Helmut Maximilian Gruber-Ballehr
Helmut Maximilian Gruber-Ballehr (Künstlername Ballehr; * 21. Juni 1939 in München; † 19. August 2023 in Schwäbisch Gmünd) war ein deutscher Maler, Grafiker und Kunsthistoriker. Er lebte und arbeitete in Schwäbisch Gmünd.
Leben
Helmut Maximilian Gruber-Ballehr wuchs mit seiner zwei Jahre jüngeren Schwester Hildegard in Neumarkt-Sankt Veit auf.[1.1] Bei seinem Abitur am Gymnasium in Pfarrkirchen erhielt er 1959 einen Sonderpreis für herausragende Leistungen im Fach Bildende Kunst.[1.2]
Nach seiner Militärzeit begann er 1962 ein Studium der Pädagogik und Kunst, zunächst in München, anschließend an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart,[1.2] wo er unter anderem bei Hugo Peters, Christoff Schellenberger, Rudolf Yelin und Hans Fegers studierte. Dort legte er 1969 das Staatsexamen ab. An der Kunstakademie lernte er auch seine spätere Ehefrau Almuth kennen, die wie er ein Lehramtsstudium im Fach Kunst absolvierte.[1.2]
Von 1969 bis 1972 studierte er Kunstgeschichte an der Eberhard Karls Universität Tübingen bei Günter Bandmann, Georg Scheja und Donat de Chapeau Rouge. 1978 wurde er mit einer Dissertation zum Thema „Die Bauten der Museums- und Harmoniegesellschaften in Südwestdeutschland. Studien zum Gesellschaftsbau im 19. Jahrhundert“ promoviert.
Von 1972 bis 1980 war er befristet als Kunstdozent an der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd tätig. Er bewarb sich erfolgreich auf eine Professur an der Pädagogischen Hochschule Weingarten, die jedoch nachträglich vom Kultusministerium gestrichen wurde. Infolgedessen war er ab 1980 als Lehrer tätig und unterrichtete – wie seine Ehefrau Almuth – Kunst an Gymnasien in der Region um Schwäbisch Gmünd.[1.3] Seine Schüler und Studenten bezeichneten ihn als tolerant, großzügig und inspirierend, aber – was künstlerische Kriterien und Maßstäbe betraf – anspruchsvoll bis streng.[1.3]
Seit 2004 arbeitete er als freischaffender Maler, Grafiker und Kunsthistoriker.
Mit seiner Ehefrau Almuth, mit der er seit 1970 verheiratet war, hatte er drei Kinder: Verena (* 1974), Uta (* 1977) und Gero (* 1983). Seit 1974 lebte er mit seiner Familie im eigenen Haus in Schwäbisch Gmünd-Straßdorf,[1.4] wo sich auch sein Atelier befand.
Ballehr starb am 19. August 2023 im Alter von 84 Jahren. Er wurde auf dem Friedhof der Kirche Alt-St. Cyriak in Straßdorf in einem Familiengrab bestattet.[2]
Werk
Sein Frühwerk während der Studienzeit war weitgehend abstrakt. Anfang der 1980er Jahre gewann die figurative Darstellung, insbesondere die Aktmalerei, zunehmend an Bedeutung.[1.5] 1983 erhielt Ballehr beim Wettbewerb des Württembergischen Kunstvereins zum Thema „Zeitzeichen“ den ersten Preis für das Gemälde „Pietà Rondanini“, das seiner Bildreihe „Ecce Homo“ zuzuordnen ist.[1.6]
Ab den 1990er Jahren trat das Stillleben verstärkt in seinem Œuvre hervor. An seinem ersten Stillleben „Farbe ist ein Hauch“ arbeitete er vier Jahre lang. Mit der aus zwölf großformatigen Gemälden bestehenden Reihe „Genesis“ widmete er sich dem Wesen des Lichts.[1.7] 2007 entstand innerhalb dieser Werkreihe ein monumentales Gemälde von fünfzehn Metern Länge und fünf Metern Höhe, das im Gmünder Heilig-Kreuz-Münster ausgestellt wurde.[1.8]
In den 1990er und 2000er Jahren wirkte Ballehr im Gmünder Arbeitskreis Schattenspiel mit und war an der Konzeption und Organisation der alle drei Jahre stattfindenden Schattentheater-Festivals in Schwäbisch Gmünd beteiligt.[1.9]
Seine Studienreisen führten ihn in zahlreiche Länder Europas und Asiens, darunter nach England, Frankreich, Italien, Spanien, Griechenland, Norwegen, China, Ägypten, Usbekistan und Japan. Einen längeren Aufenthalt hatte er in Duschanbe (Tadschikistan). Er war für Schwäbisch Gmünd als „Botschafter“ der Stadt für Bildende Kunst in den Partnerstädten Bethlehem (USA) und in Székesfehérvár (Ungarn) aktiv, wo er sich auch als Artist in Residence aufhielt. In Székesfehérvár erhielt er 2006 im Rahmen eines internationalen Künstlersymposions den ersten Preis.[1.9]
2013 entwickelte Ballehr die Idee des Gmünder Stauferfrieses. Das 60 Meter lange, aus Edelstahl geschnittene Kunstwerk stellt den Einzug des letzten Staufers Konradins in Schwäbisch Gmünd im Jahr 1266 dar und nimmt innerhalb seines Œuvres eine besondere Stellung ein, da es als dauerhaftes Kunstwerk im öffentlichen Raum realisiert wurde.[1.9] Die Montage des Frieses begann im Juli 2022 mit einem 33 Meter langen Teilabschnitt. Die Fertigstellung im Mai 2024 erlebte der Künstler nicht mehr.
