Helene Höhnk

Gesche Helene Höhnk (* 3. Februar 1859 im Sophienkoog bei Marne; † 27. März 1944) war eine deutsche Heimatforscherin.

Leben

Höhnk war die Tochter des wohlhabenden Hofbesitzers in Dithmarschen Hans Jacob Höhnk (1829–1875) und seiner Frau Rebekka Margaretha Elisabeth geb. Ufen (1838–1912). Sie war das älteste von insgesamt sieben Kindern. 1865 wurde sie in Helserdeich eingeschult. Als Schülerin erlebte sie die Inkorporierung Schleswig-Holsteins in den Norddeutschen Bund 1866 und den Deutsch-Französischen Krieg 1870/71. Von 1870 bis 1874 besuchte sie die Privatschule Dr. Hartmann in Marne. Nach dem Tod des Vaters 1875 wurde ihr Wunsch, Lehrerin zu werden, von ihren Vormündern abgelehnt. Stattdessen erhielt sie eine hauswirtschaftliche Ausbildung auf verschiedenen Höfen und Gütern in Schleswig-Holstein. 1881 zog sie nach Dresden, wo sie Museen, Theater und Vorträge besuchte. Höhnk ging 1883 nach London, um Englisch zu lernen. Ein Jahr später besuchte sie ein katholisches Klosterinstitut in Paris. Noch 1884 begann sie in Genf zu studieren. Als Frau war ihr das zu dieser Zeit an keiner Hochschule in Deutschland möglich. 1885 kehrte Höhnk nach Marne zurück. Sie reiste 1887 nach Kopenhagen. 1888 nahm Höhnk an einem Hebammenkurs teil. Von 1889 bis 1894 betreute Höhnk an Mutterstelle einen jüngeren Bruder. Dieser war vom Detlefsengymnasium in Glückstadt beinahe relegiert worden, weil er Karl Marx und Ferdinand Lassalle gelesen und mit Mitschülern über seiner Lektüre diskutiert hatte. 1890 nahm sie auch an der Gründungsversammlung des Allgemeinen Deutschen Lehrerinnenvereins (ADF) teil, bei der sie Helene Lange kennenlernte, mit der sie eine jahrelange Brieffreundschaft verband. 1894 lernte Höhnk in Berlin die Ziele der Frauenbewegung kennen. Sie reiste später nach Stockholm, Lund und Upsala.

1899 besuchte Höhnk in Jena einen Lehrkurs für Bibliothekswissenschaft. Sie gilt damit als erste wissenschaftliche Bibliothekarin in Deutschland. Danach besuchte sie in Heidelberg einen Kursus für Archivare. In der Folge ordnete und verzeichnete sie in Schleswig-Holstein zahlreiche Kommunalarchive und Gutsarchive sowie Privatbibliotheken, so in Itzehoe und Heide. 1904 wurde Höhnke als Katalogisierungshilfskraft beim Aufbau der Warburg-Bibliothek in Hamburg angestellt.[1] Außerdem erarbeitete sie eine Reihe von Familiengeschichten und Stammbäumen. In der Lokalpresse veröffentlichte Höhnk eine Vielzahl von landeskundlichen, lokalhistorischen und literarischen Beiträgen. Sie schrieb zudem für die Zeitschrift Dithmarschen des von ihr mitbegründeten Vereins für Dithmarscher Landeskunde.[2] Bis zur Gleichschaltung durch den Nationalsozialisten im Jahre 1933 war sie Schriftleiterin der Zeitschrift. Bis Anfang der 1930er Jahre arbeitete sie in verschiedenen Archiven in Schleswig-Holstein und publizierte zu pädagogischen Themen und zur schleswig-holsteinischen bzw. dithmarscher Familiengeschichte. 1911 erlitt sie einen Schlaganfall, der sie halbseitig lähmte. Nach dem Schlaganfall begann Höhnk mit der Niederschrift ihrer bis heute unveröffentlichten „Lebenserinnerungen“. Ab 1926 lebte sie wieder in Marne. Anfang 1944 musste Höhnk in ein Altersheim nach Büsum umziehen, wo sie im März des gleichen Jahres starb. Beerdigt wurde Helene Höhnk auf dem Friedhof in Kronprinzenkoog.

Höhnk sah sich selbst als Teil der bürgerlichen Frauenbewegung und war Mitglied im Deutschen Frauenverein Reform. Zu mehreren Vertreterinnen der Frauenbewegung hatte sie engeren Kontakt, so zum Beispiel zu Marie Stritt, Anita Augspurg und Natalie von Milde. 1919 gründete Helene Hönk als überzeugte Antidemokratin einen eigenen Wahlverein der Frauen in Oldesloe, die Deutschnationale Frauenpartei. Sie sympathisierte darüber hinaus mit dem Bund Königin Luise. Höhnk war einerseits überzeugte Monarchistin, lehnte die Weimarer Republik ab und begrüßte zunächst den Nationalsozialismus. In ihren „Lebenserinnerungen“ zeigte sie völkisch-nationalistische und rassistische Einstellungen, übte jedoch auch Kritik an der nationalsozialistischen Herrschaft, insbesondere an der Rolle der Frau und an der Gleichschaltung der Vereine.

Veröffentlichungen

Ihr umfangreicher schriftlicher Nachlass befindet sich als Bestand Abt. 399.19 im Landesarchiv Schleswig-Holstein.

