Heinz Bachmann (Geophysiker)
Heinz Bachmann (* 10. Juni 1939 in Klagenfurt) ist ein österreichisch-englischer Geophysiker. Als Bruder von Ingeborg Bachmann kümmert er sich – in Abstimmung mit seiner Familie – um das literarische Erbe seiner Schwester und publiziert auch zu ihr.
Leben
Heinz Bachmann wurde in Klagenfurt geboren, als seine Schwester Ingeborg bereits 13 Jahre alt war. Während des Zweiten Weltkrieges lebte er auch zeitweise in Obervellach im Gailtal, wo die Familie des Vaters ansässig war. Zunächst besuchte Heinz Bachmann die Mittelschule in Klagenfurt, 1957 legte er die Matura ab. Daraufhin folgte ein Geologie-Studium an der Universität Graz, das er mit einer Promotion abschloss. Beruflich spezialisierte Heinz Bachmann sich auf Geophysik. Für die Öl- und Gaserschließung lebte er lange Zeit in Afrika, im Mittleren Osten und in Spanien. 1971 heiratete er Sheila Peskett[1] und verbrachte mit seiner Familie mehrere Jahre in Spanien, ab 1995 vorwiegend in der Nähe von Oxford.[2]
Nach dem Tod seiner Schwester Ingeborg im Jahr 1973 übernahm Heinz Bachmann zusammen mit seiner Schwester Isolde Moser die Verantwortung für den Nachlass der Dichterin. Seit Beendigung seiner Berufskarriere, kümmert er sich intensiv um das Werk von Ingeborg Bachmann.
2023 veröffentlichte Heinz Bachmann mit Ingeborg Bachmann, meine Schwester seine Erinnerungen an seine ältere Schwester, zu der er ein enges Verhältnis hatte. Ausgehend von dem Schock, den die Nachricht von den schweren Brandverletzungen Ingeborg Bachmanns verursachte, gibt das Buch einen Einblick in die damals hilflose Lage der Familie: Sie durfte im römischen Krankenhaus die Kranke nicht sehen, die Ärzten fanden keine Erklärung, warum es der Patienten immer schlechter ging und nach ihrem Tod kamen auch noch Gerüchte auf, die einen Unfall in Frage stellten. Weiter zeichnet das Buch, das auch Familienfotos und eine eigene Fotoserie enthält, den Werdegang der Schriftstellerin von Jugend an aus der Perspektive des Bruders nach. Dabei schildert er auch das Verhältnis von Ingeborg Bachmann zu ihrem Vater, wie zur ganzen Familie, als nah, offen und herzlich.[3][4]
Dank der Öffnung des Nachlasses seitens der Familie war die Herausgabe des Gesamtwerks in der umfangreichen Salzburger Bachmann Edition als gemeinsames Projekt der Verlage Suhrkamp und Piper möglich geworden. Neben dem literarischen Werk erschienen nun auch Editionen von Briefwechseln von Ingeborg Bachmann mit bekannten Persönlichkeiten, die ohne familiäre Zustimmung noch unter Verschluss gehalten worden wären: Paul Celan, Hans Werner Henze, Hans Magnus Enzensberger, Heinrich Böll, Ilse Aichinger und Günther Eich, Marie Luise Kaschnitz, Hilde Domin und Nelly Sachs. Insbesondere der Briefwechsel mit Max Frisch[5] (Ingeborg Bachmann, Max Frisch: Wir haben es nicht gut gemacht, 2022[6]) war lange mit Spannung erwartet worden. Heinz Bachmann reiste im Zusammenhang mit den sukzessiv veröffentlichten Korrespondenzen zu Buchvorstellungen, Vorträgen und Ausstellungen in Deutschland, Österreich, USA, London und Paris, um in der Öffentlichkeit für und von seiner Schwester zu sprechen.
2025 wurde das sich im Besitz der Familie befindende Elternhaus in der Henselstraße 26 nach einem Umbau als Museum unter dem Namen Ingeborg Bachmann Haus Klagenfurt dem Publikum zugänglich gemacht.
Publikationen
- Heinz Bachmann, Isolde Moser, Christian Moser (Hrsg.): Ingeborg Bachmann, Ich weiß keine bessere Welt. Nachgelassene Gedichte Piper, München 2011, ISBN 978-3-492-27256-8
- Ingeborg Bachmann, meine Schwester. Erinnerungen und Bilder, Piper, München 2023, ISBN 978-3-492-07250-2
Literatur
- Andreas Hapkemeyer: Ingeborg Bachmann. Bilder aus ihrem Leben, Piper, München 1983, ISBN 3-492-02845-4
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Andreas Hapkemeyer: Ingeborg Bachmann. Bilder aus ihrem Leben, Piper, München 1983, S. 137, ISBN 3-492-02845-4
- ↑ Heinz Bachmann Bücher & Biografie | PIPER. Abgerufen am 30. November 2025.
- ↑ Biografie | Ingeborg Bachmann, meine Schwester. 7. September 2023, abgerufen am 28. November 2025.
- ↑ Heinz Bachmann – Ingeborg Bachmann, meine Schwester | Gespräch. 13. Oktober 2023, abgerufen am 28. November 2025.
- ↑ Heinz Bachmann über den Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Max Frisch . Video auf suhrkamp.de. Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 8. Dezember 2024; abgerufen am 28. November 2025.
- ↑ Dieter Burdorf: Ingeborg Bachmann / Max Frisch, „Wir haben es nicht gut gemacht.“ Der Briefwechsel. Mit Briefen von Verwandten, Freunden und Bekannten. In: Hans Höller, Renate Langer, Thomas Strässle, Barbara Wiedemann (Hrsg.): Arbitrium. Band 42, Nr. 1. Piper, 1. April 2024, ISSN 1865-8849, S. 106–114, doi:10.1515/arb-2024-0002.