Heinrich Ferdinand Schuberth

Heinrich Ferdinand Theophil Schuberth (* 22. Juli 1789 in Pühlau, im Landkreis Oels; † 13. November 1861 in Breslau) war ein Ingenieuroffizier der Preußischen Armee, dessen Entwürfe maßgeblich die Anlagen der Großfestung Köln prägten.[1]

Familie

Heinrich Schuberth wurde am 22. Juli 1789 als Sohn des Wirtschaftsinspektors Johann Georg Schuberth und dessen Ehefrau Elisabeth Frantz auf dem Rittergut Pühlau in Schlesien geboren. Sein Vater erhielt 1801 die gleiche Stellung beim Herzog Eugen von Württemberg im oberschlesischen Carlsruhe.[2] Heinrich heiratete am 4. Mai 1818 im französischen Sedan Elise Perret (* 2. August 1798 in Les Brenets, Kanton Neuenburg; † 10. April 1829 Breslau) eine Tochter des dortigen Tuchfabrikanten Felix Heinrich Perret und der Augustine Bertot.[3] Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor:

  • Carl Heinrich Georg Felix (* 5. April 1819 in Mainz;[4] † 31. Oktober 1826 in Breslau).[5]
  • Emma (* 22. August 1822 in Koblenz;[6] † 4. Juli 1862 in Carlsruhe).[7]
  • Emil (* 7. November 1827 Breslau)[8] war im November 1847 in die Vereinigten Staaten ausgewandert und erwarb nahe Houston in Texas eine Farm, wofür ihm sein Vater zuvor 1700 Taler auf sein späteres Erbe auszahlte. Nachdem seine Familie seit 1848 keine Nachricht mehr von ihm erhalten hatte, wurde er am 19. November 1862 von einem Breslauer Gericht für tot erklärt.[9]

Heinrich Schuberth wohnte zuletzt in Breslau, Bahnhofstraße 7, wo er am 13. November 1861 verstarb und auf dem Militärfriedhof nahe dem Ohlauer Stadtgraben beerdigt wurde.[10]

Militärlaufbahn

Schuberth war als Ingenieurgeograph in die preußische Armee eingetreten und wird in der Rangliste des preußischen Ingenieurkorps vom 21. August 1813 als Sekondeleutnant geführt. Er nahm an den Befreiungskriegen gegen Frankreich teil. 1815 gehörte er zum preußischen II. Armeekorps, wo er mit den Pioniereinheiten bei der Belagerung gegen die Festungen Landrecies und Philippeville eingesetzt wurde. Am 20. April 1816 erhielt er seine Beförderung zum Premierleutnant und blieb mit den preußischen Besatzungstruppen bis 1818 in Frankreich. Seit 24. März 1817 Hauptmann II. Klasse war er anschließend bis 1821 am Ausbau der Bundesfestung Mainz beteiligt. Am 11. Mai 1822 zum Hauptmann I. Klasse befördert, war er von 1822 bis 1823 zum Fortifikationsdienst in der Großfestung Koblenz kommandiert. Am 3. Januar 1824 wurde er zum VI. Armeekorps nach Breslau versetzt, wo er als Garnisonbaudirektor tätig war und am 18. April 1837 seine Beförderung zum Major erhielt. Seit 21. Oktober 1837 arbeitete er als Platzingenieur in der Festung Erfurt und seit 24. März 1839 in gleicher Stellung in der Großfestung Köln. Am 25. April 1844 erhielt er seine vorläufige Ernennung (Bestätigung vom 14. Januar 1845) zum Inspekteur der 3. Festungsinspektion im oberschlesischen Neisse, wo er am 27. Januar 1846 im Rang eines Oberstleutnants aus dem Militärdienst verabschiedet wurde.

Bedeutung für den Festungsbau

Nach Schuberths Entwürfen sind zahlreiche preußische Festungsbauten entstanden. In der Großfestung Koblenz plante er das heute noch erhaltene Fort Großfürst Konstantin. Als Kölner Platzingenieur entwarf er seit etwa 1841 weitgehend alle Pläne zur zweiten Bauphase des sogenannten Kölner Festungsrings, die vom Generalinspekteur aller preußischen Festungen, dem General Ernst Ludwig von Aster, sowie dem Oberbaurat Carl Ferdinand Busse, einem Mitarbeiter Karl Friedrich Schinkels, überarbeiten wurden. Nach deren Genehmigung entstanden so in den 1840er Jahren linkrheinisch die Forts III, V, VII und IX bzw. wurden die schon bestehenden Rhein- und Rhieler-Schanzen zu den Forts I und XI erweitert sowie die beiden Friedenspulvermagazine 3 und 6. Rechtsrheinisch entstanden die Lünetten 8 (1857–1859 zum Fort XIV erweitert) und 9 (1858–1859 zum Fort XV erweitert).

Darüber hinaus entwarf Schuberth bereits 1840 in Köln Pläne für Bauten am Zeughaus und dem Heumarkt, wobei diese allerdings wesentlich durch Busse abgeändert wurden, sowie 1842 den Bau des Wachthauses am Waidmarkt. Reste dieser im Stil des ausgehenden Klassizismus entstandenen Bauwerke sind noch heute erhalten.[1]

Auszeichnungen

Eisernes Kreuz 2. Klasse (1816), Roter Adlerorden 3. Klasse mit Schleife (22. Januar 1843) und Dienstauszeichnungskreuz für Offiziere.

Werke

  • Der Telegraph. Koblenz 1823 (Dieses Manuskript befand sich 1888 in der Bibliothek der Königlichen General-Inspektion des Ingenieur- und Pionier-Korps und der Festungen in Berlin; sein Verbleib ist unbekannt).

Literatur

  • Henriette Meynen (Hrsg.): Festungsstadt Köln. Das Bollwerk im Westen. Emons Verlag, Köln 2010, ISBN 978-3-89705-780-7

Einzelnachweise

  1. a b Henriette Meynen (Hrsg.): Festungsstadt Köln. Das Bollwerk im Westen. Personenverzeichnis S. 507 f.
  2. Dienstveränderungen. In: Schlesische Provinzialblätter. Band 34, Nr. 12, 1801, S. 584.
  3. Archivgut: Zivilstandsregister Sedan. Bestand: Heiraten, Jg. 1817–1822. Dokument: Seite 31. Archives Départementales des Adrennes. 04.05.1818. Signatur: 2E409 41.
  4. Geburten. In: Schlesische Provinzialblätter. Band 69, Nr. 4, 1819, S. 378.
  5. Archivgut: Garnisonkirchenbuch Breslau. Bestand: Beerdigungsbuch, Jg. 1823–1868. Dokument: Seite 145. Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin. 31.10.1826. Signatur: MKB 1480.
  6. Archivgut: Garnisonkirchenbuch Koblenz. Bestand: Taufbuch, Jg. 1817–1862. Dokument: Seite 55. Archivstelle Boppard der Evangelischen Kirche im Rheinland. 22.08.1822. Signatur: I/13n.
  7. Familiennachrichten. In: Breslauer Zeitung. Nr. 305, 1862, S. 1601.
  8. Archivgut: Garnisonkirchenbuch Breslau. Bestand: Taufbuch, Jg. 1813–1833. Dokument: Seite 112. Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin. 07.11.1827. Signatur: MKB 1468.
  9. Amtliche Anzeigen. In: Breslauer Zeitung. Nr. 113, 1862, S. 531.
  10. Archivgut: Garnisonkirchenbuch Breslau. Bestand: Beerdigungsbuch, Jg. 1823–1868. Dokument: Seite 412. Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz in Berlin. 13.11.1861. Signatur: MKB 1480.