Heinrich Glücklich
Heinrich Glücklich (* 11. Januar 1877 in Homburg v. d. H.; † 16. September 1971 in Wiesbaden) war ein deutscher Kaufmann und liberaler Politiker. Er gehörte über mehrere Jahrzehnte zu den einflussreichen Persönlichkeiten der Wiesbadener Kommunalpolitik, war Mitglied des ersten Hessischen Landtags[1] und engagierte sich besonders im Bereich der wirtschaftlichen Selbstorganisation, der sozialen Fürsorge sowie des Kur- und Fremdenverkehrswesens. 1950 wurde er Ehrenbürger der Stadt Wiesbaden.
Leben und Ausbildung
Heinrich Glücklich wurde als siebtes von vierzehn Kindern in Bad Homburg vor der Höhe geboren.[2] Sein Vater betrieb dort ein Kunst- und Silberwarengeschäft und war öffentlich bestellter Taxator. Glücklich besuchte die Allgemeine Bürgerschule (Selecta) und schloss sie als einer der leistungsstärksten Schüler ab. Eine weiterführende schulische Ausbildung war aus wirtschaftlichen Gründen nicht möglich.
Ab 1890 absolvierte er eine kaufmännische Lehre in Bad Homburg von der Höhe. Parallel dazu nahm er an Fortbildungskursen teil und erwarb durch zusätzlichen Unterricht die sogenannte Primareife. Diese Erfahrungen wirkten sich später auf sein gesellschaftliches Engagement aus.[2]
Beruflicher Werdegang
1893 trat Glücklich eine Stellung in Wiesbaden an.[1] Weitere berufliche Stationen führten ihn nach Frankfurt am Main, London, Baden-Baden und Nizza. Nach Tätigkeiten in Bankhäusern wurde er 1901 Kassierer der Mitteldeutschen Kreditbank in Baden-Baden.
1905 übernahm er die Hauptagentur des Norddeutschen Lloyd in Wiesbaden und trat zugleich in das Immobiliengeschäft seines Onkels Johann Christian Glücklich ein, das ursprünglich als Kunsthandlung gegründet worden war. Nach dem Tod des Onkels führte er das Unternehmen allein weiter. Das Geschäft umfasste neben Hausverwaltungen ein Reisebüro, eine Lotterieannahmestelle sowie eine amtliche Fahrkartenausgabe. 1939 wurde das Unternehmen organisatorisch in ein Immobilienbüro und das Reisebüro Glücklich getrennt.
1920 übernahm Glücklich zusätzlich die Leitung der deutschen Niederlassung der ägyptischen Zigarettenfabrik Ed. Laurens GmbH, blieb jedoch weiterhin unternehmerisch in Wiesbaden tätig.[2]
Militärdienst
Glücklich leistete seinen Militärdienst zunächst als Einjährig-Freiwilliger und wurde Reserveoffizier.[1] Am Ersten Weltkrieg nahm er als Offizier und Kompanieführer teil, zuletzt im Rang eines Hauptmanns der Landwehr.
Politisches Wirken bis 1933
Bereits 1897 trat Glücklich der Nationalliberalen Partei bei und gehörte dem Kreisvorstand in Bad Homburg sowie später dem Parteivorstand in Wiesbaden an. 1909 wurde er in die Wiesbadener Stadtverordnetenversammlung gewählt, der er bis 1928 angehörte.
Nach dem Ende des Kaiserreichs war er Mitbegründer der Deutschen Volkspartei (DVP) in Wiesbaden und stand ihr von 1918 bis 1933 als Vorsitzender vor. Von 1928 bis 1933 amtierte er als ehrenamtlicher Stadtrat und unbesoldetes Mitglied des Magistrats. In dieser Funktion war er in zahlreichen Ausschüssen und Deputationen tätig, unter anderem für Kur- und Bäderwesen, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und höhere Schulen.
Zeit des Nationalsozialismus
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde Glücklich 1933 aus allen politischen und ehrenamtlichen Ämtern entfernt. Eine weitere öffentliche Tätigkeit blieb ihm während der Zeit des Nationalsozialismus verwehrt.[1]
Neubeginn nach 1945
Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs nahm Glücklich seine politische Arbeit wieder auf und gehörte zu den Mitbegründern der CDU in Wiesbaden. Bereits Ende 1945 trat er jedoch aus der Partei aus und gründete die Bürger- und Bauernpartei, die 1946 in der Liberal-Demokratischen Partei (LDP) aufging. Glücklich wurde Vorsitzender der LDP für Wiesbaden und den Rheingau.
