Heinrich Scholdra

Heinrich Scholdra (* 8. August 1899 in Schweidnitz, Landkreis Waldenburg i. Schles., Provinz Schlesien; † 13. März 1945 im Lazarett Neuenkirchen (Münsterland)) war ein deutscher Parteifunktionär (NSDAP).

Leben

Heinrich Scholdra musste Kriegsdienst leisten, wurde 1920 in die Reichswehr übernommen und verließ 1923 den Heeresdienst. Er kam nach Ahlen und wurde bei der Zeche Westfalen Magazinverwalter. Zum 1. März 1931 trat er in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 491.981).[1] Dort war er zunächst Schriftführer und Propagandaleiter und ab 1. Mai 1932 Ortsgruppenleiter[2]. Bis Oktober 1934 war er unbesoldeter Beigeordneter der Stadt Ahlen und in der Zeit vom 29. Januar 1934 bis zum 10. Oktober 1934 als Vertreter des Bürgermeisters Leiter der Ahlener Verwaltung. Vom 1. Mai 1934 an war er NSDAP-Kreisleiter im Kreis Beckum und übte dieses Amt bis März 1938 aus. In dieser Funktion initiierte er gemeinsam mit der Ahlener Parteispitze um Ortsgruppenleiter Schalk eine groß angelegte propagandistische „Offensive gegen das Judentum“, die eine Wende in der Haltung der Ahlener Bevölkerung gegenüber den Juden bewirken sollte. Erstmals erschien am 31. August 1935 in der Ahlener Volkszeitung, zeitgleich mit einem Artikel in der National-Zeitung, ein zentraler Bericht über die „Judenfrage“. Darin wurde eine letzte Warnung an all diejenigen ausgesprochen, die „als Judenfreunde ihre Einkäufe in jüdischen Geschäften tätigen“[3]. Im März 1938 wurde er zum Kreisleiter in Emscher-Lippe bestellt und war dort bis zum 6. Januar 1942 tätig. Zu dieser Zeit wohnte er in der Kaiserstraße 37 in Gelsenkirchen. In seinem Haus waren Zwangsarbeiter bzw. Zwangsarbeiterinnen untergebracht[4]. Auf Antrag des Gauleiters wurde er aus dem Amt entlassen und kam als Gebietskommissar in die deutschbesetzte Ukraine, wo er bis Herbst 1942 blieb.

In dieser Zeit (September 1941) wurden in dem Dorf Zhornishche, das von der 6. Armee eingenommen worden war, einheimische Juden und auch Flüchtlinge aus Winnyzja in einem Ghetto untergebracht, das unter Aufsicht von Armeesoldaten von der örtlichen Polizei, dem Dorfvorsteher und dem Vorsitzenden des Dorfrats bewacht wurde. Im Oktober 1941 wurde die Zuständigkeit vom Militär auf den Gebietskommissar Scholdra übertragen. Am 27. Mai 1942 umstellte ein Trupp der Sicherheitspolizei, unterstützt von der ukrainischen Schutzmannschaft, nachts das Ghetto Zhornishche. Diese Truppen trieben alle dort lebenden Juden (etwa 200 bis 300) zusammen und eskortierten sie nach Il'inzy. Hier wurden sie zusammen mit Juden aus dem Ghetto Il'inzy in Gruben außerhalb der Stadt erschossen. Einige Juden entkamen der Razzia, indem sie sich versteckten[5].

Im Herbst 1942 verließ Scholdra die Ukraine und wurde zur Wehrmacht eingezogen und gegen Kriegsende als Unteroffizier bei den schweren Kämpfen im Westen schwer verwundet. Am 13. März 1945 erlag er im Lazarett Neuenkirchen seinen schweren Verletzungen.

Literatur

  • Wolfgang Stellbrink: Die Kreisleiter der NSDAP in Westfalen und Lippe. Veröffentlichung der staatlichen Archive des Landes Nordrhein-Westfalen: Reihe C, Quellen und Forschung; Band 48, Münster 2003, ISBN 3-932892-14-3, S. 187 f. (Digitalisat)

Einzelnachweise

  1. Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/39251427
  2. Arno Schröder: Mit der Partei vorwärts!zehn Jahre Gau Westfalen-Nord: unter Verwendung amtlicher Unterlagen von Parteidienststellen. Lippische Staatszeitung N.S. Verlag GmbH, 1940 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  3. Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen; Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe, S. 160 Digitalisat
  4. Gelsenzentrum, Portal für Stadt- und Zeitgeschichte: Aufstellung Lager und Gebäudeunterkünfte für Zwangsarbeitende in GelsenkirchenDigitalisat
  5. Enzyklopädie der Lager und Ghettos des United States Holocaust Memorial Museum, 1933–1945 Digitalisat