Hem Vejakorn

Hem Vejakorn (thailändisch เหม เวชกร, auch Hem Wechakon; * 1903 oder 17. Januar 1904 in Bangkok; † 16. April 1969 ebenda) war ein thailändischer Maler, Grafiker und Schriftsteller. Bekannt wurde er vor allem durch seine Titelbilder für preisgünstige Groschenromane und Illustrierte sowie durch zahlreiche Geistergeschichten, die ihm den Beinamen „Vater der fantastischen Literatur in Thailand“ einbrachten.[1][2][3]

Seine Erzählungen und Illustrationen werden weiterhin gelesen und aufgelegt; viele von ihnen dienten als Vorlage für Fernsehserien und Spielfilme.

Leben

Kindheit und Ausbildung

Über das Geburtsjahr von Hem Vejakorn geben die Quellen unterschiedliche Angaben; genannt werden entweder 1903 oder der 17. Januar 1904.[4] Er wurde in Bangkok geboren. Als er noch ein Kind war, trennten sich seine Eltern; er wuchs anschließend bei Halbbrüdern und Halbschwestern auf.

1915 kam er zu einem Onkel, der als Architekt mit der Aufsicht über italienische Architekten und Künstler betraut war, die das Innere des Ananta-Samakhom-Thronsaals (พระที่นั่ง อนันตสมาคม) in Bangkok ausmalten. Dort wurde Hem Schüler des italienischen Künstlers Carlo Rigoli (auch: Ricoli) und erlernte die Grundlagen von Zeichnung und Malerei.[5]

Er besuchte das Assumption College und die Debsirin-Schule, bestand die Prüfungen jedoch nicht. Parallel dazu blieb er künstlerisch aktiv und beteiligte sich an der dekorativen Ausmalung des Wat Rajaoros (วัดราชโอรส) in Bangkok. Außerdem lernte er Musik und spielte als Begleitmusiker für die damals populären Stummfilmvorführungen; zeitweise arbeitete er in einer Druckerei.

Maler, Illustrator und Autor

1930 wurde Hem Vejakorn ausgewählt, an der Restaurierung der Wandmalereien im Tempel des Smaragd-Buddha (Wat Phra Kaeo / วัดพระแก้ว) mitzuwirken. Die Bildzyklen erzählen die thailändische Fassung des Ramayana, den Ramakien.[6]

1932 gründete er nach Abschluss der Restaurierungsarbeiten mit Freunden den Verlag Phlœn Chit (เพลินจิต), der illustrierte Kurzromane zu einem Preis von zehn Satang veröffentlichte. In diesem Umfeld entstand auch seine erste Geistergeschichte mit dem Titel „Fantôme“ („Gespenst“).

1935 gründete Hem seinen eigenen Verlag. 1936 illustrierte er den vielgelesenen Roman Phlae kao (แผลเก่า, „Die alte Narbe“) von Mai Muangderm (ไม้ เมืองเดิม), der sich zu einem Klassiker der thailändischen Literatur entwickelte und mehrfach verfilmt wurde.[7] Finanzielle Schwierigkeiten zwangen ihn jedoch bald dazu, wieder als freier Mitarbeiter für Tages- und Wochenzeitungen zu arbeiten, die dem Prinzen Phithayalongkorn (พิทยาลงกรณ์) gehörten; dort veröffentlichte er Texte unter dem Pseudonym „No Mo So“ (น.ม.ส.).

Während des Zweiten Weltkriegs arbeitete Hem Vejakorn für die Regierung und zeichnete Propagandabilder für Schulbücher. Gegen Kriegsende begann er, Zeichen- und Malkurse im Fernunterricht anzubieten; zu seinen Schülern gehörte 1944 auch Payut Ngaokrachang, der Regisseur des ersten thailändischen abendfüllenden Zeichentrickfilms Sudsakorn.[6]

Nach dem Krieg war Hem hauptberuflich als Illustrator und Autor tätig. 1969 starb er in Bangkok.

