Heiningen (Backnang)
Heiningen (Backnang) Gemeinde Backnang
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| Koordinaten: | 48° 55′ N, 9° 27′ O |
| Höhe: | 292 m |
| Eingemeindung: | 1. Januar 1972 |
| Eingemeindet nach: | Backnang |
| Postleitzahl: | 71522 |
| Vorwahl: | 07191 |
| Lage von Heiningen (rot) in Backnang
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Ehemaliges Rathaus
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Heiningen ist ein Dorf und seit 1972 ein Stadtteil der Großen Kreisstadt Backnang im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis. Das Dorf liegt 292 m ü. NN.
Geschichte
Antike
Während der Römerzeit gehörte das heutige Gemeindegebiet zum Dekumatland (agri decumates) der Provinz Obergermanien (Germania superior) und war von einer gallisch-römischen Mischbevölkerung bewohnt. Nach dem Limesfall (ca. 260 n. Chr.) war das Gebiet zunächst unbewohnt und wurde allmählich von den Alemannen besiedelt. Verbliebene Gallier und Römer wurden vertrieben oder assimiliert. Heiningen ist wohl im 5. Jahrhundert gegründet worden. Der Ort ist damit eine der ältesten Siedlungen im nördlichen Rems-Murr-Kreis. Der Ortsname Heiningen ist auf einen germanischen Personennamen zurückzuführen, möglicherweise auf eine Person namens Huno. Jene Person könnte das erste Dorfoberhaupt oder der Grundherr der Siedlung gewesen sein.[1]
Mittelalter
Im Frühmittelalter dürfte sich die Gemarkung Heiningens über die gesamte südliche Backnanger Bucht erstreckt haben. Von dem Urdorf Heiningen aus wurde das ganze umliegende Gebiet besiedelt. Tochtersiedlungen Heiningens dürften Allmersbach im Tal, Cottenweiler und Unterweissach gewesen sein. Für diese Annahme spricht, dass Heiningen mit den genannten Ortschaften noch lange einen gemeinsamen Hutewald, den Hartwald hatte. Der Hartwald wurde in der Folgezeit durch Abholzung immer weiter dezimiert; letzte Reste wurden im 19. Jahrhundert gerodet. In späteren Zeiten erfolgte noch die Gründung von Vogtsweiler auf Heininger Gebiet.[2] In dieser Zeit herrschten die Markgrafen von Baden über die Region und residierten auf der Backnanger Burg.
Im Jahre 1134 wurde der Ort als Huningen in einem Schenkungsvertrag von Gütern des Markgrafen Hermann III. von Baden an das Stift Backnang erwähnt. Mit diesem Vertrag verschenkte Hermann III. und seine Gattin Bertha mit Genehmigung des Bischofs von Speyer, Siegfried II. von Wolfsölden, ein Gut im Gau Heiningen (in pago Huningen) an das Stift Backnang. Allerdings sollten die Brüder Konrad und Otto von Wolfsölden zwei Häuser in Heiningen als Lehen besitzen. 1245 bestätigte Papst Innozenz IV. die Besitzungen des Stifts in Heiningen.
Heiningen ist trotz seines hohen Alters stets eine kleine Ortschaft geblieben. Im 15. Jahrhundert umfasste Heiningen lediglich 9 Hofgüter.[3] In den erhaltenen Lagerbüchern wird der Ort stets als Weiler bezeichnet. Heiningen hatte keine Kirche,[4] aber eine Kapelle, welche jedoch im 17. Jahrhundert abgegangen ist.[5] Nordwestlich des Dorfes kommt der Flurname Bürgle (auch Birkle) vor. Die Bezeichnung soll auf eine abgegangene Burg hindeuten.[6] Ein Ortsadliger Gernold von Heiningen (Hüningen) wird 1414 erwähnt.[7] 1439 verpfändeten die Grafen Ludwig und Ulrich von Württemberg Heiningen an Peter und Wernher Nothaft von Hohenberg.
In einem württembergischen Lagerbuch von 1528 heißt es: Heyningen ist ein Weyler und es hat die Herrschaft Wirtemberg daselbst alle Obrigkeit, Herrlichkeit, Gebot, Verbot, Frevel, Strafen und Bußen, gehört unter den Stab und das Gericht von Undernwyssach und ist Rychenberger Ampts, ußgenommen die 5 Güter, so dem Stifft Backnang mit Lehenschaft zugehören.[3]
Nach der Rückkehr Herzog Ulrichs von Württemberg aus seinem hessischen Exil wurde 1535 die Reformation eingeführt. Seitdem ist Heiningen wie ganz Altwürttemberg evangelisch-lutherisch geprägt.
