Heizkraftwerk Lichterfelde

GuD Heizkraftwerk Lichterfelde
Kraftwerk Lichterfelde mit dem Teltowkanal im Hintergrund (2023)
Lage

Koordinaten 52° 25′ 32″ N, 13° 18′ 36″ O
Land Deutschland
Daten

Typ Gas- und Dampfturbinen-Heizkraftwerk mit Kraft-Wärme-Kopplung
Primärenergie Fossile Energie
Brennstoff Erdgas
Leistung 300 MW elektrische Leistung
609 MW thermische Leistung[1]
Betreiber BEW Berliner Energie und Wärme GmbH
Projektbeginn 1970
Betriebsaufnahme 1972/2019
Kessel Gas- und Dampfturbinen
Schornsteinhöhe des alten Kraftwerks (bis 2025): 158 m
f2

Das Heizkraftwerk Lichterfelde ist ein Heizkraftwerk (HKW) im Berliner Ortsteil Lichterfelde. Es ist maßgeblich für die Versorgung des Berliner Südens mit Strom und Fernwärme verantwortlich. Rund 100.000 Haushalte im Berliner Westen werden von diesem Kraftwerk mit Fernwärme und Strom versorgt. Das Gas- und Dampfturbinen-Heizkraftwerk (GuD-Heizkraftwerk) verfügt über eine elektrische Gesamtleistung von 300 MW sowie eine thermische Leistung von 609 MW.[1] Betreiber ist seit Anfang Mai 2024 die BEW Berliner Energie und Wärme GmbH.

Am gleichen Standort wurde bis 2019 ein Gaskraftwerk betrieben, welches nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung funktionierte. Es bestand aus drei Blöcken, von denen zwei bis zuletzt in Betrieb waren.

Das Kraftwerk liegt am Ostpreußendamm 61, unmittelbar am Teltowkanal (Hafen Lichterfelde). Der Stromnetzanschluss des Kraftwerks erfolgt auf der 110-kV-Hochspannungsebene in das Netz der ehemaligen Vattenfall-Tochtergesellschaft Stromnetz Berlin GmbH, die im Jahr 2021 wieder durch das Land Berlin zurückgekauft wurde, nachdem es im Jahr 2013 einen Volksentscheid über die Rekommunalisierung der Berliner Energieversorgung gegeben hatte.

Bau und Geschichte

Verantwortlicher Bauherr für das 1972 im damaligen West-Berlin erstmals in Betrieb genommene Kraftwerk war die Bewag. Am Bau beteiligten sich in der Arbeitsgemeinschaft Heizkraftwerk Lichterfelde 1970–1974 die Unternehmen Beton- und Monierbau, Siemens-Bauunion, Grün & Bilfinger und Hochtief. Das Heizkraftwerk wurde mehrfach modernisiert. Die drei Heizblöcke wurden schrittweise 1988, 1997 und 1998 von Schweröl- auf Erdgas­befeuerung umgerüstet. Ende 2015 wurde der Block zwei außer Betrieb genommen.

1975 wurde das Heizkraftwerk Lichterfelde Motiv der 140-Pfennig-Briefmarke der Dauermarkenserie Industrie und Technik der Deutschen Bundespost Berlin (Ausgabedatum 14. November 1975).[2]

2012 wurde von der Vattenfall Europe Wärme AG auf der Freifläche zwischen den Kühltürmen des alten Heizkraftwerks und dem Barnackufer mit dem Neubau eines Gas-und-Dampfturbinen-Heizkraftwerks begonnen, das das ursprüngliche Kraftwerk 2019 ablöste.

Altes Kraftwerk

Das ehemalige Kraftwerk wurde ursprünglich mit Schweröl befeuert. Block 1 und 3 wurden 1983 mit einer Rauchgasentschwefelungsanlage (REA) ausgerüstet. 1988 wurde Block 2 auf Erdgasfeuerung umgestellt. Für den Erdgaseinsatz wurde das HKW 1988 über einen zwei Kilometer langen Abzweig an das Hochdruck-Gasversorgungsnetz (40 bar) angeschlossen. 1991 und 1992 wurden für Block 1 und 3 Entstickungsanlagen nachgerüstet. 1997 und 1998 wurden auch Block 1 und 3 auf Erdgasfeuerung umgerüstet. Nach dem Umbau wurde der Betrieb der REA eingestellt, da dies nicht mehr nötig war. 1999 erfolgte ein weiterer unabhängiger Gas-Anschluss auf der Hochdruckseite.