Werk

Geistergeschichten und Pulp-Illustrationen

Hem Vejakorn illustrierte zahlreiche Titelblätter von preisgünstigen Heften und Groschenromanen (Pulps) und schrieb zugleich über hundert Geister- und Horrorgeschichten (thailändisch: ผี / phi). Die Forschung hebt zwei grundlegende Motivkomplexe hervor, die sich auch im modernen thailändischen Horrorfilm wiederfinden:[8]

  • Liebe, etwa in den Geschichten „Sanya rak“ (สัญญารัก, „Liebeserinnerung“) und „Sanya“ (สัญญา, „Versprechen“),
  • Rache, etwa in „Kru Arun“ (ครูอรุณ, „Lehrer Aroon“) und „Mao thot“ (เหมาโทษ, „Übertragene Schuld“).

Eine Sammlung von Kurzgeschichten erschien unter dem Titel ภูตผีปีศาจของไทย (Phut Phi Pisat Khong Thai, „Thai Ghosts, Spirits, and Spectres“) in drei Bänden:

  • Band 1: ใครอยู่ในอากาศ (Khrai Yu Nai A-kat, „Who’s in the Air?“), ISBN 974-92507-88,
  • Band 2: ผู้ที่ไม่มีร่างกาย (Phu Thi Mai Mi Rangkai, „Bodiless One“), ISBN 974-91686-82,
  • Band 3: วิญญาณที่เร่ร่อน (Winyan Thi Reron, „Stray Souls“), ISBN 974-90279-73.

Viele dieser Geschichten wurden von der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt Thai PBS als Hörspiele und Podcasts in thailändischer Sprache adaptiert.[9]

Illustrationen zu Klassikern

In den 1950er- und 1960er-Jahren illustrierte Hem Vejakorn zahlreiche Ausgaben thailändischer und chinesischer Klassiker, darunter:

  • das klassische Gedicht Lilit Phra Lo (ลิลิตพระลอ), für das er 1963 eine vielbeachtete Bildfolge schuf;[10]
  • eine illustrierte Fassung des chinesischen Romans Die drei Reiche (สามก๊ก / Sam Kok), einen der vier klassischen chinesischen Romane;
  • Ausgaben der großen Werke Phra Aphai Mani und Khun Chang Khun Phaen, die von Prinz Prem Burachat (พระวรวงศ์เธอ พระองค์เจ้าเปรมบุรฉัตร) ins Englische übertragen wurden;
  • Dichtungen der Könige Rama I und Rama II, etwa Unnarut, Khawi, Krai Thong und Maniphichai;
  • Dichtungen von Rama VI, etwa Sawittri, Phra Non Khamluang, Sakuntala und Matthanaphatha;
  • Jātaka-Erzählungen wie Vessantara, Manora und Kaki;
  • Episoden aus dem Ramakien;
  • sowie weitere Stoffe wie Mahabharata, Ramayana, den javanischen Panji-Zyklus (Inao) oder Der Pilger Kamanita von Karl Adolph Gjellerup.

Kurz vor seinem Tod erhielt Hem Vejakorn den Auftrag von König Rama IX (ภูมิพลอดุลยเดช), Ölgemälde als Geschenke für Gäste des Königs zu schaffen.[10]

Rezeption und Nachwirkung

2004 erschien in Thailand eine Serie von vier Briefmarken, die Hem Vejakorns Werk gewidmet war.[11]

Der Regisseur Wisit Sasanatieng nannte Hem Vejakorn als eine der maßgeblichen Inspirationsquellen für seinen Horrorfilm The Unseeable (2006).[12]

In der wissenschaftlichen Literatur wird Hem Vejakorn als Schlüsselfigur der populären thailändischen visuellen Kultur des 20. Jahrhunderts und als Wegbereiter des modernen thailändischen Horrorgenres beschrieben.[13]

Werke (Auswahl)

  • ภูตผีปีศาจของไทย (Phut Phi Pisat Khong Thai, „Thai Ghosts, Spirits, and Spectres“), 3 Bände, Bangkok (ohne Jahr; spätere Neuausgaben mit ISBN)
  • Zahlreiche Illustrationen zu สามก๊ก (Sam Kok, „Die drei Reiche“), Bangkok 1944
  • Illustrationen zu แผลเก่า (Phlae kao, „Die alte Narbe“) von Mai Muangderm, 1936
  • Illustrationen zu klassischen Werken wie Lilit Phra Lo, Phra Aphai Mani, Khun Chang Khun Phaen und verschiedenen Jātakas