Neuzeit
Im Jahre 1593 erschien Heiningen unter dem Namen Hyning auf einer Karte von Georg Gadner.[8]
Der Ort gehörte zum württembergischen Oberamt Backnang, seit 1938 zum neu formierten Landkreis Backnang.
Zur Gemeinde Heiningen gehörte lediglich das gleichnamige Dorf. Sie hatte eine Fläche von 2,75 km² und wurde am 1. Januar 1972 nach Backnang eingemeindet.[9]
Einwohnerentwicklung
- 1810: 229[10]
- 1828: 352 (davon 8 Katholiken)[11]
- 1847: 272 (davon 8 Katholiken)[12]
- 1866: 284 (davon 5 Katholiken)[13]
- 1873: 280 (davon 5 mit eigener Konfession)[14]
- 1877: 310 (davon 1 Katholik)[15]
- 1881: 308[16]
- 1886: 303 (davon 1 Katholik)[17]
- 1896: 284[18]
Vereinsleben
- Entschieden für Christus Waldrems-Heiningen-Maubach (EC HaWeMa)
- Landfrauenverein Heiningen
- Luftsportverein LSV Backnang-Heiningen e.V.
- Modellbahner Backnang e.V.
Politik
Heiningen ist eine Ortschaft mit eigenem aus acht Mitgliedern bestehendem Ortschaftsrat im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung.[19]
Schultheißen und Bürgermeister
Die Schultheißen waren zumeist wohlhabende und angesehene Landwirte, die man umgangssprachlich auch Bauraschultes (Bauernschultes) nannte. Erst 1930 wurde in Württemberg die Amtsbezeichnung Schultheiß durch Bürgermeister ersetzt. Die Liste der Schultheißen ist unvollständig und die Amtszeiten sind teilweise unklar.
- um 1677: Abraham Dauttel[20]
- 1677–1695: Hans Dauttel[20]
- 1695: Balthasar Kumpf[20]
- 1728: Johann Michael Braun
- 1732: Abraham Dauttel[20]
- 1732–1733 Johann Michael Dauttel[20]
- 1767–1778: Johann Georg Zeltwanger[20]
- 1779–1815: Johann David Pfleiderer[10][20]
- 1815–1820: Thomas David Rau[20]
- 1828: Berner[11]
- 1839: Johann Jakob Pfizenmaier[20]
- 1839–1871: Johann Friedrich Spahr[12][20]
- 1871–1872: Johann Leonhard Entenmann[20]
- 1873: Johann Jakob Bäuerle[14][20]
- 1926: Karl Gottlob Of[20]
- 1926: Gottlob Johann Pfuderer[20]
- bis 1972: Ulrich Schäfer (in Personalunion mit Waldrems und Maubach)[21]
Wappen und Fahne
Heiningen führte vor der Eingemeindung ein eigenes Wappen und eine eigene Hiss- und Bannerfahne.
Die Blasonierung des ehemaligen Gemeindewappens lautet: „In grünem Wappenschild sieben gebündelte goldene (in der Heraldik als gelb dargestellte) Ähren.“
Wappenbegründung: Das grüne Schild und die Ähren verweisen auf den fruchtbaren und stets landwirtschaftlich genutzten Boden der Altgemeinde Heiningen.
Die Gemeindefarben waren Gold (dargestellt als Gelb) und Grün.
Mit der Auflösung der Gemeinde im Zuge der Verwaltungsreform 1971 ist das Wappen erloschen. Es wird noch gelegentlich von ortsansässigen Vereinen und zur Traditionspflege verwendet, etwa in Form von Abzeichen, Autoaufklebern und Wimpeln. Seit Beginn der 2010er Jahre ist das Wappen auch wieder auf neu aufgestellten Ortstafeln zu sehen.
Bilder von Heiningen
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Alte Gebäude im Ortskern
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Alte Gebäude im Ortskern
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Alte Gebäude im Ortskern
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Gastwirtschaft Rössle
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Flugplatz Backnang-Heiningen mit Hangars
Persönlichkeiten
Mit Heiningen verbundene Persönlichkeiten
- Ulrich Schäfer (* 1940), Kommunalpolitiker und ehemaliger Fußballfunktionär
Literatur
- Emil Kost: Das Urdorf Heiningen und die frühdeutsche Besiedlung der Backnanger Bucht. In: Württembergisch Franken. Jahrbuch des historischen Vereins für württembergisch Fanken. Band 24/25. Schwäbisch Hall 1950, S. 87f.
