Helmut Hofmann (Architekt)

Helmut Hofmann (* 9. Februar 1907 in Konstadt, Schlesien; † 5. Dezember 2006 in Georgenborn) war ein deutscher Architekt und Künstler.

Ausbildung und erste Tätigkeiten

Hofmann begann 1922 eine Maurer-Lehre in Oppeln und wurde 1924 Geselle. Ab 1925 besuchte er die Baugewerkschule in Breslau. Damit bekam er eine Ausbildung in Konstruktion, Materialkunde, Ausschreibung und Kalkulation und in der Bauleitung. Aufstiegsorientiert besuchte Hofmann anschließend die Staatliche Akademie für Kunst und Kunstgewerbe Breslau, die von Hans Poelzig zu einer der wichtigsten Hochschulen entwickelt worden war und die in ihren Werkstätten schon nach Prinzipien des späteren Bauhauses arbeitete. Als Lehrer für Architektur wirkten hier Adolf Rading und Hans Scharoun. Auch außerhalb der Akademie galt Breslau in Bezug auf moderne Architektur zu dieser Zeit als fortschrittliche Stadt. 1928 begann Hofmann dieses Architektur-Studium, das er sich als Zeichner von Schaubildern für den Breslauer Kunstverein finanzierte. Er arbeitete als Angestellter im Architekturbüro von Paul Häusler, das 1929 mit einem Doppelhaus an der entstehenden Werkbundsiedlung Breslau, WuWa, beteiligt war.

Hofmann war zu dieser Zeit eingebunden in die Avantgarde der Architekten in Schlesien. Doch der Zusammenbruch des Bauwesens in der Ende 1929 einsetzenden Weltwirtschaftskrise machte ihn arbeitslos. Er schlug sich fortan mit Arbeiten als Maurer, als Schaufensterdekorateur und als Stehgeiger in Hinterhöfen durch.

1932 bekam Hofmann den Auftrag, Bestandspläne vom Gebäude der Breslauer Akademie zu erstellen, die von der Regierung geschlossen worden war. Dann wurde er technischer Leiter in einem kleinen Bauunternehmen in Saarau. Hier beauftragte ihn 1933 ein Kunde mit der Planung eines Neubaus. So begann Hofmanns erste freischaffende Tätigkeit. Als der Bau 1935 fertig gestellt war, bedeutete das für Hofmann wieder Auftragsmangel.

Er wurde in den Bund Deutscher Architekten (BDA) berufen, durch die Gleichschaltung des BDA 1934 wurde Hofmann Mitglied in der Reichskammer der bildenden Künste.

1936 wurde Hofmann in der Bauabteilung des Reichsluftfahrtministeriums in Berlin angestellt. Als er und sein Kollege Hanns Hörich 1938 dienstverpflichtet werden sollten, kündigten sie und machten sich als Architekten selbstständig. 1940 wurde Hofmann zur Wehrmacht eingezogen. Zuletzt war er Panzerkommandant in Italien. Nach der Befreiung des Landes kam er dort in Kriegsgefangenschaft, aus der er zurück nach Berlin floh.

Nach dem Krieg

Durch den Krieg hatte Hofmann seine Frau und den Wohnsitz verloren. Er zog nach Thurnau. In Hattersheim gründete er gemeinsam mit einem Buchhändler die Kunst- und Bücherstube Martin Tolksdorf, Hofmann war dabei für die Themen Kunst und Kunstgewerbe zuständig. Man riet ihm, sich wegen der Wohnungsnot besser um architektonische Aufgaben zu bewerben. So gründete Hofmann an diesem Ort sein nunmehr drittes Architekturbüro. Er begann 1948 mit Siedlungsbauten für Heimatvertriebene. Dabei ließ er den Maler Siegfried Reich an der Stolpe (1912–2001) auf der Giebelwand einer Hauszeile das Sgraffito des Rathauses von Breslau ausführen.

