Heinrich von Brockdorff

Heinrich von Brockdorff, auch Heinrich Ditlevsen Brockdorff (* 1. Januar 1600 in Hemmelmark bei Eckernförde; † 4. April 1671 in Aabenraa (?)) war ein deutscher Offizier und Politiker.

Leben

Brockdorff war der Sohn des Amtmannes von Mohkirchen Detlev von Brockdorff (* 1559; † 1628) und dessen zweiter Ehefrau Margarethe von Blome (* 1573; † 1655) aus Hornstorf.[1] Die Eltern hatten im Jahre 1600 geheiratet. Der Vater, der nachweislich zu den wichtigsten Geldgebern des Herzogs Johann Adolf zählte,[2] war zuvor in erster Ehe verheiratet mit Ida von Rantzau († 1596), Erbin von Kletkamp. Aus dieser Beziehung stammt sein älterer Halbbruder Cay (* 1595; † 1619), der Kletkamp erbte.[3] Der dänische Statthalter Christian Reichsgraf zu Rantzau war sein Schwager.

Zwischen 1640 und 1657 war Brockdorff Rittmeister und zuletzt Obristleutnant. Als solcher war er Kommandeur einer eigenen Kompanie. Zeitweise diente er als Obrist eines gottorfischen Regiments.

Auf seiner norddeutschen Reise kam Fürst Ludwig I. von Anhalt-Köthen im September 1642 nach Schleswig. Dort nahm er zusammen mit einer Gruppe Hofleuten Herzog Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf und Heinrich von Brockdorff in die Fruchtbringende Gesellschaft auf. Der Fürst verlieh Brockdorff den Gesellschaftsnamen der Deckende[4] und das Motto mit voller Blüt. Als Emblem wurde ihm die volle Climatis (Clematis viticella L.) zugedacht. Im Köthener Gesellschaftsbuch findet sich Brockdorffs Eintrag unter der Nr. 393. Ebenfalls dort zu finden ist das Reimgesetz, mit welchem Brockdorff sich für die Aufnahme bedankt:

Climatis blau und vol die gänge dicht bedeckt
Darauf gezogen nan, sie thut sich weit ausbreiten
Jch heiße Deckend drumb: ein wacker mut sich reckt
Nach allem guten hin, muß mit dem bösen streiten
Und solches decken zu: Er sich nach tugend streckt
Wil andre neben sich dahin Zugleich mit leiten:
Der deckt mit voller blüt' in seines lebens zeit
Das böse, wan er stets Zu bringen frucht bereit.

1647, nach Ende des schwedisch-dänisch-holsteinischen Krieges, dankte Brockdorff als Kommandeur der Landestruppen ab und wurde 1655 zum Amtmann von Apenrade berufen. 1655 wurde er als Kommandant von Brockdorff bezeichnet. Ob es sich um einen wirklichen Rang oder nur um eine Höflichkeitsfloskel handelt, ist strittig. Im Alter von 71 Jahren starb Heinrich von Brockdorff am 4. April 1671 wahrscheinlich in Apenrade. Im Kirchdorf Ries und Umgegend brachte Brockdorff einige Hufen an sich und richtete einen (Guts)-Hof oder ein gutsherrliches Vorwerk ein.[5]

Familie

Brockdorf heirate 1630 Brigitte von Ahlefeld (* 28. August 1598; † 3. März 1654). Die Ehe wurde 1634 geschieden. Anschließend heiratete Brockdorf am 1635 Auguste von Brockdorff (* 1615; † 5. April 1648).[6] Nach dem Tod seiner zweiten Frau heiratete er 1651 Mette Schacksdatter von Rumohr (* 4. November 1632; † 14. Dezember 1705). Heinrich von Brockdorf hatte 19 Kinder aus den verschiedenen Ehen:

  • Detlev, Französischer Obrist
  • Margaretha Lucia (* 17. März 1636; † 3. März 1656)
  • Christian Friedrich († nach 1682), Obristlieutenant, Herr auf Möhlhorst[7]
  • Lucia Auguste, († 1649). Klosterfräulein in Preetz
  • Dorothea Oellegard, († 1649), Klosterfräulein in Preetz
  • Eleonore, Klosterfräulein
  • Marquard Heinrich, Königlicher Rittmeister († nach 1669)
  • Heinrich August († 1669), Hofjunker
  • Ida Hedwig (* 1. Oktober 1639; † 18. August 1713), Priorin in Uetersen
  • Maria Sophie
  • Schack (* 1652; † 7. Oktober 1730), Generallieutenant der Kavallerie, Dänischer Freiherr[8] ⚭ 1730 Charlotte Sophie Vietinghoff genannt Scheel († 1732)
  • Maria Elisabeth ⚭ N. Ν. von Pflug
  • Sigismund, Dänischer Obristlieutenant
  • Auguste ⚭ Adam Heinrich von Günderoth, Polnisch-Sächsischer Kammerherr
  • Gregor (* 6. November 1653; † 25. Mai 1676), Kapitän-Lieutenant
  • Magarethe Lucia ⚭ Claus Heinrich von Vieregg (* 1655; † 14. Juli 1713)[9], Geheimer Rat, Vizekönig von Norwegen
  • Detlev (* 1655; † 1737), Herr auf Grundel und Hoygaard, Dänischer Generalmajor[10] ⚭ Sophie Dorothea von Levetzau-Oxholm[11]
  • Anna († 6. Januar 1718) ⚭ 1683 Karl Ludwig von Sayn-Wittgenstein († 1699)
  • Christian Albrecht (* 1663; † 12. Februar 1733), Sächsischer Kammerherr
⚭ 1690 Margaretha Amalie von Bothkamp († 1690)
⚭ Sophie von Brockdorff-Rohlstorf (* 7. Januar 1675)

