Heinrich Häberlin (Elektroingenieur)

Heinrich Rudolf Häberlin (* 9. Februar 1947 in Basel) ist ein Schweizer Elektroingenieur, Hochschullehrer und Autor.[1] Häberlin war ein Pionier der Photovoltaik (PV) und hat als Autor entsprechende Standardwerke sowohl auf Deutsch wie auch auf Englisch veröffentlicht.[2]

Leben und Werk

Häberlin besuchte die Schulen in Muttenz und Basel und studierte ab 1966 Elektrotechnik an der ETH Zürich. Dort schloss er 1971 als Diplomingenieur ab und wurde 1978 beim Lehrstuhl für Mikrowellentechnik von Georg Epprecht promoviert.[1]

Ab 1980 war er Dozent an der Berner Fachhochschule, Departement Technik und Informatik. Dort gründete und leitete er ab 1988 das Photovoltaik-Labor.[3]

Er untersuchte netzgekoppelte Anlagen, entwickelte und prüfte Solarwechselrichter[4], experimentierte mit Blitzschutzanlagen[5][6], führte Langzeitmessungen an über 70 PV-Anlagen durch und publizierte als Erster wissenschaftliche Studien über die fassadenintegrierten PV-Anlagen auf dem Jungfraujoch.[7] Bei der Anlage auf dem Jungfraujoch handelte es sich 1993 um die höchstgelegene, netzgekoppelte PV-Anlage der Welt auf 3454 m ü. M.[8] Planung und Ausführung erfolgten durch das PV-Labor von Häberlin. Die Panels waren vertikal angeordnet, um auch Reflexionen von Schnee und Gletscher zu nutzen. Im Mittel über 16 Jahre war die Energieproduktion um 70 Prozent höher als bei vergleichbaren Anlagen im Mittelland.[9]

Spezielle Beiträge machte Häberlin zur elektromagnetischen Verträglichkeit (EMV) von Solarwechselrichtern.[10][11] Auch als Funkamateur im Kurzwellenbereich (KW) untersuchte Häberlin Störeinflüsse durch unterschiedliche Quellen. Er stellte fest, dass beim KW-Funkempfang bestimmte Photovoltaikanlagen in der Nachbarschaft als Störquellen Probleme verursachen können. Dazu verfasste er eine Anleitung zur Messung und Behebung derartiger Störungen.[12]

Häberlin beendete seine Tätigkeit als Hochschullehrer 2015. Danach gewährte er 2021 ein Interview zu seiner Einschätzung der Photovoltaik.[13] Urs Muntwyler als Häberlins Nachfolger am Photovoltaik-Labor führte seine Arbeiten weiter.[14]

Auszeichnung

  • 2011: Schweizer Solarpreis[7]
  • 2018: Ehrenmitglied USKA[15]

Publikationen

  • Photovoltaik. AT Verlag, Aarau/Stuttgart 1991, 231 S. ISBN 978-3-85502-434-6
  • Photovoltaik: Strom aus Sonnenlicht für Verbundnetz und Inselanlagen, VDE Verlag, 3. Aufl. 2012, 724 S. ISBN 978-3-8007-3205-0 (vom VDE als «Standardwerk» bezeichnet)
  • Grid-connected PV plant on Jungfraujoch in the Swiss Alps. In: Photovoltaics in Cold Climates, James & James, London 1999, ISBN 1-873936-89-3
  • «Häberlin war Autor von mehreren Standardwerken der Solarbranche, Fachbüchern und über 150 Fachartikeln zur Photovoltaik».[10]

Einzelnachweise

  1. a b Heinrich Rudolf Häberlin: PLANETH. Dissertation, ETH Nr. 6200, 1978, S. 217, abgerufen am 18. Oktober 2025.
  2. Heinrich Häberlin: PHOTOVOLTAICS: System Design and Practice John Wiley & Sons, Ltd, 2012. ISBN 978-1-119-99285-1, abgerufen am 18. Oktober 2025 (englisch).
  3. Labor für Photovoltaiksysteme. Berner Fachhochschule, abgerufen am 18. Oktober 2025.
  4. Heinrich Häberlin et al.: Photovoltaik-Wechselrichter für Netzverbundanlagen. Silo-Tips, 2. August 2016, S. 20–25, abgerufen am 20. Oktober 2025.
  5. Heinrich Häberlin und Ruthard Minkner: Blitzeinschläge, eine Gefahr für Solarmodule? Experimente zur Blitzstromempfindlichkeit von Photovoltaikanlagen. Bulletin SEV, Heft 1, 1993, S. 42–47.
  6. Heinrich Häberlin: Von simulierten Blitzströmen in Solarmodulen und Solargeneratoren induzierte Spannungen. Bulletin SEV, Heft 10, 2001, S. 29.
  7. a b Solarpreis 2011: Die Gewinner ee-news, 11. Oktober 2011, abgerufen am 18. Oktober 2025.
  8. Simon Oberli: Geschichte der alpinen Solaranlagen (Schweiz) Oberli Engineering, 1. Juli 2024, abgerufen am 25. Oktober 2025
  9. Heinrich Häberlin: Netzgekoppelte Photovoltaikanlage Jungfraujoch. Bulletin SEV, Heft 10, 2004, S. 15–19.
  10. a b Heiko Schwarzburger: EMV: Der DC-String als Störsender. photovoltaik, 17. März 2020, abgerufen am 20. Oktober 2025.
  11. Heinrich Häberlin: EMV-Grenzwerte neu festlegen? Bulletin SEV, Heft 3, 2018, S. 44.
  12. Heinrich Häberlin: Zunehmende Empfangsstörungen bei KW-Amateurstationen durch neue Technologien In: HBradio 4/2017, S. 8–16. Abgerufen am 16. Januar 2026
  13. Radomír Novotný: Der Photovoltaik zum Durchbruch verhelfen. Bulletin SEV, Heft 10, 2021, S. 92–93.
  14. Jürg Wellstein: Photovoltaik braucht Ingenieure. In: Haustechnik, April 2011, Nr. 4, S. 68–70.
  15. Ehrenmitglieder USKA, abgerufen am 16. Januar 2026