Vom 1. Dezember 1946 bis zum 30. November 1950 war er Abgeordneter der LDP/FDP im ersten Hessischen Landtag über den Kreiswahlvorschlag des Wahlkreises XIII.[1] Als ältestes Mitglied fungierte er vom 26. Oktober bis 30. November 1950 als Alterspräsident des Hessischen Landtags.[1] In seiner parlamentarischen Arbeit setzte er sich insbesondere für die Belange der hessischen Kurorte ein.[2]
Von 1948 bis 1952 war Glücklich erneut ehrenamtlicher Stadtrat in Wiesbaden. Am 3. März 1952 schied er endgültig aus dem Magistrat aus.
Gesellschaftliches und wirtschaftliches Engagement
Ein Schwerpunkt von Glücklichs Wirken lag in der wirtschaftlichen Selbstorganisation und sozialen Fürsorge. Bereits in Bad Homburg war er Vorsitzender des Kaufmännischen Vereins, ab 1907 übernahm er dieses Amt in Wiesbaden und behielt es bis 1933. Von 1907 bis 1914 gehörte er dem Vorstand des Deutschen Verbandes Kaufmännischer Vereine an.[2]
1910 war Glücklich Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft für Kaufmanns-Erholungsheime (DGK).[2] Er wirkte zunächst als Präsident, später als Ehrenpräsident. Ziel der Gesellschaft war es, kaufmännischen Angestellten Erholungsaufenthalte zu sozial verträglichen Bedingungen zu ermöglichen. Nach 1945 baute Glücklich die Gesellschaft maßgeblich wieder auf. Unter seiner Leitung entwickelte sie sich zur Europäischen Gesellschaft für Kur- und Erholungsheime mit Einrichtungen in mehreren europäischen Ländern.
Darüber hinaus engagierte sich Glücklich intensiv für die Entwicklung Wiesbadens als Kur- und Fremdenverkehrsstadt. Er war langjähriger Vorsitzender des Kur- und Verkehrsvereins Wiesbaden sowie des Haus- & Grundbesitzervereins. Seine Initiative trug zur Einrichtung des balneologischen Instituts und der Rheumaklinik bei; zudem regte er die Umwandlung der Fasanerie in einen Tierpark an.[2] 1948 gründete er die Wirtschaftliche Vereinigung Wiesbaden, deren Vorsitz er über viele Jahre innehatte.
Ehrungen
- 1950: Ehrenbürger der Stadt Wiesbaden
- Ehrenbürger der Gemeinde Grasellenbach (Odenwald)
- 1952: Verdienstkreuz Erster Klasse der Bundesrepublik Deutschland[1]
- 1960: Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland[1]
- 1962: Goldene Ehrenplakette der Stadt Wiesbaden
Literatur
- Glücklich, Heinrich: Was wird aus Wiesbaden? Ein kommunal-politischer Vortrag des Stadtverordneten Heinrich Glücklich. Hrsg. von der Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Kur- und Fremdenverkehrs. Heft 1. Wiesbaden 1926, 16 S.
- Jochen Lengemann: Das Hessen-Parlament 1946–1986. Biographisches Handbuch des Beratenden Landesausschusses, der Verfassungsberatenden Landesversammlung und des Hessischen Landtags (1.–11. Wahlperiode). Hrsg.: Präsident des Hessischen Landtags. Insel-Verlag, Frankfurt am Main 1986, ISBN 3-458-14330-0, S. 265 (hessen.de [PDF; 12,4 MB]).
- Jochen Lengemann: MdL Hessen. 1808–1996. Biographischer Index (= Politische und parlamentarische Geschichte des Landes Hessen. Bd. 14 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen. Bd. 48, 7). Elwert, Marburg 1996, ISBN 3-7708-1071-6, S. 147.
- Otto Renkhoff: Nassauische Biographie. Kurzbiographien aus 13 Jahrhunderten. 2. Auflage. Historische Kommission für Nassau, Wiesbaden 1992. ISBN 3-922244-90-4, S. 234, Nr. 1316.
- Heinrich Glücklich. Festschrift zum 85. Geburtstag am 11. Januar 1962. Herausgegeben von Erika Fischer und Friedrich Middelhauve. Wiesbaden: Deutsche Gesellschaft für Kur- und Erholungsheime für Handel und Industrie e. V., 1962, 107 S., Ill.
Weblinks
- Glücklich, Heinrich. Hessische Biografie. (Stand: 10. Juli 2020). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
- Heinrich Glücklich. In: Hessische Parlamentarismusgeschichte Online. Hessischer Landtag. (abgerufen am 1. Januar 2026).
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g h Hessische Parlamentarismusgeschichte – Zugang zu Quellen & Materialien. Abgerufen am 1. Januar 2026.
- ↑ a b c d e f g Friedrich Middelhauve: Heinrich Glücklich. Sein Leben und seine Persönlichkeit. In: Erika Fischer, Friedrich Middelhauve (Hrsg.): Heinrich Glücklich. Festschrift zum 85. Geburtstag am 11. Januar 1962. Deutsche Gesellschaft für Kur- und Erholungsheime für Handel und Industrie e. V., Wiesbaden 1962, S. 12.