Nach Maximilian Gritzner bewirtschafteten Nachfahren Besitz in Dänemark.[12]

Trivia

Heinrich von Brockdorff ist eine Figur in dem Roman Die Herrin von Gut Roest von Ursula Raddatz.[13]

Genealogie

  • Karl Hopf: Historisch-Genealogischer Atlas seit Christi Geburt bis auf unsere Zeit. Band (Abtheilung) 1 (Deutschland), Zweiter Band/Erste Lieferung, Verlag Friedrich Andreas Perthes, Gotha 1861, S. 71 ff. Insonders S. 73. Stammbaum

Anmerkungen

  1. Vgl. Muthschein Hornstorf, In: Nachlass Dr. v. Stemann: Urkundliche Beiträge zur Geschichte der Herzogthümer Schleswig und Holstein. Hrsg. Christian (Ludwig Ernst) von Stemann (Sohn d. Autors), J. G. Jebens, Husum 1879, S. 32 f.
  2. Otto Ulbricht: Mikrogeschichte. Menschen und Konflikte in der Frühen Neuzeit. Online-Ressource, Campus Verlag, Frankfurt am Main 2009, ISBN 978-3-593-45814-4, S. 76.
  3. Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Gräflichen Häuser 1871. Vierundvierzigster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1870, S. 146.
  4. Klaus Conermann: Der Fruchtbringenden Gesellschaft geöffneter Erzschein. Die Mitglieder der Fruchtbringenden Gesellschaft 1617-1650. 527 Biographien; Transkriptionen aller handschriftl. Eintragungen u. Kommentare zu d. Abb. u. Texten im Köthener Gesellschaftsbuch. In: Fruchtbringende Gesellschaft, Band 3; Weinheim / Deerfield Beach 1985, ISBN 3-527-17513-X, S. 461.
  5. H. N. A. Jensen: Versuch einer kirchlichen Statistik des Herzogthums Schleswig. Verlag A. S. Kastrup, Flensburg 1840, S. 258.
  6. Mitgift Gutsbezirk Möhlhorst, Tochter der Lucie von Brockdorff geb. von Qualen, und des Marquardt von Brockdorff. Vgl.:Chr. Kock: Volks- und Landeskunde der Landschaft Schwansen. Johann Heinrich Eckardt, Heidelberg 1912, S. 610.
  7. kauft Möhlhost, das er 1682 verkauft Vgl.:Christian Kock, Volks- und Landeskunde der Landschaft Schwansen, S.610
  8. Carl Frederik Bricka: Brockdorff, Schack Baron, 1652-1730. In: Carl Frederik Bricka (Hrsg.): Dansk biografisk Lexikon. Tillige omfattende Norge for Tidsrummet 1537–1814. 1. Auflage. Band 3: Brandt–Clavus. Gyldendalske Boghandels Forlag, Kopenhagen 1889, S. 103 (dänisch, runeberg.org).
  9. Carl Frederik Bricka: Vieregg, Claus Henrik, 1655–1713. In: Carl Frederik Bricka (Hrsg.): Dansk biografisk Lexikon. Tillige omfattende Norge for Tidsrummet 1537–1814. 1. Auflage. Band 18: Ubbe–Wimpffen. Gyldendalske Boghandels Forlag, Kopenhagen 1904, S. 564 (dänisch, runeberg.org).
  10. Carl Frederik Bricka: Brockdorff, Ditlev, 1652-1730. In: Carl Frederik Bricka (Hrsg.): Dansk biografisk Lexikon. Tillige omfattende Norge for Tidsrummet 1537–1814. 1. Auflage. Band 3: Brandt–Clavus. Gyldendalske Boghandels Forlag, Kopenhagen 1889, S. 101–102 (dänisch, runeberg.org).
  11. Nachkommen von Detlev von Brockdorff (1652-1730), siehe: Gothaisches genealogisches Taschenbuch der adeligen Häuser, 1904, S.148
  12. M. F. A. Gritzner, Ad. M. Hildebrandt: J. Siebmacher’s großes und allgemeines Wappenbuch. Neuauflage, 3. Band, 8: Der blühende Adel der Herzogthümer Schleswig-Holstein-Lauenburg. Bauer und Raspe Emil Küster, Nürnberg 1877, S. 6.
  13. Ursula Raddatz: Die Herrin von Gut Roest. Das Leben der Ida von Rumohr. BoD, Norderstedt 2023, S. 6.