Ausstellungen (Auswahl)
- 1980: Kunstverein, Stuttgart
- 1982: Kunstforum, Bad Cannstatt
- 1983: Galerie Johanning, Mannheim
- 1986: Wettbewerb, Köngen
- 1987: Haus der Kunst, München
- 1988: Verband Bildender Künstler Württemberg, Osnabrück
- 1988: Kunstgebäude, Duschanbe (Tadschikistan)
- 1988: Haus der Freundschaft, Moskau (Russland)
- 1989: Forum II, München
- 1990: Galerie Kanold und Tallen, München
- 1991: Galerie Videmus, Freiburg im Breisgau
- 1992: Lukaskirche, München
- 1993: Teehaus, München
- 1993: Martinskirche, Sindelfingen
- 1995: Reichenauer Künstlertage, Insel Reichenau
- 1996: Kloster Schöntal
- 1998: Kunstverein, Ellwangen (Jagst)
- 1999: Johanniskirche, Schwäbisch Gmünd
- 2001: Kulturzentrum, Bethlehem (USA)
- 2003: Merkurbank, München
- 2006: Städtische Galerie, Székesfehérvár (Ungarn)
- 2007: Herz-Jesu-Kirche, Stuttgart
- 2008: Rathausgalerie, Aalen
- 2010: Galerie Kanold und Tallen, München
- 2012: Münster St. Paul, Esslingen am Neckar
- 2013: „Forum Gold und Silber“, Schwäbisch Gmünd
- 2014: Kornhaus, Galerie des Gmünder Kunstvereins, Schwäbisch Gmünd
- 2017: Jahresausstellung Kunstverein, Schwäbisch Gmünd
- 2019: Museum im Prediger, Schwäbisch Gmünd
- 2019: Villa Seitz, Schwäbisch Gmünd
Galerie
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Abschied des Lichts, Öl auf Leinwand, 1980, 100 × 200 cm
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Im Königsmantel, Öl auf Leinwand, 1991, 100 × 130 cm
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Weiblicher Akt, Kreide auf Papier, 1995, 70 ×100 cm
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Licht nichts als Licht, Öl auf Leinwand, 2008, 80 × 100 cm
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Übergabe des Gmünder Stauferfrieses am 15. Juni 2024: OB Richard Arnold erhält den symbolischen Schlüssel von Almuth Gruber-Ballehr.
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Gmünder Stauferfries, Edelstahl, 2024, 60 × 4 m
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Grab auf dem Friedhof der Kirche Alt-St. Cyriak in Straßdorf.
Publikationen
- Die Bauten der Museums- und Harmoniegesellschaften in Südwest-Deutschland, Studien zum Gesellschaftsbau im 19. Jahrhundert. Tübingen 1978.
- mit Gabriele Holthuis (Hrsg.): Ballehr – Dichte und Licht. Einhorn-Verlag, Schwäbisch Gmünd 2011, ISBN 978-3-93637368-4.
Literatur
- Stauferfries e. V. (Hrsg.): Ballehr: Der Stauferfries. Schwäbisch Gmünd 2019 (2. Auflage).
- Martin Winter: Ein Nachruf auf den Gmünder Künstler Helmut Gruber-Ballehr. In: einhorn Jahrbuch 2025, Schwäbisch Gmünd 2025, S. 243–252.
Weblinks
- Literatur von und über Helmut Maximilian Gruber-Ballehr im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Website von Helmut Gruber-Ballehr
- Gmünder Stauferfries auf stauferstelen.net.
Einzelnachweise
- ↑ Martin Winter: Ein Nachruf auf den Gmünder Künstler Helmut Gruber-Ballehr. In: einhorn Jahrbuch 2025, Schwäbisch Gmünd 2025, S. 243–252.
- ↑ Todesanzeige. In: ostalbtrauer.de. Abgerufen am 16. Oktober 2023.