Heinrich Ludwig von Hünecken
Heinrich Ludwig Freiherr von Hünecken (* 7. Oktober 1767 in Möthlitz (Brandenburg); † 30. Mai 1829) war ein deutscher Offizier und Beamter.[1]
Leben
Heinrich Ludwig von Hünecken wurde als jüngster Sohn des Freiherrn Christoph Friedrich Ludwig von Hünecken, Erbherr auf Dedeleben, Möthlitz, Vehlen und Nizane geboren. Die Familie lebte im Gutshaus Möthlitz. Seine Eltern verstarben in den 1790er Jahren, und sein Bruder Freiherr Christoph Friedrich von Hünecken (* unbekannt; † 23. September 1836) führte die väterlichen Güter weiter.
Er besuchte mehrere Jahre das Domgymnasium in Halberstadt und kam 1782 zum Leibregiment der schweren Reiterei nach Schönebeck. 1790 machte er als Leutnant den Feldzug nach Schlesien mit, und in den folgenden Jahren nahm er auch an den Feldzügen an den Rhein und den niederländischen Flüssen teil. Inzwischen war er zum Rittmeister befördert worden.[3]
Nach der verlorenen Schlacht bei Jena und Auerstedt 1806, bei der er sich in Schönebeck aufhielt, um die Ersatzmannschaft zu sammeln, zu schulen und nachzuführen, waren die Franzosen so schnell wie die Nachrichten in Schönebeck. Er nahm dann noch die ersten Franzosen, die er sah, gefangen, brachte aber anschließend seine Soldaten, die Pferde und Sachen von Wert in Sicherheit. Zuerst flüchtete er nach Magdeburg, aufgrund der dortigen unklaren Verhältnisse flüchtete er weiter nach Mecklenburg und traf unterwegs Gebhard Leberecht von Blücher, der auf dem Rückzug nach Lübeck war. Dieser riet ihm, bei Anklam über die Peene nach Schwedisch-Pommern zu flüchten. Dieser Versuch misslang allerdings, weil bereits zu viele Franzosen vor Ort waren. Er wurde mit seinen Soldaten ausgeplündert und auf ihr Ehrenwort, nicht mehr gegen die Franzosen zu kämpfen, in die Heimat entlassen.
Nachdem er in Dedeleben ankam, nahm er das Amt eines Maire wahr und wurde bald darauf Kanton-Maire bzw. Kreis-Amtmann. Durch seine strenge Bewirtschaftung konnte er in den ihm anvertrauten Gemeinden das Gemeindevermögen wieder auf einen guten Stand bringen.
Während eines Gefechtes am 30. Mai 1813 bei Halberstadt wurde er während eines Erkundungsritts bei Sargstedt in den Bergen des Huy durch Soldaten des russischen Generals Alexander Tschernyschow gefangen genommen, weil diese ihn für einen Spion hielten. Vier preußische Offizieren, die sich im Gefolge des russischen Generals befanden, gelang es, den Verdacht zu entkräften, so dass er wieder in die Freiheit entlassen wurde.
Nach der Schlacht bei Leipzig vom 16. bis 19. Oktober 1813 wurde das linke Elbufer von den Franzosen gesäubert, und nun wurde ein Verwalter gesucht, der mit den militärischen Geschäften und Verhältnissen vertraut war. Daraufhin wurde Kreis-Amtmann Heinrich Ludwig von Hünecken am 3. Februar 1814 zum Landrat ernannt.
Im September 1814 wurde ihm sein Wunsch gewährt, nach Dedeleben zurückzukehren, dort wurde er Landrat des Kreises Osterwieck.
1816 erfolgte eine neue Kreiseinteilung und er stand seit dem 1. Juli 1816 dem Kreis Oschersleben vor;[4][5][6] dieses Amt übte er bis zu seinem Tod aus.