Literatur

  • Laureillard, Marie; Durand-Dastès, Vincent: Fantômes dans l’extrême-orient d’hier et d’aujourd’hui – Tome 2. Presses de l’Inalco, Paris 2017, S. 14–22 (französisch).
  • Inthano, Theeraphong: Amour, vengeance, mort : les fantômes dans la littérature et le cinéma contemporains thaïlandais. In: Fantômes dans l’extrême-orient d’hier et d’aujourd’hui – Tome 2. Presses de l’Inalco, Paris 2017, S. 14–22 (französisch).
Commons: Art works by Hem Vejakorn – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. เหม เวชกร อดีตไทยๆ ในภาพวาด-เรื่องผี. In: Matichon. 28. April 2018, abgerufen am 16. November 2025 (thailändisch).
  2. ภาพพระลอตามไก่ ไขขุมทรัพย์ครูเหม. In: Thai Rath. 29. Juni 2015, abgerufen am 16. November 2025 (thailändisch).
  3. Suwitcha Chaiyong: Come learn the history of Thai toons – Pioneer Period (1932–1956). In: Bangkok Post. 18. März 2021, abgerufen am 16. November 2025 (englisch).
  4. เหม เวชกร อดีตไทยๆ ในภาพวาด-เรื่องผี. In: Matichon. 28. April 2018, abgerufen am 16. November 2025 (thailändisch).
  5. Alain et Bernard: A 261 – Hem Vejakorn, figure majeure de l’art « populaire » thaï, fils spirituel de Carlo Rigoli et mentor du roi Rama IX. In: Alain & Bernard en Thaïlande. 25. Juli 2018, abgerufen am 16. November 2025 (französisch).
  6. a b Suwitcha Chaiyong: Come learn the history of Thai toons – Pioneer Period (1932–1956). In: Bangkok Post. 18. März 2021, abgerufen am 16. November 2025 (englisch).
  7. Alain et Bernard: A 261 – Hem Vejakorn, figure majeure de l’art « populaire » thaï, fils spirituel de Carlo Rigoli et mentor du roi Rama IX. In: Alain & Bernard en Thaïlande. 25. Juli 2018, abgerufen am 16. November 2025 (französisch).
  8. Laureillard, Marie; Durand-Dastès, Vincent: Fantômes dans l’extrême-orient d’hier et d’aujourd’hui – Tome 2. In: Fantômes dans l’extrême-orient d’hier et d’aujourd’hui. Presses de l’Inalco, Paris 2017, S. 14–22 (französisch, books.openedition.org [abgerufen am 16. November 2025]).
  9. Phut phi pisat khong Thai – Podcast-Reihen nach Geschichten von Hem Vejakorn. In: Thai PBS Podcast. Abgerufen am 16. November 2025 (thailändisch).
  10. a b Alain et Bernard: A 261 – Hem Vejakorn, figure majeure de l’art « populaire » thaï, fils spirituel de Carlo Rigoli et mentor du roi Rama IX. In: Alain & Bernard en Thaïlande. 25. Juli 2018, abgerufen am 16. November 2025 (französisch).
  11. Hem Vejakorn’s Painting Postage Stamps. In: Siam Stamp. Abgerufen am 16. November 2025 (englisch).
  12. เก้า มีนานนท์: เปนชู้กับผี ภูติผีไทย บ้านหลังใหญ่ที่เต็มไปด้วยความไม่ชอบมาพากล. In: The Standard. 23. Oktober 2018, abgerufen am 16. November 2025 (thailändisch).
  13. Laureillard, Marie; Durand-Dastès, Vincent: Fantômes dans l’extrême-orient d’hier et d’aujourd’hui – Tome 2. Presses de l’Inalco, Paris 2017, S. 14–22 (französisch).