Helene Börner (Medizinerin)
Helene Henriette Börner (geboren 20. März 1886 in Leer; gestorben 14. September 1975 in Hamburg) war eine deutsche Ärztin. Sie leitete als erste Frau in einem Hamburger Krankenhaus eine chirurgische Station.
Leben
Helene Börner wurde am 20. März 1886 in Leer geboren. Ihr Vater war Arzt, ihr Vorbild und auch sie wollte Ärztin werden. Börner besuchte die höhere Mädchenschule zu Leer. Danach jedoch das Lehrerinnenseminar zu Leer und sie legte 1905 ihr Lehrerinnenexamen für mittlere und höhere Mädchenschulen ab. Nach dem Abschluss ihrer Ausbildung lebte und arbeitete Helene Börner zweieinhalb Jahre in Lausanne, dort als Deutschlehrerin in einem Mädchenpensionat und Paris. Danach kehrte sie nach Leer zurück.[1][2]
Ihr Abitur konnte sie 1910 am Realgymnasium in Einbeck ablegen, nachdem sie zuvor Privatunterricht in Latein und Mathematik genommen hatte. Danach studierte sie Medizin in München, Tübingen und Freiburg im Breisgau. Während ihrer Studienzeit brach der Erste Weltkrieg aus und sie arbeitete zwei Jahre als Lazaretthilfe in Leer im Kriegsdienst. Ihr Staatsexamen legte sie 1916 in Freiburg ab, im selben Jahr auch ihre Promotion und die Approbation erhielt sie 1917. Ihre Fachrichtung war die Gynäkologie. Sie arbeitete von 1916 bis 1919 im Städtischen Krankenhaus Harburg, im Institut für Geburtshilfe Hamburg und an der Universitätsfrauenklinik Kiel. Während ihrer Ausbildung lernte sie die Kinderärztin Elise Herrmann kennen, die ihre Lebensgefährtin wurde.[1]
Börner ließ sich 1919 als Frauenärztin in Hamburg nieder und eröffnete eine eigene Praxis. Im selben Haus führte Elise Herrmann eine Kinderarztpraxis. Die Räume am Jungfernstieg 30 wurden 1942 im Zweiten Weltkrieg durch einen Bombentreffer beschädigt. Zudem leitete sie ab 1936 die gynäkologisch-geburtshilfliche Abteilung des Krankenhaus Jerusalem in Hamburg-Eimsbüttel, später, bis 1964 als Chefärztin.[1]
In Hamburg wurde Helene Börner durch Vorträge bekannt, die sie vor Frauenvereinen hielt. Sie ergriff zudem als erste Frau anlässlich einer Ärzteversammlung für die Aufhebung des StGB-Paragrafen gegen den ‚künstlichen Abort’ das Wort. Körperlich war sie dabei durch eine angeborene Hüftgelenkluxation beeinträchtigt. Es war für sie eine Erleichterung, als sie 1922 das erste elektrisch betriebene Auto in Hamburg fahren konnte.[2]
Während der Zeit des Nationalsozialismus trat sie der NSDAP nicht bei. Dennoch wurde sie 1938 Mitglied der NSV. Die Mitgliedschaft in der NSV schien vielen, die dem NS-Regime eher zögernd oder kritisch gegenüberstanden, aufgrund ihrer scheinbaren Ideologieferne akzeptabel. Tatsächlich war auch die Arbeit der NSV von rasse- und erbbiologischen Selektionskriterien bestimmt.[2]
Ihre ärztliche Tätigkeit übte sie bis Mitte 1965 aus. Sie war Gründungsmitglied des ersten deutschen ZONTA Clubs und gehörte dem Deutschen Ärztinnenbund an.[1]
Helene Börner starb am 14. September 1975 in Hamburg. Ihr wurde in Hamburg ein Frauenort gewidmet.
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Ärztinnen im Kaiserreich. In: charite.de. geschichte.charite.de, abgerufen am 27. September 2025.
- ↑ a b c Dr. Helene Börner – Biografien-Datenbank: Frauen aus Hamburg. In: hamburg-frauenbiografien.de. Abgerufen am 27. September 2025.