Hemipelvektomie

Die Hemipelvektomie ist die drastischste Form einer Amputation im Bereich der unteren Extremitäten. Es wird dabei auf einer Seite die gesamte untere Extremität samt der kompletten Hälfte des Beckens bis zum Iliosakralgelenk entfernt, es liegt also eine Form der Exartikulation vor. Das Kreuzbein (lat.: Os sacrum) wird erhalten.

Eine Hemipelvektomie wird in der Regel nur bei bösartigen Tumorerkrankungen oder ähnlich schweren Erkrankungen durchgeführt. In sehr seltenen Fällen kann sie auch nach einem schweren Trauma oder Unfall notwendig werden („posttraumatisch“), bei dem das Becken irreparabel beschädigt wurde. Bei einer traumatischen Hemipelvektomie ist der Unfall das direkte Amputationsereignis – dies ist aber aufgrund der schwersten inneren Blutungen in der Regel tödlich.

Da die Beckenknochen wesentlich an der Produktion der Blutzellen (Hämatopoese) beteiligt sind, und aufgrund der komplexen Gefäß- und Nervenanatomie des kleinen Beckens ist ein solcher operativer Eingriff schwerwiegend mit hohen Komplikationsraten.

Daneben bestehen erhebliche statische Probleme, da mit dem Wegfall des Sitzbeins keine ausreichende Abstützung möglich ist, weder im Sitzen noch für die Prothese. Daher ist eine prothetische Versorgung sehr problematisch und schwierig zu realisieren.

Bei einer inneren Hemipelvektomie werden die Beckenknochen einseitig ganz oder teilweise entfernt, aber das Bein und die meisten Weichteile bleiben erhalten und es kann eine oft individuell angefertigte Endoprothese implantiert werden.