Heinrich Matthias Heinrichs
Heinrich Matthias Heinrichs (* 30. Dezember 1911 in Amern St. Anton; † 14. März 1983 in Berlin) war ein deutscher Germanist, Skandinavist und Hochschullehrer.[1]
Leben und Wirken
Nach seiner Reifeprüfung 1932 im Collegium Augustinianum Gaesdonck studierte Heinrich Matthias Heinrichs von 1932 bis 1937 Germanistik, Geschichte und Skandinavistik an der Universität Bonn. 1937 promovierte er dort zum Dr. phil. bei Heinrich Hempel und legte 1938 das erste Staatsexamen für den höheren Schuldienst für die Fächer Deutsch, Geschichte und Dänisch ab. Von 1937 bis 1939 hielt er sich als Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft an der Universität Greifswald auf, um dort eine Bibliographie zur Volkskundeforschung in Skandinavien zu erarbeiten. Zum 1. Mai 1937 trat er der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 3.947.046)[2] und nahm ab 1939 an der Forschungsstelle „Deutsches Ahnenerbe“ teil. Außerdem wurde er am Forschungsamt des Reichsluftfahrtministeriums dienstverpflichtet. Von 1942 bis 1943 hatte er einen Lehrauftrag für Volkskunde an der Universität Köln inne. Von 1944 bis 1945 nahm er als Soldat am Zweiten Weltkrieg teil.
Von 1948 bis 1955 war er wissenschaftlicher Assistent am Germanistischen Seminar der Universität Köln, wo er sich 1952 habilitierte. Bis 1958 lehrte er dort als Dozent, bis 1960 als außerplanmäßiger Professor für Germanische Philologie und Volkskunde. Von 1960 bis 1967 hatte er eine ordentliche Professur an der Universität Gießen inne und übernahm außerdem von 1965 bis 1967 einen Lehrauftrag für Skandinavistik an der Universität Marburg. Im Wintersemester 1967/68 wurde er ordentlicher Professor für Germanische Philologie an der Freien Universität Berlin. Diese Professur hatte er bis zu seiner Emeritierung 1978 inne, seit 1972 mit besonderem Schwerpunkt Skandinavistik.
In seiner Forschung und den Veröffentlichungen beschäftigte sich Heinrichs vor allem mit der mittelhochdeutschen Literatur und den skandinavischen Sprachen des Mittelalters sowie mit altisländischer Prosa und den Eddaliedern. Zu seinen Interessensgebieten gehörte auch die Dialektologie und die Volkskunde. Von 1955 bis 1983 war er Vorstandsmitglied der Deutsch-Isländischen Gesellschaft (Köln). Im Jahre 1978 wurde er in Island mit dem Großritterkreuz des Falkenordens ausgezeichnet.
Heinrich Matthias Heinrichs war verheiratet mit der Skandinavistin Anne Heinrichs geb. Harder.
Veröffentlichungen (Auswahl)
- Stilbedeutung des Adjektivs im eddischen Heldenlied (= Bonner Beiträge zur deutschen Philologie, Bd. 4). Triltsch, Würzburg-Aumühle 1938 (= Dissertation Universität Bonn).
- Studien zum bestimmten Artikel in den germanischen Sprachen (= Beiträge zur deutschen Philologie, Bd. 1). Schmitz, Gießen 1954 (= Habilitationsschrift Universität Köln).
- Über germanische Dichtungsformeln. In: Suomalaisen Tiedeakatemian Toimituksia. Ser. B, Bd. 84 (1954), S. 241–273.
- Zur Chronologie der "Rheinischen Gutturalisierung". In: Rheinische Vierteljahrsblätter, Bd. 20 (1955), H. 1/4, S. 237–252.
- Nibelungensage und Niederrhein. In: Handelingen van het XXIIIe Vlaams Filologencongres. Brüssel 1959, S. 233–246.
- "Wye grois dan dyn andait eff andacht is ..." Überlegungen zur Frage der sprachlichen Grundschicht im Mittelalter. In: Zeitschrift für Mundartforschung, Bd. 28 (1961), H. 2, S. 97–153.
- (Hrsg.): Die schönsten Geschichten aus Thule. Diederichs, Düsseldorf/Köln 1961 (2. Aufl. 1993, ISBN 3-424-01175-4).
- Die zehn Gebote. Anleitung zur Herstellung eines Bilderdekalogs mit deutschen Reimen aus dem Ende des 14. Jahrhunderts. In: Hugo Moser (Hrsg.): Festschrift Josef Quint. Semmel, Bonn 1964, S. 127–140.
- Zur Wortbildung in der ripuarischen "Pilgerfahrt des träumenden Mönchs". In: Edith Ennen/Günter Wiegelmann (Hrsg.): Festschrift Matthias Zender. Studien zu Volkskultur, Sprache und Landesgeschichte. Bd. 2. Röhrscheid, Bonn 1972, S. 968–978, ISBN 3-7928-0327-5.
- Mündlichkeit und Schriftlichkeit. Ein Problem der Sagaforschung. In: Jahrbuch für internationale Germanistik. Reihe A, Bd. 2,1). Lang. Bern 1976, S. 114–133.
Außerdem weitere Aufsätze in Fachzeitschriften, Festschriften und Sammelbänden.
Festschrift
- Dietrich Hartmann (Hrsg.): Sprache in Gegenwart und Geschichte. Festschrift für Heinrich Matthias Heinrichs zum 65. Geburtstag. Böhlau, Köln 1978, ISBN 3-412-07176-5 (Bibliographie Heinrich Matthias Heinrichs S. 350–352).
Einzelnachweise
- ↑ Heinrichs, Heinrich Matthias. In: Christoph König (Hrsg.): Internationales Germanistenlexikon 1800-1850. Bd. 2. De Gruyter, Berlin 2003, S. 700f., ISBN 3-11-015485-4 (mit allen biografischen Daten u. weiteren Literaturangaben); Heinrichs, Heinrich Matthias. In: Universität zu Köln / Galerie der Professorinnen und Professoren (abgerufen am 11. November 2025).
- ↑ Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/14430886