Nach Umbau der Blöcke 1 und 3 wurde Block 2 vom Netz genommen und sollte dauerhaft stillgelegt werden. Entgegen der ursprünglichen Planung wurde Block 2 später wieder in Betrieb genommen. 2016 wurde Block 2 endgültig außer Betrieb gestellt. 2019 wurden, nach Fertigstellung des neuen GuD, schließlich auch die Blöcke 1 und 3 abgeschaltet. Das Kraftwerk konnte eine elektrische Gesamtleistung von 432 MW sowie eine thermische Leistung von 650 MW erzeugen. Jeder Block hatte einen 158 Meter hohen Schornstein.

Bis 2026 sollen die drei Kesselhäuser und die drei dazugehörigen Schornsteine, das Maschinen- und Pumpenhaus, die Gebäude zur Rauchgasentschwefelung und Kühlturm 1 zurückgebaut werden. Weiterhin genutzt werden einzelne bauliche Anlagen und Nebeneinrichtungen des alten Heizkraftwerks, darunter die Kühltürme 2 und 3, die Kühlwasserbauwerke sowie die Verwaltungs- und Sozialgebäude.[3]

Neues Kraftwerk

Das Heizkraftwerk Lichterfelde wurde durch ein Gas- und Dampfturbinen-Heizkraftwerk (GuD-Heizkraftwerk) auf Erdgasbasis ersetzt.[1] Der Brennstoffausnutzungsgrad wird so von 70 % auf 90 % erhöht.[4] Im Sommer 2012 wurde mit dem Bau einer Heißwasseranlage zur Ergänzung der GuD-Anlage mit drei neuen erdgasbetriebenen Heißwassererzeugern mit jeweils 120 MWth begonnen, die als Spitzenlastanlagen die Fernwärmeversorgung an kalten Tagen unterstützen.

2014 erfolgte der Baubeginn der GuD-Anlage mit dem Generalunternehmer Iberdrola. Die Kernkomponenten sind dabei eine Gasturbine 9F von General Electric[5] und ein Abhitzedampferzeuger von Nooter/Eriksen Italien. Die kommerzielle Inbetriebnahme der Anlage erfolgte, nach zweimaliger Verschiebung um jeweils ein Jahr, im Mai 2019. Die markanten drei Schornsteine des Altkraftwerks werden derzeit zurückgebaut.[6]

Das bis Mai 2024 zum schwedischen Energiekonzern Vattenfall gehörende Kraftwerk wurde von einer Tochtergesellschaft des deutschen Vattenfall-Teilkonzerns, der Vattenfall Wärme Berlin AG, betrieben. Seit der Rekommunalisierung ist die BEW Berliner Energie und Wärme Betreiber.

Brandanschlag auf Kabelbrücke

Durch einen Brandanschlag auf eine Kabelbrücke[7] vor dem Kraftwerk Berlin-Lichterfelde kam es Anfang 2026 zu einem großflächigen Stromausfall, der 45.000 Haushalte mit rund 100.000 Menschen sowie 2200 Unternehmen[8][9] in den Ortsteilen Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde betraf.[10] Der Stromausfall dauerte vier Tage.[11]

Commons: Kraftwerk Berlin-Lichterfelde – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c Erzeugungsanlagen. Abgerufen am 15. Mai 2025.
  2. Ersttagsblatt 24/1975.
  3. Kerstin Heinrich: Berlins heimliches Wahrzeichen – Türme verschwinden endgültig. In: Berliner Morgenpost. 26. Mai 2024, abgerufen am 4. Januar 2026.
  4. Braunkohleausstieg in Berlin 2017. In: Tagesspiegel, 27. September 2016.
  5. GE Gas Turbine Technology to Power Lichterfelde 300-Megawatt Combined-Cycle Plant in Berlin
  6. Neues Kraftwerk Lichterfelde in Betrieb. In: Berliner Morgenpost, 10. Mai 2019.
  7. Konrad Litschko: „Vulkangruppe“ distanziert sich von „Vulkangruppe“. In: taz. 7. Januar 2026, abgerufen am 7. Januar 2026.
  8. Stromausfall im Südwesten Berlins. Abgerufen am 8. Januar 2026.
  9. Wegner wankt. In: GMX. 8. Januar 2026, abgerufen am 8. Januar 2026.
  10. Bekennerschreiben ist laut Polizei glaubhaft. In: FAZ. 4. Januar 2026, abgerufen am 7. Januar 2026.
  11. Alle Berliner Haushalte haben wieder Strom. In: Tagesschau. 7. Januar 2026, abgerufen am 8. Januar 2026.