Helmut Seckel

Helmut Seckel, (vollständiger Name Helmut Paul Georg Seckel; * 16. Mai 1900 in Berlin; † 13. April 1960 in Chicago) war ein deutsch-amerikanischer Kinderarzt und Hochschullehrer. Er war Erstbeschreiber des nach ihm benannten Seckel-Syndroms.

Leben

Seckel entstammte einer an bedeutenden Persönlichkeiten reichen Familie. Er wurde als erster Sohn des Juristen und Rechtshistorikers Emil Seckel und dessen Ehefrau Paula, geb. Hinschius, in Charlottenburg geboren.[1] Sein jüngerer Bruder war Dietrich Seckel, später Professor für ostasiatische Kunstgeschichte an der Universität Heidelberg. Helmut Seckel heiratete 1927 Margarete Felicia Blaschko (1902 bis 2003), eine Tochter des Dermatologen Alfred Blaschko und Schwester des Pharmakologen Hermann Blaschko.[2][3]

Helmut Seckel studierte von 1919 bis 1923 Medizin an den Universitäten Freiburg und Berlin, wo er 1925 mit einer Arbeit über erbliche Stoffwechselerkrankungen bei Diabetes mellitus promoviert wurde. Von 1925 bis 1931 arbeitete er als Assistenzarzt an den Universitätskliniken Berlin, Heidelberg, Hamburg und Köln. Seckel habilitierte sich 1932 in Köln bei Hans Kleinschmidt mit einer Arbeit zu Herz-Kreislauferkrankungen in der Pädiatrie. Von 1931 bis 1935 war er als Sekundärarzt an der Kölner Universitäts-Kinderklinik tätig.[4] Im selben Jahr wurde ihm seitens des ärztlichen Leiter der städtischen Gesundheitsverwaltung, zu der damals die Universität mit ihren Kliniken gehörte, nahegelegt, sich von seiner jüdischen Frau scheiden zu lassen, um seine Stellung in der Klinik zu behalten. Als Seckel sich weigerte, wurde er zum 30. September 1935 ohne Angabe von Gründen entlassen.[5] Daraufhin erfolgte 1936 die schon länger geplante Emigration in die USA. Helmut und Margarete Seckel ließen sich in Chicago nieder, wo er bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1960 Professor of Pediatrics an der University of Chicago School of Medicine war. 1943 wurde er US-amerikanischer Staatsbürger.[6][7]

Bedeutung

Helmut P. G. Seckel war einer der deutschen Wissenschaftler, deren Karriere in Deutschland durch das NS-Regime beendet wurde, der aber in den USA eine neue Heimat fand. Durch die Erstbeschreibung eines seltenen, angeborenen Minderwuchssyndroms, das als Seckel-Syndrom bekannt wurde und heute als Mikrozephaler Osteodysplastischer Primordialer Zwergwuchs Typ II (MOPDII) bezeichnet wird (historisch als Vogelkopf-Zwergwuchs), leistete er einen bleibenden Beitrag zu den medizinischen Wissenschaften.[8][9]

Werke

  • H.P.G. Seckel: Bird-Headed Dwarfs. Studies in Developmental Anthropology including Human Proportions. S. Karger Verlag, Basel — New York, 1960

Literatur

  • Seckel, Helmut. In: Michael Grüttner: Ausgegrenzt: Entlassungen an den deutschen Universitäten im Nationalsozialismus. Biogramme und kollektivbiografische Analyse, de Gruyter/Oldenbourg, Berlin/Boston 2023, ISBN 978-3-11-123678-0, S. 272.

Einzelnachweise

  1. Geburtsregister Charlottenburg I, Nr. 497/1900. In: Berlin-Charlottenburg , Deutschland, Geburtsregister, 1874-1908 für Helmut Paul Georg Seckel. Landesarchiv Berlin über Ancestry, 22. Mai 1900, abgerufen am 15. Dezember 2025 (deutsch).
  2. Eheschließung Helmut Paul Georg Seckel, Margarete Felicia Blaschko. In: Eheschließungsverzeichnis Grunewald Nr. 44/1927. Landesarchiv Berlin über Ancestry, 31. August 1927, abgerufen am 15. Dezember 2025 (deutsch).
  3. Margarete Felicia Blaschko auf Ancestry. Abgerufen am 15. Dezember 2025 (deutsch).
  4. Seckel, Helmut. In: Universität zu Köln, Galerie der Professorinnen und Professoren. Abgerufen am 15. Dezember 2025.
  5. Daniel Schäfer: Pädiatrische Netzwerke im „Dritten Reich“: Helmut Seckel und seine Kollegen aus der Universitätskinderklinik Köln. In: Monatsschrift Kinderheilkunde. Band 165, Nr. 12, Dezember 2017, ISSN 0026-9298, S. 1102–1108, doi:10.1007/s00112-016-0195-7 (springer.com [abgerufen am 15. Dezember 2025]).
  6. Suchergebnis der Datenbank Jüdische Kinderärztinnen und -ärzte. Archiviert vom Original am 15. Dezember 2025; abgerufen am 15. Dezember 2025.
  7. Burton J. Grossman: Helmut P. G. Seckel, 1900–1960. In: The Journal of Pediatrics. Band 57, Nr. 4, 1. Oktober 1960, ISSN 0022-3476, S. 638, doi:10.1016/S0022-3476(60)80108-4 (jpeds.com [abgerufen am 15. Dezember 2025]).
  8. H. Grebe. Buchbesprechung von Seckel, H.P.G.: Bird-Headed Dwarfs. Studies in Developmental Anthropology including Human Proportions. Acta Geneticae Medicae et Gemellologia. 1960: 9(3):384 Link
  9. Michael B. Bober, Andrew P. Jackson: Microcephalic Osteodysplastic Primordial Dwarfism, Type II: a Clinical Review. In: Current Osteoporosis Reports. Band 15, Nr. 2, April 2017, ISSN 1544-2241, S. 61–69, doi:10.1007/s11914-017-0348-1, PMID 28409412, PMC 5561166 (freier Volltext) – (nih.gov [abgerufen am 15. Dezember 2025]).