- Horst Lässing (Hrsg.): Der Rems-Murr-Kreis. Konrad-Theiss-Verlag, Stuttgart 1980, ISBN 3-8062-0243-5.
- Burkhart Oertel: Ortssippenbuch der württembergischen Kreisstadt Backnang. Band 3: Für die Teilorte Heiningen, Maubach, Waldrems mit Horbach 1599–1920. Selbstverlag des Verfassers, Neubiberg 2004 (= Württembergische Ortssippenbücher, 60)
- Heiningen. In: Karl Eduard Paulus (Hrsg.): Beschreibung des Oberamts Backnang (= Die Württembergischen Oberamtsbeschreibungen 1824–1886. Band 53). H. Lindemann, Stuttgart 1871, S. 203–205 (Volltext [Wikisource]).
Weblinks
- Meßtischblatt 7022 Backnang mit Heiningen von 1903 in der Deutschen Fotothek.
Einzelnachweise
- ↑ Kost, S. 88.
- ↑ Kost, S. 106.
- ↑ a b Kost, S. 96.
- ↑ Heiningen - Altgemeinde~Teilort - Detailseite - LEO-BW. Abgerufen am 30. August 2023.
- ↑ Karl Eduard von Paulus: Beschreibung des Oberamts Backnang. Hrsg.: Karl Eduard von Paulus. H. Lindemann, Stuttgart 1871, S. 204.
- ↑ Karl Eduard von Paulus (Hrsg.): Beschreibung des Oberamts Backnang. H. Lindemann, Stuttgart 1871, S. 123.
- ↑ Karl Eduard von Paulus (Hrsg.): Beschreibung des Oberamts Backnang. H. Lindemann, Stuttgart 1871, S. 205.
- ↑ Landesarchiv Baden-Württemberg Abt. Hauptstaatsarchiv Stuttgart - Dokumente. Abgerufen am 19. Oktober 2023.
- ↑ Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. W. Kohlhammer, Stuttgart / Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 446 (Statistische Bibliothek des Bundes und der Länder [PDF; 41,1 MB]).
- ↑ a b Königlich Württembergisches Hof- und Staats-Handbuch. J.F. Steinkopf, Stuttgart 1810, S. 251.
- ↑ a b Königlich Württembergisches Hof- und Staats-Handbuch. J.F. Steinkopf, Stuttgart 1828, S. 156.
- ↑ a b Königlich Württembergisches Hof- und Staats-Handbuch. Verlag der Königlichen Hofbuchdruckerei, Stuttgart 1847, S. 169.
- ↑ Königlich statistisch-topographisches Bureau (Hrsg.): Hof- und Staats-Handbuch des Königreichs Württemberg. Verlag der Königlichen Hofbuchdruckerei, Stuttgart 1866, S. 200.
- ↑ a b Königlich statistisch-topographisches Bureau (Hrsg.): Hof- und Staats-Handbuch des Königreichs Württemberg. Carl Grüninger, Stuttgart 1873, S. 355.
- ↑ Königlich statistisch-topographisches Bureau (Hrsg.): Hof- und Staats-Handbuch des Königreichs Württemberg. W. Kohlhammer, Stuttgart 1877, S. 319.
- ↑ Hof- und Staatshandbuch des Königreichs Württemberg. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1881, S. 336.
- ↑ Königliches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Hof- und Staats-Handbuch des Königreichs Württemberg. W. Kohlhammer, Stuttgart 1886, S. 348.
- ↑ Königlich Statistisches Landesamt (Hrsg.): Hof- und Staats-Handbuch des Königreichs Württemberg. W. Kohlhammer, Stuttgart 1896, S. 373.
- ↑ Hauptsatzung der Stadt Backnang vom 23. Juli 1998 ( des vom 29. Oktober 2020 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. (PDF)
- ↑ a b c d e f g h i j k l m n Burkhart Oertel (Hrsg.): Ortssippenbuch der württembergischen Kreisstadt Backnang. Band 3. Selbstverlag des Verfassers, Neubiberg und Frankfurt am Main 2004, S. 4.
- ↑ Bürgermeister verweigerte die Unterschrift. Abgerufen am 3. Juli 2024.