Hofmann konnte seine Bauten den knappen Mitteln der Zeit anpassen. Daher wurden seine Grundrisse schon bald in Fachzeitschriften des Bauwesens publiziert, und seine Bauten wurden in einem „Ratgeber für Bausparer“ Anfang der 1950er Jahre als beispielhaft vorgestellt. Für die 2. Auflage dieses Ratgebers 1953 wurde er mit dem Entwurf von Typengrundrissen beauftragt. Hofmann konnte mit diesen Entwürfen an die zwangsweise abgebrochene Entwicklung der neuen Architektur der 1920er und frühen 1930er Jahre anknüpfen.

Seine eigene Architektentätigkeit gewann nun deutlich an Umfang. Neben Wohnhäusern plante und baute er Verwaltungsgebäude, Sparkassen und Banken, Bauten des Gesundheitswesens, Schulen, Gemeindehäuser, Friedhofshallen und Kirchen. Dabei zog Hofmann nach Möglichkeit freischaffende Künstler zur Mitarbeit heran. Er gehörte zum Freundeskreis um die Kunsthändlerin Hanna Bekker vom Rath in Hofheim am Taunus und richtete auch einige Kunstausstellungen aus. Schließlich zog Hofmann 1967 nach Schlangenbad-Georgenborn. Er erwarb dort die Ruine der Remise von Schloss Hohenbuchau, das schon abgerissen war, und stellte sie wieder her. Dabei verband er alte, aber erneuerte Substanz mit modernen Elementen. In Anerkennung seines denkmalpflegerischen Umgangs mit dem Gebäude beauftragte man ihn mit der Wiederherstellung und Erweiterung des Kurhauses in Bad Schwalbach, das von Philipp Hoffmann erbaut worden war.

Nachdem Hofmann altersbedingt die Architektentätigkeit aufgegeben hatte, betätigte er sich als bildender Künstler. Gezeichnet und gemalt hatte er schon sein Leben lang, jetzt entdeckte er eine ihm besonders zusagende Kunstform, die Collage. Hofmann verwendete als Material die Tapeten-Musterbücher aus den Werkstätten von Le Corbusier, des Bauhauses und des Deutschen Werkbunds sowie der Rasch-Kollektionen. Diese Arbeiten Hofmanns wurden vielerorts ausgestellt. Vom Stil her gestaltete er die Collagen mit der Zeit zunehmend freier, die berufliche Herkunft des Künstlers aus der Architektur und vom Städtebau her war gut erkennbar.

Werk

  • Trauerhalle des Waldfriedhofs in Schwalbach, Limesstadt
    Die Trauerhalle steht auf dem höchsten Punkt des Friedhofs und wird durch ihr tief herabgezogenes, schiefergedecktes Dach geprägt. Die abfallende Dachlinie bildet über dem Eingang ein dreieckiges Vordach, die Schräge wird von einer Betonstrebe aufgenommen und zum Boden geführt und endet dort in einer Staudeninsel. Der Eingangsbereich ist mit zwei quadratischen Doppeltüren und verglasten Wandsegmenten gestaltet; die dreieckige Rückfront ist zwischen der fächerförmigen Verstrebung verglast. Schmale, abgewinkelte Pfeiler bilden den Glockenstuhl für die Friedhofsglocke.[1]

Literatur

  • Helmut Müller-Wellborn (Hrsg.): Die ideale Wohnung. Ein Ratgeber für zeitgemässe Wohnungseinrichtung. (unter Mitarbeit von Eva Windmüller und Helmut Hofmann) 2. Auflage, Bonn 1953.
  • Rolf Schmidt (Hrsg.): Helmut Hofmann. Architekt und Künstler. Student an der Kunstakademie Breslau 1928–1929. [Helmut Hofmann, architekt i artysta, student Akademii we Wrocławiu 1928-1929.] (Ausstellungskatalog zur gleichnamigen Ausstellung, Wrocław 1999) Deutscher Werkbund Hessen, Frankfurt am Main 1999.

Einzelnachweise

  1. Online, mit Bildern