Heimatmuseum Verrückte Schule
Das Heimatmuseum „Verrückte Schule“ ist ein Heimatmuseum in Bad Tabarz in Thüringen. Das ehemalige Schulhaus im Ortsteil Cabarz ist ein denkmalwürdiges Fachwerkhaus, es wurde 1784 erbaut und 1899 um über vier Meter an den heutigen Standort verschoben.
Lage
Das Gebäude steht traufständig an der „Inselsbergstraße 48“, südlich neben der Cabarzer Kirche. Die Straße, der ehemalige Marktweg, ist die Durchgangsstraße (L 1024) von der Bundesstraße 88 zum Großen Inselsberg.
Geschichte
Das Schulhaus wurde 1784 am Marktweg errichtet, eine Wetterfahne mit dieser Jahreszahl gehört zu den Exponaten des Museums. Die Schulsäle befanden sich im Erdgeschoss, das Obergeschoss diente als Lehrerwohnung. Im März 1898 forderte das herzogliche Schulamt die Gemeinden Cabarz und Kleintabarz auf, Vorschläge bezüglich der Erweiterung der Schulräume zu machen. Gegenüber einem vollständigen Neubau erschien es günstiger, die alte Schule in zwei Lehrerwohnungen umzubauen und nur zwei neue Lehrsäle zu errichten. Im April schlugen die Gemeinde- und Schulvertretungen der beiden Orte vor, die baufällige Scheune neben der Schule abzureißen und dort die neuen Säle zu errichten. Das Schulamt befürwortete jedoch im August einen Bauplatz neben der neuen Schule, örtlich „Backsteinschule“ genannt.[1]
Bei einer erneuten Beratung entschieden sich die Gemeinde- und Schulvorstände im November 1898 für die Pläne des Architekten Otto Carus, der die Schulsäle auf dem Platz der alten Scheune vorsah. Zugleich schlug er vor, das alte Schulgebäude um über vier Meter nach hinten zu versetzen. Alle Vorstände hatten Vertrauen in diesen Vorschlag des Architekten, wollten die Maßnahme jedoch aus Kostengründen auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Eine Woche später antwortete das Schulamt, dass der Bau neben der alten Schule nur genehmigt würde, wenn diese zwecks Verbreiterung des Marktwegs versetzt werde. Gemeinde- und Schulvorstand sollten sich „eiligst, binnen 8 Tagen“ dazu erklären. Im März 1899 verfügte das Landratsamt, dass zu den geschätzten Kosten des Schulsaalgebäudes von 20.000 Mark eine Unterstützung von 700 Mark gewährt würde. Bei weiteren Verzögerungen wurde der „Zwangsweg“ angedroht. Die Gesamtkosten der Baumaßnahmen wurden 1902 mit 40.000 Mark berechnet.[1]
Die Abschlusssitzung fand am 5. April unter dem Vorsitz des Landrats statt. Als Alternative zum „Zurückschrauben“ des alten Schulgebäudes behielt sich der Gemeinderat einen Neubau vor. Mit dem Wirt der gegenüberliegenden Gastwirtschaft Zur Krone wurde ein Pachtvertrag abgeschlossen, der den Schulunterricht der Klassen I und II im alten Tanzsaal vorsah. Als Tagesmiete wurde der Betrag von einer Mark mit Ausnahme der Ferienzeiten festgesetzt. Der erste Unterricht fand dort am 7. September statt.[1]
Im September 1899 wurden Balken unter das nichtunterkellerte Schulgebäude geschoben und die Ziegel aus dem Fachwerk der Seitenwände entfernt. Die Vorderwand wurde mit Balken verstärkt, an die starke Stämme ansetzten. Mit Hilfe von Gewindespindeln verschoben Arbeiter des Bauunternehmens das Bauwerk vom 2. bis 4. Oktober um insgesamt 4,20 Meter. Der Bauführer saß im Obergeschoss im Fenster und warnte vor auftretenden Verspannungen der Fassade.[1]
Das Gothaische Tageblatt berichtete am 4. Oktober: „Cabarz, 3. Okt. Eine interessante Arbeit geht jetzt in unserem Orte vor sich. Die 1784 erbaute Schule wird, um eine Straßenverbreiterung herzustellen, um 4 m zurückgeschraubt. Die Arbeit ist bis jetzt schnell von Statten gegangen, ohne daß irgendeine Verkrümmung oder dergl. wahrnehmbar geworden wäre. Mittwoch soll sich das Gebäude am neuen Standort befinden. Die Pläne zu dem Umbau sind vom Architekten Carus ausgearbeitet. Unter der Leitung des Bauführers Wipprecht werden die Arbeiten von der Firma Schatz & Nikolai in Waltershausen ausgeführt.“[2]
Das ehemalige Schulgebäude wurde in der Folge um eine fensterlose Achse verlängert und zum unterkellerten Wohnhaus für zwei Lehrerfamilien umgebaut. Es erhielt vor 1911 einen Zwerchgiebel mit Krüppelwalmdach und einer Glocke. Die Westseite war in Schiefer verschindelt.[2] In den 1920er Jahren bezog die Gemeindeverwaltung das Erdgeschoss und das Fachwerk wurde überputzt. In den 1930er Jahren wurde straßenseitig eine Tür eingefügt und die Fassade erhielt die Aufschrift „Gemeinde Verwaltung“. Bei einer Neueindeckung des Daches wurde der Zwerchgiebel wieder entfernt.[3]
Von 2001 bis 2004 wurde das Bauwerk umfassend saniert und in Gänze verschindelt. Der straßenseitige Eingang wurde zurückgebaut und die Fenster erhielten wieder eine Teilung. Auf Initiative des örtlichen Kneipp-Vereins wurde 2005 im Obergeschoss das Heimatmuseum eingerichtet, das der Verein ehrenamtlich betreut.[4] Im Erdgeschoss befand sich eine Gemeindebibliothek.
Nutzung
Das Heimatmuseum zeigt in seiner Dauerausstellung eine Stube, eine Schuhmacherwerkstatt sowie Küchengegenstände. Exponate würdigen den Opernsänger Max Alvary sowie den Widerstandskämpfer Theodor Neubauer. Seit August 2011 wird ein Modell gezeigt, an dem mit einer Kurbel die Versetzung der Schule demonstriert werden kann.
Im Erdgeschoss zeigt der Trachtenverein die „Tabarzer Trachtenausstellung“. Die „Tabarzer Schurztracht“ wurde zur Tracht des Jahres 2019 gewählt.[5]
Siehe auch
Weblinks
- bad-tabarz.de: Heimatmuseum „Verrückte Schule“
Belege
- ↑ a b c d Chronik [1898–1902]. In: Christa von Schemm-Müller: Festschrift. 600 Jahre Cabarz, 725 Jahre Mönchhof. Löhr, Ruhla 1997. S. 43–47.
- ↑ a b Christa von Schemm-Müller: Festschrift. 600 Jahre Cabarz, 725 Jahre Mönchhof. Löhr, Ruhla 1997. S. 46.
- ↑ Vgl. Postkartensammlung des Museums.
- ↑ youtube.com: Heimatmuseum Bad Tabarz (1:08 Minuten). Abgerufen am 30. September 2025.
- ↑ bad-tabarz.de: Tabarzer Trachtenausstellung. Abgerufen am 30. September 2025.
Koordinaten: 50° 52′ 46,2″ N, 10° 30′ 9,8″ O