Heleen Ankersmit
Gerharda Johanna Helena Heleen Ankersmit (geboren 20. Oktober 1869 in Deventer; gestorben 21. August 1944 in Rhenen) war eine niederländische Sozialistin und Feministin. Sie war Sekretärin der Vereinigung sozialdemokratischer Frauenpropagandaclubs.
Leben
Gerharda Johanna Helena Ankersmit, genannt Heleen, wurde am 20. Oktober 1869 in Deventer als Tochter des Textilfabrikanten Hendrik Jan Ankersmit (1834–1905) und der Anna Maria Elisabeth Werle (1842–1902) geboren. Sie war das vierte Kind der Familie und hatte zwölf Geschwister, acht Brüder und vier Schwestern, von denen ein Bruder und drei Schwestern bereits in jungen Jahren starben. Bis zum Tod ihrer Eltern lebte sie im Elternhaus und blieb unverheiratet.[1]
Sie lernte nach dem Tod ihres Vaters den Sozialdemokraten Frank van der Goes kennen, der zwischen 1905 und 1906 regelmäßig in Deventer auftrat. Ankersmit wurde 1907 als erste Frau Mitglied der Deventer Ortsgruppe der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SDAP). Sie zog 1908 nach Amsterdam und arbeitete im Zentralbüro für Sozialberatung. In Amsterdam wohnte sie zusammen mit den SDAP-Mitgliedern Henk und Willy Wegerif, die Wegerifs waren zudem Mitglieder im Sozialdemokratischen Studienclub (SDSC). Als sich die SDAP auf dem Deventer Kongress von 1909 aufspaltete, übernahm Heleen Ankersmit vorübergehend verschiedene Verwaltungsämter von der ausgeschiedenen Kommunistin Marie Mensing. Sie schrieb für die Zeitschrift „De Proletarische Vrouw“ (Die proletarische Frau) und war Rednerin zu Themen wie allgemeines Wahlrecht, Frauenwahlrecht, Heimarbeit, Frauenarbeit, Sozialversicherung, Kommunalpolitik und Bildung. Dabei war sie auf großen Demonstrationen oft die einzige Frau, die als Rednerin auftrat.<Rednerin.[1]
Frauenkonferenzen
Sie vertrat ihre Freundin Mathilde Wibaut, die Vorsitzende des „Bond van Sociaal-Democratische Vrouwenclubs“ (BSDVC) war, auf der zweiten internationalen Konferenz sozialistischer Frauen in Kopenhagen. Auf der Konferenz wurde der 8. März zum Internationalen Frauentag erklärt. In Kopenhagen lernte sie Clara Zetkin kennen, mit der sie sich anfreundete und für die sie danach in der Zeitschrift „Die Gleichheit“ schrieb. Gemeinsam bereiteten sie im Frühjahr 1914 die dritte Frauenkonferenz in Berlin vor. Durch den Beginn des Ersten Weltkriegs wurde diese jedoch abgesagt. Ankersmit hielt in den Kriegsjahren den Kontakt zwischen der britischen und der deutschen Frauenbewegung aufrecht, bis ihr die Einreise nach Deutschland verweigert wurde. Als sie im März 1915 zur internationalen sozialistischen Frauenkonferenz ins neutrale Bern reisen wollte, wurde sie sehr streng kontrolliert, sogar ihr Haarknoten wurde vom Zoll überprüft. Die Abschlusserklärung der Zimmerwalder Konferenz im September 1915 unterstützte sie, nachdem sie von der SDAP-Zeitung „Het Volk“ abgelehnt worden war, mit einem Nachwort, das Van der Goes im „Het Weekblad“ veröffentlichte. Aus der SDAP trat sie im Februar 1918 aus, als diese beschloss, eine Koalitionsregierung mit bürgerlichen Parteien anzustreben. Sie trat auch als Sekretärin des BSDVCs zurück und im Juli 1918 trat sie aus der SDAP aus.[1]
Kommunismus
In der Zeitschrift des Revolutionär-Sozialistischen Frauenbundes (RSVB), „De Voorbode“, veröffentlichte Heleen Ankersmit ab 1918 regelmäßig. Zu der Zeit war sie auch im Vorstand des niederländischen Montessori-Verbandes und des Bundes Revolutionär-Sozialistischer Intellektueller. Sie fungierte mit Augusta de Witt als Dolmetscherin und Sekretärin, als das Komitee im Februar 1920 in Amsterdam eine Konferenz abhielt. Auf dieser Konferenz war auch Zetkin und auf ihre Einladung hin nahm Heleen Ankersmit im Juni 1921 an der zweiten internationalen Konferenz kommunistischer Frauen in Moskau teil. Dort lernte sie Nadeschda Konstantinowna Krupskaja, die Ehefrau von Lenin kennen. Es sollte ein neuer Frauenbund gegründet werden, der den RSVB ersetzen sollte und Zetkin wollte Ankersmit zur internationalen Sekretärin dieses Bundes machen. Doch dazu kam es nicht.[1]
Nachdem sie zurück in den Niederlanden war, trat Heleen Ankersmit der Kommunistischen Partei der Niederlande bei. Sie gehörte dem Vorstand der Internationalen Arbeiterhilfe an und wirkte mit an der Publikation „Kultur und Wissenschaft im neuen Russland“, die 1928 von der Internationalen Arbeiterhilfe herausgegeben worden war. Um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren, arbeitete sie als Verwaltungsangestellte der Krankenschwesterngewerkschaft „Nosokómos“. Sie zog sich 1929, im Alter von 60 Jahren, von dieser Tätigkeit zurück und bereiste die Sowjetunion. Über diese Reise veröffentlichte sie 1930 einen begeisterten Reisebericht. Ihr nächster Bericht nach ihrer Reise von 1935 war nicht mehr so euphorisch, darin beschrieb sie den Personenkult um Stalin und Lenins Witwe. Inzwischen lebte sie in einem Genossenschaftswohnhaus für Alleinstehende am Roelof-Hartplein in Amsterdam, dem „Nieuwe Huis“ und arbeitete im Studiensaal der 1933 gegründeten Marxistischen Arbeiterschule. Sie tauchte während der deutschen Besatzung der Niederlande unter.
Heleen Ankersmit starb am 21. August 1944 in Rhenen.
Einzelnachweise
- ↑ a b c d Redactie: Ankersmit, Heleen. In: Digitaal Vrouwenlexicon van Nederland. 9. August 2014, abgerufen am 25. Dezember 2025 (niederländisch).