  • Schul- und Festspiele. In: Die Lehrerin in Schule und Haus. Bd. 8 (1891), Heft 16, S. 492–495 (Digitalisat).
  • Empfehlenswerte Jugendlektüre. In: Die Lehrerin in Schule und Haus. Bd. 9 (1892), Heft 5, S. 146f. (Digitalisat).
  • Augusta Möder (Tod). In: Die Lehrerin in Schule und Haus. Bd. 14 (1897), Heft 6, S. 220–222 (Digitalisat).
  • Etwas über das Volksschulwesen in Ostfriesland. In: Deutsche Schulzeitung (1899), S. 296.
  • Die Fahrt nach der silbernen Kette. In: Die Heimat. Monatsschrift des Vereins zur Pflege der Natur- und Landeskunde in Schleswig-Holstein, Hamburg und Lübeck. Bd. 11 (1901), Heft 1, Januar 1901, S. 8–10 (Digitalisat).
  • Detlev von Ahlefeldts Gesandtschaftsjournal vom Jahre 1666. In: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte. Bd. 36 (1906), S. 70–169 (Digitalisat).
  • Kinderreime. In: W. Rein (Hrsg.): Encyklopädisches Handbuch der Pädagogik. Bd. 4: Handelsschulen–Klassenoberster. Beyer, Langensalza 1906, S. 915–917 (Digitalisat).
  • Kriegsdrangsale des Jahres 1814. In: Die Heimat. Monatsschrift des Vereins zur Pflege der Natur- und Landeskunde in Schleswig-Holstein, Hamburg und Lübeck. Bd. 16 (1906), Heft 1, Januar 1906, S. 13–16 (Digitalisat), Heft 2, Februar 1906, S. 46–50 (Digitalisat).
  • Rätsel. In: W. Rein (Hrsg.): Encyklopädisches Handbuch der Pädagogik. Bd. 7: Prinzenerziehung–Schulberichte, Beyer, Langensalza 1908, S. 205–207 (Digitalisat).
  • Schulkomödien. In: W. Rein: Encyklopädisches Handbuch der Pädagogik. Bd. 8: Schulbesuch usw.–Stoy, Karl Volkmar. Beyer, Langensalza 1908, S. 204–215 (Digitalisat).
  • Wimpfeling, Wympfeling oder Wimpheling. In: W. Rein: Encyklopädisches Handbuch der Pädagogik. Bd. 10: Wagehalsig–Zwingli, Huldreich: Nachträge. Beyer, Langensalza 1910, S. 232–235 (Digitalisat).
  • Stammtafel der Familie Ufen: nach den Kirchenbüchern zu Essen, Nesse u. Dornum in Ostfriesland, den Kirchenbüchern zu Kronprinzenkoog, Meldorf und Wöhren in Dithmarschen. Wandsbek 1902.
  • Detlev von Ahlefeldts Gesandtschaftsjournal vom Jahre 1666. In: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte. Bd. 36 (1906), S. 79–169, Register S. 161–168, Inhalts-Verzeichnis S. 168–169.
  • Stammbaum der Familie Schoof in Dithmarschen. Pfingsten, Itzehoe 1909.
  • Stammtafel der Familie Feil. Augustin, Glückstadt 1910.
  • Nachrichten von den Vorfahren und der Familie des russischen Admirals Peter von Sievers. In: Zeitschrift der Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte. Bd. 43 (1913), S. 256–352.
  • Heinrich Rantzau: Geschichte des Dithmarscher Krieges. Frei aus dem Lateinischen übertragen. Heider Anzeiger, Heide 1914.
  • Bericht über die nunmehr vollendete Ordnung des Landschaftlichen Archivs zu Heide. Heider Anzeiger, Heide 1914.
  • Stammtafel der Familie Sieverts. Selbstverlag, Marne 1914.
  • Geschichte der Familie Claus Starck Voss im Kirchspiel Wesselburen. Heide 1917.
  • Familie Ehrentraut. Havighorst 1917.
  • Stammtafel der Familie Löy in Norder-Dithmarschen. 1922
  • Ein Hamburger Rechtsstreit. In: Mitteilungen des Vereins für Hamburgische Geschichte. Bd. 41 (1923/25), Heft 6 (Mai), S. 180–182.
  • Stammtafel der Familie Ibs in Kannemoor. Selbstverlag, Marne 1926.
  • Bericht über die nunmehr vollendete Ordnung des Landschaftlichen Archivs zu Heide. Heider Anzeiger, Heide ca. 1927.

Quellen

  • Die Lebenserinnerungen der Helene Höhnk. Heide 1939. Landesarchiv Schleswig-Holstein, Abt. 399, 19, Nr. 1055, Bd. 1–12.

Literatur

  • Jutta Müller / Karsten Schrum: Helene Höhnk (1859–1944). In: Zeitschrift Dithmarschen (2009), Heft 4, S. 2–15.
  • Dirk Meier: Der Heimat treuer Hüter sein? Reflexionen zum 150. Geburtstag von Helene Höhnk (1859–1944). In: Zeitschrift Dithmarschen (2009), Heft 4, S. 15–25.
  • Dietrich Korth / Rosemarie Korth: Biographie der Genealogin und Archivarin Gesche Helene Höhnk. In: Familienkundliches Jahrbuch Schleswig Holstein. Bd. 46 (2007), S. 42–45.
  • Anne Krohn: Helene Höhnk – Dithmarscher Heimatforscherin zwischen Frauenrecht und Nationalsozialismus. In: Mitteilungen. Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte (2023), Nr. 103, Herbst 2022, S. 69–75 (online).
  1. Höhnk, Gesche Helene – Dithmarschen-Wiki. In: dithmarschen-wiki.de. Archiviert vom Original am 5. August 2018; abgerufen am 5. August 2018.
  2. schleswig-holstein.de - Personen der schleswig-holsteinischen Geschichte - Helene Höhnk. In: schleswig-holstein.de. Abgerufen am 24. Oktober 2025.