Heinrich I. von Droste zu Hülshoff
Heinrich I. von Droste zu Hülshoff (* 1500; † 1570) war ein Ratsherr der Stadt Münster und Gutsbesitzer von Burg Hülshoff. Bekannt ist vor allem seine Darstellung als Ritter, der 1535 an der Rückeroberung von Münster von den Täufern beteiligt war, als Reiterrelief an Burg Hülshoff.
Leben
Herkunft und Familie
Heinrich I. stammte aus der 12. bekannten Generation der Droste zu Hülshoff und war das erste Familienmitglied, das seinen Dauerwohnsitz 1530 vom Stadthof der Familie in Münster auf die schon 1417 erworbene Burg Hülshoff verlegt hat. Dennoch wurden er und seine Frau noch in der alten Familiengruft in der Überwasserkirche bestattet. Er hatte einen Bruder Johann († 1547), der Scholaster in den beiden Münsteraner Kanonikerstiften St. Martini und St. Mauritz sowie ein Studienfreund des Reformationspredigers Bernd Rothmann war. Eine Schwester Adelheid war Cellerarin im Kloster St. Aegidii.
1535 heiratete Heinrich I. Anna von Steveninck zu Möllenbeck, die als „höchst liebenswerte Dame“ bezeichnet wurde und ein nicht unbedeutendes Vermögen in die Ehe brachte. Mit ihr bekam er zehn Kinder, darunter seinen Nachfolger und langjährigen ersten Bürgermeister der Stadt Münster, Bernhard II. von Droste zu Hülshoff.
Kriegsdienst für den Bischof von Münster
Mit seinem Vater, dem ehemaligen Bürgermeister Johann VII. Droste zu Hülshoff und seinen Vettern Everwin III. Droste zu Handorf und Alhard III. Droste zu Uhlenbrock (beide waren Söhne des ehemaligen Bürgermeisters Everwin II. von Droste zu Handorf) zusammen musste Heinrich I. als Vasall des Fürstbischofs Franz von Waldeck mit einem Reisigen und fünf Pferden an der Belagerung und Befreiung der Stadt Münster von der Täuferherrschaft teilnehmen. Ganz in der Nähe von Burg Hülshoff, in Roxel, hat das bischöfliche Ritterheer 1534 ein Lager für 222 Reiter aufgeschlagen, nachdem sich das Täuferreich von Münster etabliert hatte. Als Heinrich I. in Münster sein durch die Täufer geplündertes Elternhaus, den Erbmannshof am Krummen Timpen, wiedersah, sollen ihm die Tränen gekommen sein. Eine Entschädigung für diese und andere Verluste der Familie gab es nicht; auch statt des ihm zustehenden Soldes erhielt er nur konfisziertes Täufergut im Wert von 30 Gulden (dazu kann ein Gemälde eines Täuferführers gehört haben, das noch in Burg Hülshoff gezeigt wird). Den Rest der Kriegskosten musste er selbst aufbringen, obwohl ein Teil seiner Höfe wegen der Kriegsereignisse wüst und unbesetzt war und das Stammgut Deckenbrock seine Steuerfreiheit eingebüßt hatte. 1538 und 1540 musste er nochmals mit seinem Bischof in den Krieg ziehen gegen den Grafen von Oldenburg.
Stadtrat in Münster
1536 war Heinrich I. unter den Stadträten von Münster, die – nach dem Verbot der Stadtratswahlen – durch den Bischof eingesetzt wurden. So musste er vermutlich an der Hinrichtung der Täuferführer vor der Kirche St. Lamberti (Münster) und den anschließenden Maßnahmen in der verwüsteten Stadt teilnehmen. Bei der ersten freien Wahl des Stadtrats 1554 wurde er zwar gewählt, nahm die Wahl aber nicht an. Daraufhin verklagte ihn die Stadt beim Fürstbischof erfolglos. Er konnte sich auf dessen Verordnung berufen, dass Erbmänner, die nicht in der Stadt wohnten, nicht zur Annahme gezwungen werden konnten. Heinrich I. war ein Mann, der allgemeine Achtung genoss, von Bischof Franz von Waldeck oft zu Rat gezogen und in mehreren Missionen eingesetzt wurde. Er hatte auch gute Beziehungen im Adel, insbesondere zu den Grafenhäusern Münster (westfälisches Adelsgeschlecht) und Bentheim-Steinfurt, mit denen seine Familie seit dem Mittelalter verwandt war.