Nachleben
Von seinem Nachlass sind einige Schriftstücke im Militärgeschichtlichen Forschungsamt mit Sitz in Potsdam erhalten geblieben.[7] Des Weiteren sind in der Dorfkirche Dedeleben Kirchengefäße von ihm und seinen Verwandten nachgewiesen worden.[8]
Gut Dedeleben blieb indirekt bis zur Bodenreform 1945 in Familienhand.[9][10] Letzte Gutsherrin, 356 ha, wurde Elly von Hüneken, verheiratet mit Felix von Freyhold. Ihre Erbsohn Alexander trug den Namen von Freyhold-Hüneken, ihm verblieben vom Restgut noch 70 ha.[11]
Von der Familie von Hünecken bestanden bis 1945 zwei Wappen[12] in unterschiedlicher Ausführung im Dom St. Marien Havelberg, die Grundidee dazu stammt aus 1882. Die eigentliche Fertigstellung war dann 1898.[13] Ein Entwurf wurde vom Preußischen Institut für Glasmalerei gefertigt,[14] eine von Alexander Linnenmann/Otto Linnemann aus Frankfurt am Main. Durch Kriegsschäden-Detonation-sind mehrere Heraldiken abgängig. Einige Wappen haben überstanden und sind bis heute in der Havelberger Domkirche zu besichtigen. Dies gilt ebenso für eine Wappendarstellung[15] von zwei noch katholischen Domherrn von Hünecke(n) an der Dompropstei Halberstadt.
Literatur
- Vita. Nekrolog, In: Neuer Nekrolog der Deutschen. Siebenter Jahrgang, 1829, 1. Teil, Verlag Bernh. Friedr. Voigt, Ilmenau 1831, S. 460–462. Nr. 202.
Einzelnachweise
- ↑ Neuer Nekrolog der Deutschen. 7. Jahrgang, 1829, 1. Teil, Verlag Bernh. Friedr. Voigt, Ilmenau 1831, S. 460–462.
- ↑ G. A. von Mülverstedt, Ad. M. Hildebrandt: J. Siebmacher's grosses und allgemeines Wappenbuch. Dritten Bandes-Zweite Abtheilung: Der blühende Adel des Königreichs Preußen-Edelleute A-L., Neu-Auflage, Bauer und Rapse Emil Küster, Nürnberg 1878, S. 181. u. Tafel 228.
- ↑ Vgl. u. a.: Freiherr E. A. Wilhelm Dijon von Monteton: Geschichte des Königlich Preußischen Sechsten Kürassier-Regiments, gen. Kaiser von Rußland. Rang- und Quartierliste 1806, Verlag Adolph Müller, Brandenburg 1842, S. 68.
- ↑ Vgl. Handbuch über den Königlich Preußischen Hof und Staat für das Jahr 1818. Verlag Georg Decker sen., Berlin 1818, S. 256.
- ↑ Vgl. Handbuch über den Königlich Preußischen Hof und Staat für das Jahr 1828. Verlag Decker`sche Geheime Ober-Hofbuchdruckerei (Decker sen.), Berlin 1828, S. 318.
- ↑ Ernst Heinrich Kneschke (Hrsg.): Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon. Band 4, Friedrich Voigt, Leipzig 1863, S. 514.
- ↑ Martin Meier: Die Handschriften der Bibliothek des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes. Hrsg. Militärgeschichtliches Forschungsamt, In: Potsdamer Schriften zur Militärgeschichte. Band 4 Auflage-Online-Ressource, BoD-Norderstedt, Potsdam 2007, ISBN 978-3-9808882-5-7, S. 51.
- ↑ Georg Schmidt: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Sachsen. Hrsg. Historische Commission der Provinz Sachsen, XIV. Heft-Kreis Oschersleben, Verlag Otto Hendel, Halle a. d. S. 1891, S. 56.
- ↑ Handbuch der Provinz Sachsen. 1877. Verlag E. Baensch jun., Magdeburg 1877, S. 158.
- ↑ Vgl. Bruno von Stuckrad: Geschichte des 1. Magdeburgischen Infanterie-Regiments Nr. 26. Band 2, Ernst Siegfried Mittler und Sohn, Berlin 1888, S. 340.
- ↑ Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil B (Briefadel). 1942. Jahrgang 34, Justus Perthes, Gotha 1941, S. 149.
- ↑ Der Deutsche Herold. Zeitschrift für Heraldik, Sphragistik und Genealogie. XIII. Jahrgang, No. 3/4, Hrsg. Herold (Verein), Berlin, April 1882, S. 36.
- ↑ Wissenschaftliche Erklärungen: Prignitz-Museum am Dom Havelberg.
- ↑ Georg Malkowsky (Hrsg.): Deutsche Kunst. Illustrirte Zeitschrift für das gesammte deutsche Kunstschaffen. Central-Organ deutscher Kunst und Künstler-Vereine. Nr. 8, II. Jahrgang, Selbstverlag, Berlin, 15. Januar 1898, S. 157.
- ↑ Vgl. Julius Otto Opel: Die Wahl des Erzherzogs Leopold Wilhelm zum Bischof von Halberstadt durch lutherische und katholische Domherrn im Jahre 1628. E. Anton, Halle 1891, S. 23 ff.