Heliocentric Worlds Vol. 3 (The Lost Tapes)
| Heliocentric Worlds Vol. 3 (The Lost Tapes) | ||||
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| Studioalbum von Sun Ra | ||||
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Veröffent- |
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Aufnahme |
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| Label(s) | ESP-Disk | |||
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Format(e) |
CD, Download | |||
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Titel (Anzahl) |
5 | |||
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35:47 | ||||
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Besetzung |
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Studio(s) |
RLA Studios, New York City | |||
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Heliocentric Worlds Vol. 3 (The Lost Tapes) ist ein Musikalbum von Sun Ra. Die am 16. November 1965 in den RLA Studios in New York City entstandenen Aufnahmen erschienen 2005 auf ESP-Disk.
Hintergrund
Die Aufnahmen von 1965, aus denen die ersten beiden Teile der LPs The Heliocentric Worlds hervorgingen, fielen in die experimentellste Phase von Sun Ras Karriere, zeitgleich mit The Magic City (Saturn Records). The Heliocentric Worlds of Sun Ra, Vol. 1, im April mit einer elfköpfigen Band aufgenommen, besteht aus sieben relativ kurzen Stücken; hier beschritt Sun Ra neue Wege, indem er die Arkestra-Musiker auch Perkussion spielen ließ. The Heliocentric Worlds of Sun Ra, Volume 2, am 16. November 1965 in einer Oktett-Besetzung des Arkestra aufgenommen, enthielt das LP-seitenlange „The Sun Myth“ und das 15-minütige „Cosmic Chaos“. Als das Label ESP-Disk im Jahr 2005 die Veröffentlichung neuer Alben wieder aufnahm, entdeckte Sun Ras Archivar Michael D. Anderson fünf weitere Titel aus der November-Session, aus denen ein Volume 3 erstellt wurde.
Die bislang unveröffentlichte Aufnahmen galten über 35 Jahre lang als verschollen; die Bänder wurden ESP-Disk zur Verfügung gestellt. Aufgrund von Beschädigungen an einem Teil des Bandes musste etwa eine Minute Musik entfernt werden.
Titelliste
- Sun Ra: Heliocentric Worlds Vol. 3 (The Lost Tapes) (ESP-Disk 4002)[1]
- Intercosmosis 17:03
- Mythology Metamorphosis 4:15
- Heliocentric Worlds 4:16
- World Worlds 5:07
- Interplanetary Travelers 5:06
Die Kompositionen stammen von Sun Ra.
Rezeption
Nach Ansicht von Mark Corroto, der das Album in All About Jazz rezensierte, enthält Volume 3 in seinen nur knapp 36 Minuten Spieldauer doch einige interessante und überraschende Musikstücke. Die Aufnahme würde mit dem sparsamen „Intercosmosis“ beginnen, in dem John Gilmore seinen charakteristischen Tenorsaxophonklang um eine abstrakte Melodie forme. Sun Ra und Bassist Ronnie Boykins setzten mit einer repetitiven Linie ein, die die Energie zusätzlich unterstreiche. Das perkussionsreiche „Mythology Metamorphosis“ enthalte ein kurzes, fast schlangenbeschwörendes Altsaxophon-Solo von Marshall Allen, bevor Boykins’ Solo das Stück abrunde. Die drei verbleibenden Stücke, jedes etwa fünf Minuten lang, würden einen Einblick in Ras schwer fassbare Live-Auftritte geben. In „Heliocentric Worlds“ wechsle er vom Klavier zu einem seiner frühen E-Pianos, ebenso wie in „World Worlds“, wo er abwechselnd elektrisch und akustisch spiele. Das abschließende „Interplanetary Travelers“ biete eine viel zu kurze, energiegeladene Jam-Session von Sun Ra.[2]
Die wirklich bahnbrechende Neuigkeit [bei der Wiederveröffentlichung von Vol. 1-2 der Heliocentric Worlds] sei jedoch Volume 3 gewesen, meint Derek Taylor (Dusted). Unter dem Titel „The Lost Tapes“ würde es Material bieten, das in keiner der früheren ESP-Disk-Veröffentlichungen erhältlich war. Das Herzstück bilde ein siebzehnminütiges, episodisches Abenteuer mit Solopassagen von Gilmore, Patrick und Allen, die jeweils in intensiver und exemplarischer Form von Ra, Boykins und Blank in verschiedenen Kombinationen begleitet werden. Ausbrüche vielschichtiger Bläser-Polyphonie würden die fulminanten Improvisationen einrahmen. In der Mitte des Stücks münde das Spiel in eine energiegeladene, kraftvolle Improvisation von Ra, während die Bläser für ein fulminantes Finale mit einer verträumten Coda zusammenlaufen.[3]
Die verbleibenden vier Stücke würden einen Mikrokosmos der musikalischen Vielfalt bilden. Das stimmungsvolle Perkussionssystem von „Mythology Metamorphosis“ diene als Vehikel für Ras gestimmte Bongos und Marimba. Allens nasales Oboe-Spiel und ein kraftvolles Pizzicato-Fundament von Boykins würden dem Stück zusätzliche Tiefe verleihen. „Heliocentric Worlds“ und „World Worlds“ wirkten wie unveröffentlichte Stücke eines früheren Arkestra-Albums aus den 1960ern (etwa wie von Fate in a Pleasant Mood oder The Nubians of Plutonia), mit strukturierten Themen und Soli, die von Bläsern und Ras hellen akustischen und elektrischen Akkorden zwischen flächenhaften, beckenlastigen Perkussionsklängen durchzogen seien. Auf „Interplanetary Travelers“ nutze Ras verschiedene Keyboards als Mittelpunkt einer grandiosen, wenn auch kurzen, „Saturnalie“ dissonanter Bläserklänge und eines dichten, brodelnden Zusammenspiels.[3]
Weblinks
- The Heliocentric Worlds of Sun Ra, vols. 1-3 von Sun Ra. In: Bandcamp. Abgerufen am 1. Januar 2026 (englisch).
- Listung des Albums bei AllMusic (englisch). Abgerufen am 2. Januar 2026.
Einzelnachweise
- ↑ Sun Ra: Heliocentric Worlds Vol. 3. In: Discogs. Abgerufen am 1. Januar 2026 (englisch).
- ↑ Mark Corroto: Sun Ra: Heliocentric Worlds Vol. 3. In: All About Jazz. 21. Mai 2005, abgerufen am 1. Januar 2026 (englisch).
- ↑ a b Derek Taylor: Sun Ra: Heliocentric Worlds, Vols. 1-3. In: Dusted. 23. Mai 2005, abgerufen am 1. Januar 2026 (englisch).