Helenenhof (Chemnitz)

Der Helenenhof im Stadtviertel Kaßberg von Chemnitz ist eine Wohnanlage in geschlossener Bebauung. Er entstand zwischen 1926 und 1927 als sozial motivierter Großsiedlungsbau und ist als Sachgesamtheit sowie mit drei Wohnhauszeilen als Einzeldenkmalen geschützt. Der Helenenhof galt in den 1920er Jahren als wegweisend für das Neue Bauen in der Industriestadt.[1]

Lage und Baubeschreibung

Das Bauwerk umfasst den Südteil eines Straßenblocks mit den drei Hauszeilen Erich-Mühsam-Straße 2–10 im Westen, Walter-Oertel-Straße 44–50 im Süden (jeweils gerade Nummern) und Georg-Landgraf-Straße 1–5 (ungerade Nummern) im Osten.

Über U-förmigem Grundriss wurde das viergeschossige Gebäude mit 132 Kleinwohnungen und vier Läden an den Ecken der Wohnanlage errichtet.[2] Es umschließt einen Wohnhof, der mit Vorgärten und einem Erschließungsweg in Klinkerpflaster auch ein Gartendenkmal darstellt. Die 116 Meter lange Hauptfront mit einem zentralen Torbau an der Walter-Oertel-Straße zeigt akzentuierte Ecken durch diagonal gestellte Eckrisalite. Der Torbau hat vier Fensterachsen, die ebenfalls fünfgeschossigen Risalite jeweils zwei. Erstes und zweites Obergeschoss zeigen dreieckige Erker, während auf der Hofseite fünfgeschossige Treppentürme über dreieckigem Grundriss angelegt sind. Zwischen den Risaliten weist das Dachgeschoss Gauben auf. Bei der Sanierung wurde der zweifarbige Anstrich wiederhergestellt und die Farbgebung mit den Denkmalschutzbehörden abgestimmt. Die neuen Fenster sind alle wie die historischen Vorbilder geteilt. Der zentrale Torbogen trägt in Versalien die Inschrift „1926 Helenenhof 1927“ und zeigt sechs Skulpturen, die Bauhandwerker und einen Architekten darstellen. Die Innentüren stammen noch aus den 1920er-Jahren.[3]

Die expressionistische Formensprache gilt als „zurückhaltend“ und zeigt „traditionalistische Akzente“ aber auch Stilelemente des Art déco.[1]

Geschichte

Bauherr der Wohnanlage war die Zentralbaugesellschaft, ein Zusammenschluss von Handwerkern und Architekten. Namensgebend war die ehemalige Helenenstraße, die spätere Walter-Oertel-Straße. Die Pläne erstellte das Architekturbüro (Willi) Jänicken und Puschmann. Die erste Planung sah 1926 einen aufwändiger gestalteten Kopfbau mit sechs Geschossen vor.[4] Errichtet wurde der Komplex in den Jahren 1926 und 1927.[1] Gotthold Puschmann entwarf fünf Jahre später das ebenfalls denkmalgeschützte Mietshaus Henriettenstraße 57 für die Zentralbau GmbH.

Die Bauakten wurden 1945 durch Feuer zerstört. Durch Bombentreffer in der Nachbarschaft entstanden Schäden an den Gebäuden des Helenenhofs. Bei der Reparatur wurde nur das Nötigste gemacht, Gesimse entfernt und der originale Putz durch einen grauen Kalkzement-Putz ersetzt. Die Wohnanlage wurden von 2001 bis 2003 umfassend saniert.[1][3]

Seit Februar 1991 ist der Stadtteil Kaßberg als Flächendenkmal mit etwa 480 Bauwerken geschützt (ID 09302636). Der Helenenhof wurde als Sachgesamtheit (ID 09302627) sowie in drei Einzeldenkmalen (ID 09204522–09204524) vom Landesamt für Denkmalpflege Sachsen unter Schutz gestellt.

Vor der Walter-Oertel-Straße 46 wurden 2024 drei Stolpersteine für Hersz, Recha und Ingrid Rappel (geboren 1896, 1891 und 1921) verlegt. Das Ehepaar wurde 1938 bei der Polenaktion abgeschoben und konnte 1939 nach Italien fliehen, der Tochter gelang 1938 die Flucht nach England.

Siehe auch

Literatur

Commons: Helenenhof (Chemnitz) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege

  1. a b c d ag-geschichte-kassberg-altendorf-schlosschemnitz.de: Siedlung „Helenenhof“. Abgerufen am 20. November 2025.
  2. Georg Dehio et al.: Sachsen II. Regierungsbezirke Leipzig und Chemnitz. S. 133.
  3. a b bba-online.de: Helenenhof in Chemnitz: Baudenkmal mit Wohnqualität. Zurück zur Farbe. Vom 4. August 2004, abgerufen am 20. November 2025.
  4. Anzeige der Architekten in: Das Buch der Stadt Chemnitz. Chemnitz / Dresden 1926. Abgebildet in Siedlung „Helenenhof“.

Koordinaten: 50° 50′ 2,8″ N, 12° 53′ 56,6″ O