Helene Wagner (Politikerin)
Clara Marie Helene Wagner (geborene Andrä am 17. Juni 1870 in Mittweida; gestorben am 21. Dezember 1945 in Chemnitz) war eine deutsche Frauenrechtlerin, Politikerin der SPD und Abgeordnete im Sächsischen Landtag.
Leben
Helene Andrä wurde am 17. Juni 1870 in Mittweida geboren. Ihre Mutter war Auguste Marie Andrä, ihr Vater ist nicht bekannt. Sie ging im Alter von 18 Jahren nach Chemnitz und arbeitete dort als Hausangestellte. Im Jahr 1899 heiratete sie den Eisendreher Max Wagner. Dieser war Witwer und brachte vier Kinder in die Ehe. Helene Wagner war nun Hausfrau und arbeitete in Heimarbeit als Näherin.[1]
Wagner engagierte sich im Deutschen Textilarbeiterverband und im Verband der Hausangestellten. In Chemnitz leitete sie die Zweigstelle des Verbandes der Hausangestellten. Sie setzte sich für die Verbesserung der beruflichen Bedingungen vor allem von Frauen ein und war in der Frauenarbeit der SPD lokal und überregional tätig. Als Delegierte nahm sie an Parteitagen und Frauenkonferenzen teil und sie verfasste Artikel für die sozialdemokratische Frauenzeitung Die Gleichheit.[1]
Während des Ersten Weltkriegs kümmerte sie sich um die Verbesserung der Versorgung der Bevölkerung mit bezahlbaren Lebensmitteln. Sie arbeitete in einer Konsumgenossenschaft und im Kriegsausschuss für Konsumenteninteressen. In der Preisprüfungsstelle der Stadt Chemnitz nutzte sie ihre Möglichkeiten um den starken Preissteigerungen entgegenzutreten. Sie wurde 1916 in den Frauenbeirat des Kriegsernährungsamtes gewählt.[1]
Frauenwahlrecht und Mitbestimmung
Helene Wagner sprach am 19. März 1911, einem internationalen Aktionstag für das Frauenwahlrecht, in Leipzig vor mehr als 3.000 Zuhörerinnen. Dort forderte sie in ihrer Rede die Mitbestimmung von Frauen in allen Bereichen der Gesellschaft. Als Frauen das Wahlrecht bekommen hatten und 1919 erstmals kandidieren durften, wurde Wagner sowohl in die Sächsische Volkskammer als auch in die Chemnitzer Stadtverordnetenversammlung gewählt. Sie blieb eine Wahlperiode, bis Dezember 1920, in der Stadtverordnetenversammlung, und bis 1926 war sie Landtagsabgeordnete.[1]
Im Sächsischen Landtag gab es damals eine instabile politische Situation. Zwei Minderheitsregierungen wurden angestrebt, beide scheiterten. So entschloss sich die Mehrheit der SPD-Abgeordneten, zu der auch Wagner gehörte, im Januar 1924 eine Koalition mit den bürgerlichen Parteien Deutsche Demokratische Partei und Deutsche Volkspartei einzugehen. Dies geschah gegen den Willen der sächsischen SPD. Alle Abgeordneten, die diesen Schritt mitgegangen waren, wurden im April 1926 aus der Partei ausgeschlossen. Sie gründeten die Alte Sozialdemokratische Partei Sachsens (ASPS), die sich 1932 wieder auflöste, um sich erneut der SPD anzuschließen.[1]
Bei der Landtagswahl 1926 kandidierte Wagner erfolglos für die ASPS und musste deshalb aus dem Landtag ausscheiden. Über ihr weiteres Leben nach dem Ausscheiden aus dem Landtag ist wenig bekannt. In einem Nachruf wird gesagt, dass sie „In den zwölf Jahren der Naziherrschaft hat sie es erleben müssen, wie alles, was sie in den vielen Jahren mit aufgebaut und geschaffen hatte wieder in Trümmer ging“. Nach dem Krieg wollte Wagner beim Aufbau einer örtlichen SPD-Frauengruppe mitarbeiten, jedoch starb sie bereits am 21. Dezember 1945 in Chemnitz.[1]
Helene Wagner wurde in Chemnitz mit einem frauenort geehrt.