Gutsbesitzer und Bauherr auf Hülshoff
Trotz seiner Verpflichtungen in Münster konnte Heinrich I. viel in seine Güter investieren. Vor allem tauschte er von der entfernt verwandten Erbmännerfamilie von Cleyhorst den Hof Schonebeck in Roxel, wodurch Gut Hülshoff seine wirtschaftliche Bedeutung erhielt.[1] Auch kaufte bzw. tauschte er zur Arrondierung Grundbesitz in Münster-Überwasser, Greven, Nordwalde, Altenberge, Nienberge und Havixbeck. 1545 hatte er auch Wilkinghege gekauft, aber sogleich wieder eingetauscht. Zudem war er Erbe der alten Familienbesitzungen bei Everswinkel. Zwischen 1546 und 1549 erweiterte er für 14.000 bis 15.000 Taler Burg Hülshoff und befestigte die Burg. Er errichtete Umfassungsmauern, einen dreistöckigen Wachtturm und einen Renaissance-Erker, welche im 18. Jahrhundert abgebrochen wurden.
Abbildung als Reiter-Relief an Burg Hülshoff
An einer Stelle, die heute nicht mehr bekannt ist, ließ Heinrich I. seine (heute am sog. Gärtnersturm befindliche) Darstellung als berittener Befreier der Stadt Münster auf einem Sandsteinrelief anbringen. Die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff, die von ihm abstammte und in Hülshoff aufwuchs, spricht ihn in ihrem Romanfragment Bei uns zu Lande auf dem Lande an als: „alter Hans Heinrich... mit dem Hunde... der Hund hat uns so manchen Prozess weggebellt“[2]. Diese Darstellung und die in der Burg aufgehängten Porträts der Täufer-Anführer inspirierten die Dichterin, worüber sie 1837 schrieb: „ich denke für die nächste und zwar eine geraume Zeit die musikalischen Arbeiten den poetischen nachzusetzen, – die Wiedertäufer wären das Einzige, was mich reizen könnte, da ich so große Lust habe, den Text zu schreiben.“ Zwei Jahre später nahm sie davon Abstand: „Mein Vorhaben, die Epoche der Wiedertäufer zum Stoff meiner nächsten Arbeit zu wählen, beginnt etwas schwankend zu werden, die Katastrophe ist zu gräßlich, auch zu gemein … und die Charaktere der Hauptpersonen verschwimmen zu sehr in der allgemeinen Raserei“… es lässt sich nichts Individuelles mehr erkennen … es dauert mich die viele Musik[3], die ich bereits dazu komponiert habe."[4]
Literatur
- Annette von Droste-Hülshoff: Bei uns zu Lande auf dem Lande (Romanfragment, HKA V, 1, S. 135 f).
- Wilderich von Droste zu Hülshoff: 900 Jahre Droste zu Hülshoff. 2., erweiterte Auflage, Verlag LPV Hortense von Gelmini, Horben 2022, ISBN 978-3-936509-19-9.
Einzelnachweise
- ↑ Karl Moritz: Chronik von Nienberge, Nienberge 1983, S. 39.
- ↑ Annette von Droste-Hülshoff: "Bei uns zu Lande auf dem Lande", Romanfragment, HKA V, 1, S. 135 f)
- ↑ darunter z.B. die durch Urs Joseph Flury als "fünf Tänze" für Orchester arrangierten Motive. s. https://www.youtube.com/watch?v=Zqhzl0Sn_W0
- ↑ Brief vom 04.08.1837 an Junkmann (HKA VIII, 1, S. 229; Brief zw. Oktober 1838/Juni 1939 an Junkmann, HKA IX, 1, S. 34. In der Bibliothek von Hülshoff befand sich das Buch „Kerssenbrock 1568“, welches Annette im Zusammenhang mit diesen Arbeiten auch gelesen hat (HKA XIII, 2, S. 733 ff.).