Heilig-Geist-Kirche (Schorndorf)
Die Heilig-Geist-Kirche in Schorndorf ist die römisch-katholische Stadtpfarrkirche der Gemeinde Heilig Geist. Sie wurde nach dem Zweiten Weltkrieg erbaut.
Geschichte und Architektur
Bereits im 19. Jahrhundert zogen Katholiken nach Schorndorf. Für sie baute man 1907 die Kirche St. Martin. 1917 wurde Schorndorf eine eigene Pfarrei. Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden viele Menschen eine neue Heimat in Schorndorf. Die römisch-katholische Gemeinde wuchs stark an, sodass von 1952 bis 1954 die Heilig-Geist-Kirche errichtet wurde. 1970 wurde die Kirche umgebaut.
Innenraum
Das Innere der Kirche wurde 1995 neu gestaltet. Den Mittelpunkt des Altarraums bildet das Pfingstbild des Künstlers Rudolf Kurz, das die Sendung des Heiligen Geistes in den Feuerzungen am Pfingsttag sowie die Gegenwart des erhöhten Christus in der Welt darstellt.[1]
In großer Höhe sind im Altarraum runde Glasfenster eingelassen. Auf der linken Seite zeigen sie die vier Evangelisten und die sieben Gaben des Heiligen Geistes, während auf der rechten Seite weitere biblische Motive dargestellt sind.
Im Zuge der Neugestaltung wurde der Tabernakel auf die linke Seite des Altarraumes versetzt. Er stammt aus dem Jahr 1955 und wurde von dem Künstler Otto Herbert Hajek aus Spiegelbronze gefertigt. Der Tabernakel zeigt in zwei Reliefs die Emmausgeschichte aus dem Lukasevangelium.
Im Altar selbst befinden sich drei Reliquien, die den Heiligen Benignus, Castus und Gratus zugeschrieben werden. Sie sind in einem kleinen, von außen nicht sichtbaren Kästchen eingelassen.[1]
Das Ambo-Relief stellt die Ausgießung des Heiligen Geistes dar und wurde 1958/1959 von Eva Zippel geschaffen.[2]
Rechts neben dem vorderen Eingang steht eine Marienfigur aus dem 16. Jahrhundert, die ursprünglich aus dem ehemaligen Benediktinerkloster Ochsenhausen stammt. Eine weitere Marienfigur in Form einer Pietà befindet sich in der hinteren Beichtkapelle; sie entstand im 17. Jahrhundert.
Die Glasfenster auf der rechten Seite der Kirche zeigen in neun Darstellungen Szenen aus dem Leben Mariens, geschaffen von Wilhelm Geyer.[1]
Über dem Haupteingang der Kirche befindet sich das jüngste Kunstwerk des Kirchenensembles, Einfall des Geistes von Hubert Kaltenmark aus dem Jahr 2009.[3]
Orgel
Die Orgel wurde 1963 von E.F. Walcker & Cie. erbaut. Die Disposition stammt von Hans Böhringer. Sie besitzt 30 Register auf drei Manualen und Pedal.[4]
Kirchturm
Der 40 Meter hohe Kirchturm wurde im Jahr 1962 fertiggestellt. Er steht auf 37 quadratischen Stahlbetonpfeilern im Format 30 × 30 cm, die senkrecht und schräg etwa 10 Meter in den Untergrund eingerammt und auf einer größeren Fläche als der Turmquerschnitt (5,7 × 4,4 m) verteilt sind.[3] Die Höhe wurde durch eine Kletterschalung erreicht, die abschnittsweise höher gesetzt wurde. Besondere Aussteifungen sorgen dafür, dass die glatten Flächen des Sichtbetons und die figürlichen Details maßgenau und ansatzlos blieben.
Der Schorndorfer Künstler Alfred Seidel gestaltete ca. 220 m2 Betonreliefs, die den Turm schmücken. Ihr Thema ist das Wirken des Heiligen Geistes im Alten und Neuen Bund.
Der Kunsthistoriker Ernst Schremmer schrieb darüber:
„Am Schorndorfer Glockenturm ist die uralte Botschaft des Heils in sprechender, signalhafter Verknappung wie eine biblia pauperum unserer Zeit in moderne Form geschnitten, in modernem Material vorgetragen. (...) Rufen die Glocken die Gläubigen zur Besinnung und zum Gottesdienst, so sind die Reliefs eine optische Aufforderung an die Menschen, sich mit dem Wort Gottes zu befassen, immer wieder seinem Sinn nachzusinnen. Das Ganze ist ein Intritus zur Kirche und ihrem Patronat, dem Heiligen Geist.“[3]
Für den im Bau befindlichen Glockenturm goss die Glockengießerei Bachert (Heilbronn) im Jahr 1961 ein neues, fünfstimmiges Geläut.[5] Die Glocken sind auf das Geläut der Evangelischen Stadtkirche abgestimmt.
| Name | Ton | Gewicht | Durchmesser |
|---|---|---|---|
| St. Martin | c′ | 2280 kg | 1,59 m |
| St. Maria | es′ | 1340 kg | 1,33 m |
| St. Lukas | f′ | 930 kg | 1,18 m |
| St. Franziskus | g′ | 635 kg | 1,05 m |
| St. Anna | b′ | 375 kg | 0,88 m |
Weblinks
- Website der Kirchengemeinde
- Informationen zur Orgel auf OrganIndex
Literatur
- Heiliggeist-Kirche zu Schorndorf. Festschrift zur Einweihung. Libertas-Verlag, Erolzheim 1955.
- Jutta Betz: Schorndorf Katholische Pfarrkirche Heilig Geist. Kunstverlag Peda, Passau 1999, ISBN 978-3-89643-133-2 (19 S.).
Einzelnachweise
- ↑ a b c Pilgern im Remstal | Service. Abgerufen am 4. November 2025.
- ↑ Werkverzeichnis – Plastik 1956-1958, Nr. 76-99. Abgerufen am 4. November 2025 (deutsch).
- ↑ a b c Kirchengemeinde Heilig-Geist Schorndorf - Seelsorgeeinheit Rems-Mitte Schorndorf - Winterbach. Abgerufen am 4. November 2025.
- ↑ Schorndorf, Heilig-Geist-Kirche – Organ index, die freie Orgeldatenbank. Abgerufen am 4. November 2025.
- ↑ Glockenfampf: Schorndorf (D - BW) Die Glocken der Stadtpfarrkirche Heilig Geist. 9. Februar 2024, abgerufen am 4. November 2025.
Koordinaten: 48° 48′ 6,9″ N, 9° 31′ 51,6″ O