 2024 ist er Chief Medical Officer bei Belite Bio, wo er die klinische Entwicklung des Wirkstoffs Tinlarebant (LBS-008) verantwortet.[10]

Scholl ist verheiratet und hat zwei Kinder.[11]

Forschungsschwerpunkte

Scholls Schwerpunkte in der Forschung sind die Behandlung von Netzhauterkrankungen, insbesondere von erblichen Netzhaut- und Makuladystrophien, sowie die Erforschung der retinalen Neurodegeneration.[2]

Funktionen und Mitgliedschaften

  • Präsident des European Vision Institute[12]
  • Koordinator des Expertenausschusses für retinale Dystrophien bei EVICR.net[13]
  • Mitglied des wissenschaftlichen Beirats von PRO RETINA Deutschland e. V.[14]

Auszeichnungen

  • 2008: European Vision Award[15]
  • 2015: Presidents' Young Investigator Award der American Society of Retina Specialists[16]
  • 2020: Paul Henkind Memorial Award and Lecture der American Macula Society[17]
  • 2019: Alfred-Vogt-Preis für Augenheilkunde (Schweiz)[18]
  • 2023: Ehrendoktorat der Semmelweis-Universität Budapest[2]
  • 2024: Kayser International Award der Retina Research Foundation[19]

Einzelnachweise

  1. Alexander Klug: Ich habe mich meiner ewigen Suche nach Durchblick hingegeben. In: Stimme.de. 24. Januar 2021, abgerufen am 2. Dezember 2025.
  2. a b c d Hendrik Scholl erhält Ehrendoktor der Semmelweis-Universität. In: Universität Basel. Abgerufen am 2. Dezember 2025.
  3. a b c Ralph Pöhner: Vom Johns Hopkins Hospital ans Unispital Basel. In: Medinside. 25. Januar 2016, abgerufen am 2. Dezember 2025.
  4. a b Abschied Prof. Hendrik Scholl. In: Universitätsspital Basel. 15. März 2024, abgerufen am 9. Dezember 2025.
  5. Wandern für die Wissenschaft - science.ORF.at. 29. Oktober 2012, abgerufen am 2. Dezember 2025.
  6. Dina Sambar: Hoffnung für Blinde: Sie spritzen manipulierte Viren direkt ins Auge. In: Basler Zeitung. 3. November 2020, abgerufen am 2. Dezember 2025.
  7. Augenheilkunde: Hochdotierter Preis für Hendrik Scholl. In: Universität Basel. 29. April 2021, abgerufen am 2. Dezember 2025.
  8. Erster Einsatz von Gentherapie gegen Blindheit in der Schweiz. In: Universitätsspital Basel. 29. November 2023, abgerufen am 9. Dezember 2025.
  9. Alissa Muller, Jack Sullivan, Wibke Schwarzer, Mantian Wang, Cindy Park-Windhol, Hendrik P. N. Scholl, David Bryson et al.: High-efficiency base editing in the retina in primates and human tissues. In: Nature Medicine. Band 31, Nr. 2, Februar 2025, ISSN 1546-170X, S. 490–501, doi:10.1038/s41591-024-03422-8 (nature.com [abgerufen am 2. Dezember 2025]).
  10. https://investors.belitebio.com/news-releases/news-release-details/belite-bio-announces-appointment-hendrik-p-n-scholl-md-ma-chief
  11. Hendrik P.N. Scholl, M.D. Co-Director of the Institute of Molecular and Clinical Ophthalmology, Basel. (PDF) In: IOB. Abgerufen am 9. Dezember 2025 (englisch).
  12. Imprint: vision-research.eu - The Gateway to European Vision Research. Abgerufen am 2. Dezember 2025.
  13. Organisation. In: EVICR.net. Abgerufen am 14. Dezember 2025 (englisch).
  14. Michael Längsfeld: Mitglied im WMB, Prof.Hendrik Scholl erhält Ehrendoktor der Semmelweis-Universität. In: Pro Retina - Stiftung zur Verhütung von Blindheit. 28. November 2023, abgerufen am 2. Dezember 2025.
  15. European Vision Award 2008 für Hendrik Scholl von der Universität Bonn. In: Universität Bonn. Archiviert vom Original am 2. Juli 2022; abgerufen am 2. Dezember 2025.
  16. Past Recipients: ASRS Presidents' Young Investigator Award. In: The American Society of Retina Specialists. Abgerufen am 9. Dezember 2025 (englisch).
  17. Prestigious award for clinical director of IOB, Hendrik Scholl. (PDF) In: IOB. Abgerufen am 9. Dezember 2025 (englisch).
  18. Schweizerische Ophthalmologische Gesellschaft: Heinz A. Oertli & Alfred Vogt Preis. 15. November 2019, abgerufen am 9. Dezember 2025.
  19. RRF Kayser International Award. In: Retina Research Foundation. Abgerufen am 9. Dezember 2025 (englisch).