Heinrich Gütermann

Heinrich Gütermann (geboren 20. Januar 1880 in Bamberg; gestorben 11. Februar 1963 in Montevideo) war ein deutsch-uruguayischer Verleger.

Leben

Heinrich Gütermann war ein Sohn des Kaufmanns Louis Gütermann (1855–1906) und der Berta Heidenheimer (1857–1899). Er war ein Neffe des Buchhändlers Albert Bensheimer, der zusammen mit seinen Brüdern die 1839 gegründete J. Bensheimer Verlagsbuchhandlung in Mannheim besaß. Zum Unternehmen gehörte auch die Neue Badische Landeszeitung. Nach dem Tod seiner Mutter zog Gütermann nach Mannheim und arbeitete in der Buchhandlung, die ab 1906 von Julius Bensheimer (1850–1917) allein geführt wurde. Er wurde in der Verlagsbuchhandlung 1906 Juniorchef und 1907 Sozius[1]. Gütermann war von 1914 bis 1917 als Leutnant Soldat im Ersten Weltkrieg.

Beim Ableben von Julius Bensheimer 1917 erbte Gütermann das Unternehmen. Er heiratete 1919 Louise Feitel (1893–1963), Tochter des Mannheimer Brauereibesitzers Jakob Feitel und Cousine von Ernst Bloch.

In der Weimarer Republik gelang es Gütermann, den Buchverlag zu einem führenden juristischen Fachverlag zu entwickeln. Außerdem brachte er diverse Fachbuchverlage und belletristische Verlage in der „Allgemeinen Verlagsanstalt“ in München zusammen und war an dem 1924 in Bologna gegründeten Kunstverlag „Casa Editrice Apollo“ beteiligt. Die notorisch defizitäre Zeitung, die aus dem Geld seines Schwiegervaters subventioniert wurde, ging Mitte der Zwanziger Jahre mit der Vossischen Zeitung des Ullstein-Verlags eine Kooperation ein.[2] Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde die Zeitung gleichgeschaltet und am 28. Februar 1934 eingestellt. Nach dem Zwangsverkauf der Druckerei und des Buchverlags 1936/37 floh das Ehepaar Gütermann im August 1938 nach Paris. Ende Mai 1940 wurden sie als „unerwünschte Ausländer“ festgenommen und in verschiedenen Internierungslagern des Vichy-Regimes festgehalten. 1941 wurden sie im Deutschen Reich ausgebürgert.[3] 1942 gelang ihnen die Flucht nach Uruguay.

In Montevideo gründete Gütermann 1944 eine internationale Grosso-Buchhandlung, deren Sortiment zur Hälfte aus deutschsprachiger Literatur bestand.

Literatur

  • Gütermann, Heinrich. In: Ernst Fischer: Verleger, Buchhändler & Antiquare aus Deutschland und Österreich in der Emigration nach 1933: Ein biographisches Handbuch. 2. Auflage. Berlin : De Gruyter, 2020, S. 111f.
  • Gütermann, Heinrich, in: Werner Röder, Herbert A. Strauss (Hrsg.): Biographisches Handbuch der deutschsprachigen Emigration nach 1933. Band 1: Politik, Wirtschaft, Öffentliches Leben. München: Saur, 1980, S. 253

Einzelnachweise

  1. Heinrich Gütermann tritt als Teilhaber ein, Geschäftsrundschreiben, 1906, bei DNB
  2. Udo Leuschner: Neue Badische Landes-Zeitung (1856 - 1934), bei: Udo Leuschner, Zeitungsgeschichte
  3. Michael Hepp (Hrsg.): Die Ausbürgerung deutscher Staatsangehöriger 1933–45 nach den im Reichsanzeiger veröffentlichten Listen. Band 1: Listen in chronologischer Reihenfolge. München: Saur, 1985, S. 536