Heimsuchung (Rogier van der Weyden)
| Heimsuchung |
|---|
| Rogier van der Weyden, 1435–1440[1] |
| Tempera auf Eichenholz |
| 57,5 × 36,2 cm |
| Museum der bildenden Künste Leipzig |
Die Heimsuchung ist ein zwischen 1435 und 1440[1] entstandenes Gemälde des flämischen Meisters Rogier van der Weyden über Mariä Heimsuchung, das im Museum der bildenden Künste in Leipzig ausgestellt ist. Es ist eines der Hauptwerke aus der Sammlung Maximilian Speck von Sternburg[2].
Das Werk zeigt die biblische Episode (Evangelium nach Lukas, Lk 1,39–40 ) des Besuchs der mit Jesus schwangeren Maria bei ihrer Cousine Elisabet, die viel älter war und ebenfalls kurz vor der Geburt von Johannes dem Täufer stand.
Beschreibung
Vorne im Zentrum des Bildes stehen Maria und Elizabet auf einem schmalen Feldweg, der nach hinten auf ein stattliches Gebäude zuläuft. Die beiden Frauen begrüßen sich, indem sie sich gegenseitig die Hände auf den Bauch legen. In der Körperhaltung von Elisabet wird ein Niederknien angedeutet.
Das Gebäude hinten weist viele Elemente einer Kirche auf, an die Elisabets Haus offensichtlich angebaut ist. So ist das Gebäude unter anderem mit schmalen Buntglasfenstern ausgestattet. Architektur und Kleidermode der beiden Frauen entsprechen der der Entstehungszeit des Bildes. Dadurch wird der damals übliche anachronistische Eindruck erweckt, als sei die Heimsuchung ein zeitgenössisches Ereignis[2].
Rechts im Hintergrund, vor der Tür des Gebäudes, steht Elisabets Mann Zacharias mit einem weißen Hund. Links hinter Maria erstreckt sich im Hintergrund eine weite Landschaft, was auf eine lange Reise hindeutet. In einiger Entfernung befindet sich etwas, das wie ein Wasserrückhalteteich mit einem Schwan[3] an der Oberfläche und einigen Spaziergängern an seinen Ufern aussieht. Dahinter ist ein ordentlicher Baumbestand auszumachen, der ein Obstgarten sein könnte. Noch weiter entfernt ist etwas zu erkennen, das wie ein Gehöft aussieht. Und ganz am Horizont sind die Konturen einer Stadt.
Es ist ein klarer, ruhiger Tag mit hohen Wolken. Zahlreiche Vögel fliegen um die höchsten Teile des Bauwerks vorne.
„Das Bild lässt eine tief vergeistigte Sensibilität und großes seelisches Feingefühl des Malers erkennen. Er verlegt das legendäre Zusammentreffen der schwangeren Maria und Elisabeth in eine weite flandrische Landschaft, die zwar noch Marianische Symbole einschließt, aber zugleich ein getreues Abbild der realen Umwelt vermittelt, wie Roger van der Weyden sie alltäglich vor Augen sah.“
Neuere Geschichte des Bildes
Das Bild wurde im 19. Jahrhundert, als es sich bereits im Besitz von Maximilian von Speck von Sternburg befand, dem Maler Hans Memling zugeschrieben.
Im 20. Jahrhundert hatte die Sammlung Speck von Sternburg ein turbulentes Schicksal. Nachdem die Familie 1946 im Zuge der Bodenreform ihres Besitzes beraubt worden war, wurden ihre Kunstschätze bis zur Wiedervereinigung Deutschlands in das Leipziger Museum eingegliedert. Nach der Wiedervereinigung und aufgrund neuer gesetzlicher Bestimmungen wurde die Kunstsammlung 1994 an die Erben zurückgegeben. Doch man entschied sich großzügigerweise, es dem Museum der bildenden Künste in Leipzig als Dauerleihgabe zur Verfügung zu stellen. Für diese Entscheidung wurde Wolf-Dietrich Speck von Sternburg 1999 mit dem Patronatspreis des Bundespräsidenten ausgezeichnet. Später wurde das Bild unter anderem mit Mitteln der Kulturstiftung der Länder für das Museum erworben[2][5].
Verkündigungstriptychon
Die Bildkomposition ist hinsichtlich der Position der Figuren, Farben und Rahmungen einer Seitentafel des Verkündigungstriptychons sehr ähnlich. Dieses ist ebenfalls ein Werk von Rogier van der Weyden und wird auf die Zeit um 1434 datiert. Ursprünglich bestand es aus drei Tafeln, von denen sich die mittlere heute im Louvre in Paris und die Seitentafeln in der Galleria Sabauda in Turin befinden.
Die Seitentafeln (Kleriker im Gebet und Heimsuchung, jeweils 89 × 36,5 cm) weisen im Grundsatz ähnliche Merkmale auf wie die mittlere Tafel (Verkündigung), zeigen aber hellere Landschaften, wobei die Hintergrundelemente am Horizont aufgrund der Luftperspektive immer diffuser werden.
Das oben beschriebene Tafelbild hingegen wird von der Forschung nicht als Flügel eines Altars angesehen, es gilt als Einzelwerk.[6]
Siehe auch
Einzelnachweise
- ↑ a b Gemälde. In: mdbk.de. Museum der bildenden Künste Leipzig, abgerufen am 3. Oktober 2025.
- ↑ a b c Rogier van der Weyden „Heimsuchung“. In: kulturstiftung.de. Kulturstiftung der Länder, abgerufen am 3. Oktober 2025.
- ↑ Brage Bei der Wieden: Mensch und Schwan. Kulturhistorische Perspektiven zur Wahrnehmung von Tieren. Transcript Verlag, Bielefeld 2014, ISBN 978-3-8376-2877-7, S. 195.
- ↑ Susanne Heiland: Prolog: Heimsuchung und Liebeszauber. In: Museum der bildenden Künste Leipzig (Hrsg.): Museum in der DDR. Museum der bildenden Künste Leipzig. 1. Auflage. Edition Leipzig, Leipzig 1987, ISBN 3-361-00143-9, S. 14.
- ↑ Thomas Höpel: Kultur, Kunst und Bildung. In: Ulrich von Hehl (Hrsg.): Geschichte der Stadt Leipzig, Band 4, Vom Ersten Weltkrieg bis zur Gegenwart. Leipziger Universitätsverlag, Leipzig 2019, ISBN 978-3-86583-804-9, S. 936.
- ↑ Antje Maria Neuner, Antje Neuner-Warthorst: Das Triptychon in der frühen altniederländischen Malerei: Bildsprache und Aussagekraft einer Kompositionsform. Lang, Frankfurt am Main 1995, ISBN 978-3-631-49122-5, S. 78.
Weblinks
- Kunstsammlung Freiherr Speck von Sternburg. In: mdbk.de. Museum der bildenden Künste Leipzig, abgerufen am 3. Oktober 2025.