Helmuth von Wedelstädt
Helmut(h) Viktor Eberhard Kaspar Gerhard von Wedelstädt, eigentlich Helmut von Wedelstädt, (* 9. November 1902 in Mülheim an der Ruhr; † 12. April 1988 ebenda) war ein deutscher Verwaltungsjurist und Kommunalpolitiker.
Leben
Wedelstädt wuchs als Sohn des städtischen Beigeordneten Erich von Wedelstädt (1858–1915) in Mülheim an der Ruhr auf. Seine Mutter war Elsbeth Rapmund (1871–1964), eine Tochter der Anna Stoye aus Halle an der Saale und des Prof. Dr. Otto Rapmund. Helmuth hatte mehrere Geschwister. Schwester Anna heiratete den späteren Luftwaffen-Oberst Hans Wesener, sein jüngerer Bruder Erich von Wedelstädt war u. a. Min.-Rat im Reichswirtschaftsministerium; mehrere Neffen wurden Juristen. Die Tante Anna von Wedelstädt (1862–1950) war mit dem Generalmajor Friedrich von Campe verheiratet.
Nach dem Abitur studierte er Rechtswissenschaft an den Universitäten Freiburg, München und Münster und war seit 1925 als Referendar beim Amtsgericht Mülheim an der Ruhr und bei den Regierungen Münster und Köln tätig. 1929 trat er mit der Mitgliedsnummer 539.040 in die NSDAP ein.[1] Von 1929 bis 1932 war er als Regierungsassessor beim Landratsamt Königsberg und bei der Bezirksregierung in Königsberg beschäftigt. Von 1932 bis 1936 arbeitete er im preußischen Innenministerium, zuletzt als Oberregierungsrat. Im August 1936 wechselte er als Landeshauptmann zur Provinzialverwaltung Ostpreußen. 1937 veröffentlichte er zweibändig zum Deutschen Beamtengesetz.[2]
Von 1941 bis 1943 war er Oberregierungsrat und Leiter des Hauptamtes I (Politik) im Reichskommissariat Ukraine unter Reichskommissar Erich Koch.[3] Als Landeshauptmann wurde er in Königsberg von Reinhart Bezzenberger vertreten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitete Wedelstädt ab 1957 als Rechtsanwalt und seit 1974 auch als Notar in Mülheim an der Ruhr.[4] Laut britischem Geheimdienst hatte er Kontakte zum Naumann-Kreis.[3] Bei der Kommunalwahl 1952 gewann er in Mülheim-Holthausen als Kandidat der Unabhängigen Kommunalpolitischen Vereinigung (UKV) ein Direktmandat. 1956 ließ sich Wedelstädt für die CDU aufstellen und gehörte bis 1979 als CDU-Stadtverordneter dem Rat der Stadt an. Er war Vorsitzender des Rechnungsprüfungsausschusses sowie des Beschlussausschusses des Rates. Die Stadt Mülheim ehrte ihn 1975 für seine langjährige Abgeordnetentätigkeit mit dem goldenen Ehrenring.[5]
Familie
Helmuth von Wedelstädt heiratete 1959 in Mülheim an der Ruhr Ingrid Krämer, die in erster, geschiedener, Ehe mit dem Oberstleutnant Norbert Tschäpe liiert war. Ingrid und Helmuth von Wedelstädt hatten einen gemeinsamen 1960 geborenen Sohn Dirk. Helmuth adoptierte im gleichen Jahr seinen Stiefsohn Joachim Tschäpe, der damals Theologie studierte. Ingrid war die Tochter der Margarete Busch und des Architekten Wilhelm Krämer (auch Wilhelm Kraemer-Mühlheim geschrieben).[6]
Genealogie (Auszug)
- Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Uradeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel. 1917. Achtzehnter Jahrgang-GGT/A, Justus Perthes, Gotha 1916, S. 935–937.
- Walter von Hueck, Friedrich Wilhelm Euler: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel). Band XIII, Band 60 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsche Adelsverbände und das Deutsche Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1975, ISSN 0435-2408, S. 507–510, S. 518.
Literatur
- Helmuth von Wedelstädt, In: Ralf Meindl: Ostpreußens Gauleiter. Erich Koch – eine politische Biographie. In: Einzelveröffentlichungen des DHI Warschau. 18; Fibre Verlag, Osnabrück 2007, ISBN 978-3-938400-19-7, S. 113. (Perspektive-Max-Weber-Stiftung. Titel.)
- Helmuth von Wedelstädt, In: Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. In: Fischer. 16048; Aktualisierte Ausgabe, 2. Auflage, Fischer-Taschenbuch-Verlag, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-596-16048-8, S. 658.
- Helmuth von Wedelstädt, In: Klaus Bürger (Hrsg.): Altpreußische Biographie. Band V-2, Elwert, Marburg/Lahn 2007, ISBN 978-3-7708-1301-8, S. 1981.
Weblinks
- Dokument: Helmut von Wedelstädt, Landeshauptmann, Chef der Zivilverwaltung für Zichenau "Bericht über die Tätigkeit des Chefs der Zivilverwaltung bei der 3. Armee - später Sonderstab Südostpreußen für den Bezirk Zichenau" 1939-1940. In: Bibliothek des Pilecki-Instituts in Warschau u. Berlin
Einzelnachweise
- ↑ Vgl. Literatur: Ralf Meindl: Ostpreußens Gauleiter. Fibre-Verlag, Osnabrück 2007, ISBN 978-3-938400-19-7, S. 113.
- ↑ Deutsches Beamtengesetz vom 26. Januar 1937. Hauptwerk/Nachtrag-In: Portal-DNB.
- ↑ a b Ernst Klee: Das Personenlexikon zum Dritten Reich. 2. Auflage, Fischer, Frankfurt am Main 2007, S. 658.
- ↑ Götz Aly: Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945. Band 2, Mit-Hrsg. Bundesarchiv, Institut für Zeitgeschichte (IfZ-München), Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2009, S. 102. Titel.
- ↑ Robert Albinus: Königsberg Lexikon. Würzburg 2002.
- ↑ Friedrich Paulsen, Rudolf Wellbier: Die Bauwelt. Zeitschrift für das gesamte Bauwesen. Organ der Reichs-Hoch-Bau-Normung, Heft 44-1927, Jahrgang 18, Verlag Ullstein, Berlin, Donnerstag, 3. November 1927, S. 1110.